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Neues Zuse-Computer-Museum wirbt für Hoyerswerda

Hans-Jürgen Pröhl im neuen Zuse-Computer-Museum vor dem Cellatron-Rechner C8205Z.
Hans-Jürgen Pröhl im neuen Zuse-Computer-Museum vor dem Cellatron-Rechner C8205Z. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Sie haben im zu Ende gegangenen Jahr für positive Schlagzeilen gesorgt – oder auch ganz im Stillen ein großartiges Vorhaben zu Ende gebracht, mutige Entscheidungen getroffen oder tolle Erfolge erzielt. Die RUNDSCHAU stellt solche "Menschen 2016" vor. Heute: Hans-Jürgen Pröhl dcz1

Vor 21 Jahren gründeten Hans-Jürgen Pröhl, Dr. Christian Rentsch und Horst Tschiedel das Konrad-Zuse-Computermuseum. Heute bauen sie das ZCOM Zuse-Computer-Museum mit auf, 2011 erhielt das Trio die Konrad-Zuse-Plakette der Stadt Hoyerswerda.

Die Museumsgeschichte begann 1995 vor dem Hoyerswerda-Besuch von Professor Konrad Zuse, der die erste vollständig programmgesteuerte und programmierbare Rechenmaschine der Welt erfunden hatte. Im September nahm er die Ehrenbürgerwürde seiner ehemaligen Schulstadt entgegen. Für ihn sei eine Ausstellung zur Entwicklung der Rechentechnik aufgebaut worden, erinnert Hans-Jürgen Pröhl. Nachdem Professor Zuse dieses erste Museumsprojekt auf 36 Quadratmetern im Lausitzer Technologie Zentrum Lautech gesehen hatte, habe er es sofort mit dem in seiner ehemaligen Firma produzierten Rechner Z 22 und seinem Namen unterstützt. Bis 2015 sei das Computermuseum zu einem überregionalen Zentrum ausgebaut worden, das Professor Zuses Lebensleistung als Ingenieur, Erfinder und Künstler würdigt und die Entwicklung der Rechentechnik dokumentiert, erläutert Hans-Jürgen Pröhl. Hauptobjekte der Ausstellung seien mehrere Rechenmaschinen und Plotter von Professor Zuse, seine Gemälde sowie Computer aus der Produktion der DDR und der Bundesrepublik.

Die Exponate trugen zuerst Mitglieder der Seniorenakademie Hoyerswerda mit Firmen und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland zusammen. Später beteiligten sich auch andere Hoyerswerdaer Vereine am Museumsaufbau. Durch die Dauerausstellung hat Diplomingenieur Hans-Jürgen Pröhl zu verschiedenen Themen selbst geführt sowie Sonderausstellungen im Lausitzcenter und im Kraftwerk Schwarze Pumpe mitorganisiert. Seit 2008 gehört er zum Verein Konrad-Zuse-Forum, das alle Kräfte zum Aufbau des neuen Zuse-Computer-Museums ZCOM bündelt.

Um die Exponate kümmert sich seit 2014 die ZCOM-Stiftung. Andrea Prittmann koordiniert die Schaffung des Museums im Erdgeschoss des Hochhauses in der Bonhoeffer-Straße 1-3 und wird es mit seiner Eröffnung am 28. Januar leiten. Die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda habe die Räumlichkeit als zentral gelegenen, wesentlich größeren Ort zur Verfügung gestellt, so Hans-Jürgen Pröhl. Dort entstehen auch Räume für Workshops, das BIT-Labor, eine Fachbibliothek und ein Büro.

2016 fand endlich der Umzug aller Exponate und der Originalliteratur statt, die die weltweite Computerentwicklung dokumentiert. Daran waren Mitglieder des Konrad-Zuse-Forums ebenso beteiligt wie an der Konzipierung der neuen Ausstellung und jetzt an ihrem Aufbau auf der 700 Quadratmeter großen Fläche. Mithilfe der freiberuflichen Kuratorin Juliane Thar, der Chemnitzer Firma Helmstedt-Schnirch-Rom und zwei Berliner Unternehmen, die Multimediaprojekte realisieren, setzt der Hoyerswerdaer Verein seine Ausstellungskonzeption um.

Die Mitglieder des Konrad-Zuse-Forums gaben 2016 aber auch die alten Ausstellungsräume renoviert an die Lautech zurück. "Dazu waren 700 Quadratmeter Wandfläche zu malern und der alte Fußboden durch einen neuen zu ersetzen", erinnert Hans-Jürgen Pröhl. Der 78-Jährige dokumentiert zudem seit Jahren gemeinsam mit Professor Horst Kolloschie alle Vereinsaktivitäten für die Öffentlichkeit in Broschüren.