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Neues Kapitel für Hoyerswerdas Stadtbibo

PC statt Bücherregal: Annekathrin Trojahn liebt Statistiken – und braucht die Zahlen auch als Grundlage für ihre neuen Stadtbibo-Pläne.
PC statt Bücherregal: Annekathrin Trojahn liebt Statistiken – und braucht die Zahlen auch als Grundlage für ihre neuen Stadtbibo-Pläne. FOTO: ahu
Hoyerswerda. 30 Jahre jung, 21 Tage im Amt und voller Ideen: Annekathrin Trojahn ist seit Jahresanfang Hoyerswerdas neue Bibliotheksleiterin. Sie will schneller als bisher Knallerautoren in ihren Regalen präsentieren und bei Veranstaltungen mehr Klasse statt Masse zeigen. Anja Hummel

Hauptsache in Sachsen bleiben. Hauptsache in einer Bibliothek arbeiten. Zwei Herzenswünsche, die sich zum Jahresanfang für Annekathrin Trojahn erfüllt haben. Und zwar auf den letzten Drücker. Als sie nach ihrem Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft in Leipzig keinen passenden Job fand, überbrückte sie ganze zwölf Monate als Barista bei der Kaffee-Kette Starbucks. "Ich habe mir eine Ein-Jahres-Frist gesetzt", erzählt die 30-Jährige. Ohne Zusage in Hoyerswerda, hätte sie dem Freistaat wohl den Rücken kehren müssen. "Eine große Chance auf die hohe Position als Leiterin habe ich mir aber nicht erhofft", gibt die gebürtige Radebergerin zu. Schließlich fehlte ihr die entsprechende Berufserfahrung.

Und doch konnte sie überzeugen. "Ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt", ist sie vom neuen Umfeld begeistert. Als leidenschaftliche Mountainbikerin ist ihr auch sofort die schöne Lausitzer Landschaft ins Auge gefallen. Zeit fürs Hobby bleibt momentan aber nicht. Ihre ganze Kraft wandert in die Stadtbibliothek. Gerade ist sie dabei, "herauszufiltern, wo Geld eingespart und wo es investiert werden kann". Dafür schaut sie sich Zahlen an, verbringt die meiste Zeit vor dem Rechner. Erste Pläne, wie sie frischen Wind in die vollen Bücherregale bringen will, hat sie schon.

Interne Strukturen

"Knallerautoren sollen bei uns sofort im Regal stehen." Dafür will Annekathrin Trojahn künftig sorgen. Während das Einpflegen neuer Literatur derzeit bis zu sieben Tage in Anspruch nimmt, soll der Weg ins Regal künftig in maximal drei Tagen erledigt sein. "Dafür müssen wir konkrete Abläufe entwickeln", so Trojahn, die ein effizienteres Arbeiten auch als wichtigen Service für den Nutzer empfindet.

Service für Erwachsene Während die Kinder- und Jugendarbeit "schon phänomenal vertreten" ist, "zwickt und zwackt es" jedoch noch am Service für Erwachsene und Senioren. "Der Bücherhausdienst soll erweitert werden", kündigt die neue Leiterin an. Dieser Service wird für Personen angeboten, die alleine nicht in die Bibliothek kommen können. Je nach Interessengebiet wird eine Bücherauswahl von einer Bibo-Mitarbeiterin in Wohneinrichtungen oder Privathaushalte gebracht. "Viele wissen noch gar nichts von diesem Dienst", so Trojahn. Allein schon wegen der Altersstruktur in der Zusestadt solle das Angebot ausgebaut werden. Generell sollen besonders Erwachsene zunehmend durch gezielte Veranstaltungen angesprochen werden. So soll der alljährliche "Tag der Demokratie und Toleranz" nicht wie sonst für Kinder, sondern vor allem auf ältere Bürger mittels Podiumsdiskussion und Ausstellung ausgerichtet werden.

Die Onleihe

Annekathrin Trojahn ist ein großer Fan virtueller Literatur. Ihren E-Reader hat sie immer dabei. "Das hat einen wahnsinnigen Vorteil. Für Bibliothekare ist es furchtbar, gebrochene Buchrücken und Eselsohren zu sehen", sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihr kleiner "Bibliothekaren-Tick": Sie liest die Bücher zwar in der elektronischen Ausgabe, stellt sie sich dann aber als unversehrte Papierausgabe ins Regal.

Wie wichtig das virtuelle Literatur-Angebot auch für die Bibliotheksnutzer ist, zeigen die Zahlen: Fast 400 Nutzer entliehen mehr als 8000 Online-Bücher im Jahr 2016. "Es gibt einen leichten Anstieg", stellt Annekathrin Trojahn fest. Weil es aber immer etwas besser laufen könne, sei hier gezieltere Werbung geplant. "Krimis und Thriller sowie Romane laufen online am besten." Was gar nicht geht, sind die Bereiche Religion, Familienplanung und Grammatik.

Veranstaltungen Veranstaltungen der Stadtbibliothek sollen künftig etwas zurückgeschraubt werden. So wird es im Jahr nur noch vier große Termine geben - und nicht mehr zehn, wie vorher. "Die werden dann aber richtig knallen", verrät Annekathrin Trojahn und fügt hinzu: "Weniger ist oftmals mehr." Den ersten großen "Knaller" kündigt sie für den 23. April zum Welttag des Buches an. "Da wird es richtig bunt bei uns", macht sie neugierig.

Bunter sollen auch die Wände der Stadtbibo werden - ein neuer Farbanstrich ist in Planung. Dafür will die neue "Literatur-Chefin" Fördermittel beantragen. Als "etwas abgewohnt und streng" beschreibt sie das momentane Erscheinungsbild. Sie hätte alles gerne "runder und grüner, aber natürlich nicht quietschig".

Ihre Vorgängerin Heike Lehmann, die seit nunmehr 30 Jahren in der Reimann-Bibliothek arbeitet und diese vier Jahre leitete, blickt den geplanten Änderungen positiv entgegen. "Annekathrin Trojahn ist super ausgebildet, klug und tatkräftig. Sie wird uns allen, nicht zuletzt der Stadt und Bibo, zugute kommen."

Auch für Trojahn selber, die es literarisch eher "schön blutig" mag, hielt das neue Kapitel in Hoyerswerda bisher nur positive Momente bereit. Ob in der Nachbarschaft oder Bibliothek: "Ich wurde überall herzlich empfangen", erzählt sie. Wie spannend dieses neue Kapitel tatsächlich bleibt, liegt nun federführend in ihren Händen.

Zum Thema:
Im Jahr 2016 sind rund 247 000 Medien aus dem Bestand der Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek ausgeliehen worden. Im Bestand selbst befinden sich fast 72 000 Bücher, Zeitschriften, Spiele, Dvds, Cds, PC-Spiele und mehr. Knapp 3850 aktive Benutzer zählte die Bibliothek im vergangenen Jahr, inklusive der "Onleihe"-Nutzer. Damit ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von rund 120 Nutzern leicht angestiegen.Geöffnet hat die Bibliothek montags von 13 bis 18 Uhr, dienstags und donnerstags von jeweils 10 bis 19 Uhr, freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr. Mittwochs ist die Einrichtung geschlossen. Wer die Onleihe, also das virtuelle Literatur-Angebot der Stadtbibliothek, nutzen möchte, oder nach weiteren Informationen sucht, wird an dieser Stelle fündig: www.bibliothek-hy.de