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| 17:01 Uhr

Buch über Hoyerswerda entsteht
Neues Hoyerswerda-Buch wird Wissen von hier in die Welt tragen

Nico Grunze spricht und es lauschen (v.l.) Wolfgang Kil, Simone Hain, Prof. Nina Gribat, Felix Ringel und Dorit Baumeister.
Nico Grunze spricht und es lauschen (v.l.) Wolfgang Kil, Simone Hain, Prof. Nina Gribat, Felix Ringel und Dorit Baumeister. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Stadtentwicklungsforscher und Wissenschaftler stellen Skizzen ihrer Arbeit in der Kufa vor.

Die Entwicklung der Stadt Hoyerswerda, ihre rasante Veränderung und Schrumpfung von einzigartigen Kulturprojekten, werden seit mehr als zehn Jahren begleitet. Die Zusammenarbeit von Stadtforschern und Wissenschaftlern, die sich damit und mit Hoyerswerda beschäftigen, soll nun in ein Buch münden. Erste Skizzen dazu wurden kürzlich während einer Diskussionsrunde in der Kulturfabrik (Kufa) Hoyerswerda vorgestellt.

„Ihr habt euch mit Kultur um euer Leben gekümmert“, so formulierte es der Berliner Architekturkritiker und Publizist Wolfgang Kil während der Veranstaltung. Schrumpfung gäbe es in der postindustriellen Gegenwart in vielen Städten Deutschlands und in der Welt, aber die Hoyerswerdaer Bürger setzten sich seit dem Moment damit auseinander, als ihre Stadt von anderen aufgegeben wurde, erklärte Kil. Den seit 2003 hier angehäuften Erfahrungsschatz will er nun mit dem Buch weiterverbreiten, an dem auch andere Wissenschaftler mitschreiben. Das sind die Architektur-Professorin Dr. Nina Gribat von der Universität Darmstadt, die freiberuflich tätige Architektur- und Planungshistorikerin Dr. Simone Hain, der Geograf Dr. Nico Grunze von der Humboldt-Universität Berlin und Dr. Felix Ringel von der Universität Durham in Großbritannien.

Alle fünf Stadtforscher begleiten seit den 2000er-Jahren den Wandel in Hoyerswerda, der mit dem Niedergang der Braunkohleindustrie in den 1990er-Jahren begann und zu einem starken Verlust an Einwohnern führte. Das sagte die Architektin Dorit Baumeister aus Hoyerswerda, die den Abend moderierte.

Simone Hain erzählte von ihrer Sehnsucht in der Jugend nach dem damals aufstrebenden Hoyerswerda. In der Neustadt entstanden nicht nur Wohnhäuser und eine Infrastruktur für 70 000 Menschen. Der Aufbau wurde auch von Autoren wie Brigitte Reimann und Volker Braun, dem Rockpoeten Gerhard Gundermann oder den Liedermachern Ulli und Udo Magister kritisch künstlerisch begleitet. Dieses kulturelle Potenzial sei einzigartig, und darüber will die Architektur- und Planungshistorikerin mit interessierten Hoyerswerdaern noch einmal sprechen. Nico Grunze unterstützte den Gedankengang, dass alle Akteure der Stadtgesellschaft gemeinsam weiter besondere Ressourcen von Hoyerswerda finden müssen, um daraus ein neues Leitbild für die postindustrielle Zukunft zu entwickeln.

Städteplanerin Prof. Dr. Nina Gribat lehrt ihre Studenten, „nicht nur Räume, sondern Prozesse zu gestalten.“ Fehler in der Stadtentwicklung entstehen meistens, weil Planungsmodelle von der moderaten Veränderung der Einwohnerzahlen ausgehen. Vollziehen sich Wachstum oder Schrumpfung schneller, ist es schwieriger, eine bewohnbare Stadt wieder herzustellen und alle Menschen in diese Wandlungen einzubeziehen. Hoyerswerda gelang das mit seinen Kulturprojekten von der „Auszeit“ bis zu den Tanztheateraufführungen „Eine Stadt tanzt“ sehr gut, sagt Wolfgang Kil. Der Anthropologe Felix Ringel findet es wichtig, für die Bewohner schrumpfender Städte auch Bleibendes herzustellen, damit ein Reflektieren der Veränderung möglich wird.

Axel Fietzek, Vorstandsvorsitzender der Lebensräume Hoyerswerda, glaubt, „dass die Bürger viel mehr nach außen transportieren müssen, wie toll das Leben hier ist“. Sie gestalten es selbst mit und erhöhen ihre Lebensqualität. Dirk Lienig, Leiter der Kufa-Tanzcompagnie, ergänzte: Junge Erwachsene verlassen die Stadt und nehmen  ihr Wissen darüber mit. Auch das ist einzigartig.

(dcz)