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| 16:36 Uhr

Die Sorben in der Lausitz
Viel mehr als nur Folklore

 Christina Kasper aus Seidewinkel mit ihrer Tochter Emilia: Die beiden führten den Besuchern des Ostereiermarktes im Landhotel Neuwiese vor, wie man Sorbische Ostereier verzieren kann.
Christina Kasper aus Seidewinkel mit ihrer Tochter Emilia: Die beiden führten den Besuchern des Ostereiermarktes im Landhotel Neuwiese vor, wie man Sorbische Ostereier verzieren kann. FOTO: Rainer Könen
Neuwiese. Wenn der Lausitzer Regionalkulturverein zum Ostereiermarkt ins Neuwieser Landhotel einlädt, wird Brauchtumspflege groß geschrieben. Von Rainer Könen

Ein Blick auf den vor dem Landhotel Neuwiese gelegenen Parkplatz zeigte es: Gelebtes Brauchtum zieht an – aus der gesamten Lausitz. Auch aus Hamburg, aus Braunschweig hatten sich einige auf den Weg nach Neuwiese gemacht. Ein älteres Ehepaar war aus Dortmund angereist. „Ich finde diesen Ostereiermarkt beeindruckend“, sagt der Mittsiebziger. Der wie seine Frau von den sorbischen Trachten schwärmte. „Dass die sich so viele Mühe damit geben, das ist in einer Zeit wie der heutigen anerkennenswert“, so der frühere Bergmann.

Beide gehörten zu den zahlreichen Besuchern, die am Wochenende ins Landhotel Neuwiese gekommen waren, wo der Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz zum alljährlichen Ostereiermarkt eingeladen hatte, zum 28. Mal inzwischen. Es ist klar, dass sich in der Woche vor Ostern vieles um die Sorbischen Ostereier drehte. 20 Aussteller aus der Lausitz führten verschiedene Verziertechniken vor. Das Kulturprogramm wurde vom Seidewinkeler Chor und einer Kindertanzgruppe aus diesem Ort mit geprägt. Kinder hatten bei dieser Veranstaltung ebenfalls Spaß. Sie durften Treckerfahren.

Kirsten Böhme vom Lausitzer Regionalkulturverein, in eine sorbische Tracht gewandet, hatte die Veranstaltung am Samstagvormitttag eröffnet, mit Brot und Salz, hatte den Menschen, die in dem kleinen Saal hinter den Ständen dicht gedrängt zusammenstanden, Trachten vorgeführt. Die „sind ein Bestandteil unserer Kultur“, so Kirsten Böhme, deren Leidenschaft Trachten sind. Von ihr kann man einiges über diese typisch sorbischen Gewänder erfahren, über die vier sorbischen Trachtenregionen, die es in der Lausitz gibt.

 Der gebürtige Hoyerswerdaer Tilo Schiemenz, der jetzt in Meißen lebt und als Bühnenbildner arbeitet, stellte während des Ostereiermarktes in Neuwiese einige seiner aus Holz geschnitzten Puppen aus.
Der gebürtige Hoyerswerdaer Tilo Schiemenz, der jetzt in Meißen lebt und als Bühnenbildner arbeitet, stellte während des Ostereiermarktes in Neuwiese einige seiner aus Holz geschnitzten Puppen aus. FOTO: Rainer Könen

Von Kirsten Böhme erfährt man auch, dass die im Gebiet um Hoyerswerda lebenden Sorben besonders viele Trachten im Alltag nutzen. Mehr als 20 sind es, die man bei diversen Anlässen, zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten trägt. Der Markt in Neuwiese, so Kirsten Böhme, sei eine „Art Vehikel, um auf uns, auch auf den Regionalverein aufmerksam zu machen“. Die Einnahmen des Marktes verwende man dazu, um „unser eigentliches Anliegen zu verwirklichen“, so Böhme weiter. Zu zeigen, wie die rund 60 000 in der Lausitz lebenden Sorben ihre Identität und Kultur in der heutigen Zeit bewahren.

Trachten sind da auf jeden Fall identitätsstiftend. Ergo legt der Verein großen Wert, „über den Tourismus“ (Kirsten Böhme) das sorbische Brauchtum in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Zudem sollen vom Erlös diverse Vereinsprojekte wie Trachten-Workshops unterstützt werden, wie Kirsten Böhme betont.

So sah man am Wochenende im und um das Landhotel Neuwiese einige in sorbische Trachten gewandete Menschen. Was die Besucher des diesjährigen Ostereiermarktes, insbesondere diejenigen, die von weit her kamen, „sehr schön“ fanden, wie das ein Braunschweiger, der sich an einem Stand mit Sorbischen Ostereiern eingedeckt hatte, prägnant beschrieb.