ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:57 Uhr

Neugierig auf ,,andere Stimme der DDR''

Irmgard Weinhofen (l.) erzählt in der überfüllten Reimann-Begegnungsstätte über ihre Freundschaft mit der Schriftstellerin.
Irmgard Weinhofen (l.) erzählt in der überfüllten Reimann-Begegnungsstätte über ihre Freundschaft mit der Schriftstellerin. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Brigitte Reimanns Werk wirkt weiter. Das war am 20. Februar spürbar, als in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte im Wohnkomplex 1 der 43. Todestag der bekanntesten Hoyerswerda-Autorin begangen wurde. Katrin Demczenko/dcz1

Viele Mitglieder des die Begegnungsstätte betreibenden Kunstvereins trafen Literaturfans aus Görlitz, München und anderen Städten. Ehrengast der Veranstaltung war Brigitte Reimanns langjährige Freundin Irmgard ,,Irmchen" Weinhofen aus Berlin.

Alle lauschten den Geschichten einer außergewöhnlichen Freundschaft. Irmgard Weinhofen und Brigitte Reimann begegneten sich 1948 als junge Mädchen in Burg bei Magdeburg und kämpften beide mit schlimmen Lähmungserscheinungen. "Bei Brigitte war es Kinderlähmung, bei mir eine Nervenlähmung", erzählte Weinhofen. Nach ihrer Genesung verlebten sie ihre Jugend in Burg und Brigitte veröffentlichte erste Texte und Bücher.

In den 1950er-Jahren zog Irmgard Weinhofen nach Ost-Berlin und die Reimann 1960 mit ihrem Mann Siegfried Pitschmann nach Hoyerswerda. Über den Aufbau der Stadt und des Gaskombinates Schwarze Pumpe begann sie ihren großen Roman "Franziska Linkerhand" zu schreiben.

Ab 1963 lebte Irmgard Weinhofen mit ihrem holländischen Mann in Amsterdam und Briefe überwanden Ländergrenzen. Die Briefe liegen heute in dem Band "Grüß Amsterdam" vor und lassen eigenständige Frauen ehrlich privates und gesellschaftliches Leben reflektieren.

Wenn Irmgard Weinhofen ihre Eltern in Ost-Berlin besuchte, kam Brigitte Reimann dazu. "In Hoyerswerda war ich wegen der aufwendigen Beantragung der Aufenthaltsgenehmigung nie", erzählte Weinhofen. Heute fährt das Ehrenmitglied des Kunstvereins gern in die Stadt zu Freunden. Irmgard Weinhofen hat die tapfer gegen den Krebs kämpfende Brigitte Reimann von 1968 bis 1973 in Neubrandenburg und im Krankenhaus Berlin-Buch besucht. Die Autorin wollte unbedingt "Franziska Linkerhand" beenden, was nicht gelang. Der Roman erschien 1974 postum, erzählte Irmgard Weinhofen. Sie dankte dem Kunstverein dafür, Brigitte Reimann und ihr Werk weltweit bekannt zu machen.

Der Student Karsten Zapsow aus Magdeburg war einer der Zuhörer und will, wie vor ihm schon viele junge Leute, Brigitte Reimann als "andere Stimme der DDR" kennenlernen. Er schreibt seine Masterarbeit über die Schriftstellerin und besuchte deshalb die Reimann-Begegnungsstätte Hoyerswerda und das Literaturzentrum Neubrandenburg.