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| 17:47 Uhr

Knappenrode
Neues Eintrittstor für Lausitz-Geschichte

Knappenrode. Mehr Erlebnis, mehr Orientierung: Die Energiefabrik Knappenrode soll bis 2020 umgebaut werden. Von Anja Hummel

Noch knarrt und hakt sie, die schwere Doppeltür. Noch staubt es beim Eintreten, noch ist es dunkel in der hohen Fabrikhalle, wenig einladend, wenig anziehend. Beton über Beton, grau über grau. Doch bald soll genau an dieser Stelle das Eintrittstor zu einem großen Stück Lausitzer Geschichte stehen. Das Eintrittstor zum neuen Herzstück der Energiefabrik Knappenrode. Bis 2020 wird auf dem Museumsgelände gebaggert, gebaut und neu gestaltet.

Sophia Müller kennt alle Pläne. Als Projektassistentin betreut die 28-Jährige die Maßnahmen. Kurz und knapp fasst sie zusammen: „Das Gelände wird verkleinert und das Museumsangebot für die Besucher übersichtlicher gemacht.“ Energisch ergänzt die Lausitzerin: „Es wird aber nichts abgerissen.“ Gerüchte darüber gebe es schließlich schon. Einzig die Zuständigkeiten werden sich ein wenig verändern.

Bis 2020 sollen von ganzen 25 Hektar Museumsfläche noch sieben übrigbleiben.  Ausgegliedert werden zum Beispiel viele bewaldete Flächen. Die frühere Lehrwerkstatt der Brikettfabrik und die Häuser, in denen sich derzeit Kasse, Touristeninformation und die Dauerausstellung befinden, das Verwaltungsgebäude und andere ungenutzte Räumlichkeiten betrifft das ebenfalls.

Die denkmalgeschützten Gebäude bleiben aber bestehen. Schließlich gehören sie zum authentischen Gesamtensemble der Industriekultur. Leer sollen sie nicht bleiben:  „Wir würden uns zum Beispiel eine vollwertige Gastronomie wünschen“, sagt Sophia Müller. Während das Museum das Areal bewirtschaftet, ist und bleibt Eigentümer ein anderer: der Landkreis Bautzen. „Wir als sächsisches Industriemuseum sind lediglich die Mieter des Geländes“, erklärt Sophia Müller. Während die Baumaßnahmen also vom Landkreis durchgeführt werden, erfolgt die Planung der Neustrukturierung in Zusammenarbeit.

Projektassistentin Sophia Müller steht vor dem neuen „Herzen der Energiefabrik“: In der Fabrikhalle 3 sollen künftig Besucherzentrum und Dauerausstellung einziehen.
Projektassistentin Sophia Müller steht vor dem neuen „Herzen der Energiefabrik“: In der Fabrikhalle 3 sollen künftig Besucherzentrum und Dauerausstellung einziehen. FOTO: Anja Hummel / LR

Zurück zum neuen Herzstück, zurück zur Fabrikhalle Nummer drei. Da, wo im Obergeschoss die Ofenausstellung zu finden ist, soll künftig alles zusammenkommen. Besucherzentrum, Dauerausstellung, Verwaltungsräume. Wenn Sophia Müller in die Zukunft blickt, gerät sie ins Schwärmen. Neben Tourismusinfo auf der rechten Seite und Garderobe à la Bergbauart mit Seilzug, sollen die Besucher im neuen Museumszentrum mit visuellen und akustischen Effekten auf das Lausitz-Erlebnis eingestimmt werden.  „Alles steht unter der Maßgabe, wie die Lausitz zu dem geworden ist, was sie heute ausmacht“, erklärt Sophia Müller.

Nach der thematischen Einstimmung kann es direkt weitergehen – mit dem Museumsrundgang durch die Dauerausstellung zum Beispiel. Dafür geht es eine Etage höher. Wo derzeit noch leere Hallen im 100 Jahre alten Fabrikteil auf Ausstattung warten, wird es dort in zwei Jahren die Geschichte der Lausitz  zu erleben geben. Von der Zeit vor der Industrialisierung bis zur Brikettproduktion samt Zeitzeugenberichten. „Wir möchten, dass Leute uns ihre Geschichte erzählen. Wie wurde der Umbruch erlebt?“, sagt Sophia Müller. Vom Zeitzeugenbereich soll es dann in die Ofenausstellung gehen, die bereits jetzt an Ort und Stelle steht.

Es geht zurück nach unten. Im Außenbereich – mit Blick in Richtung Maschinenpark – wird deutlich, dass die Energiefabrik mehr als ein Museum ist. „Bei uns kann man sich auch erholen“, sagt die Projektassistentin. Zwischen den grünen Wiesen soll ein direkter Weg hin zum Graureihersee gebaut werden. „Dort war einst der erste Tagebau der Energiefabrik“, erklärt Müller. Auch geplant: ein Fahrstuhl, mit dem die Ausstellung barrierefrei bis hoch aufs Dach zugänglich wird. Zwar gebe es schon das Treppenhaus. Das aber ist, wie der Name schon sagt, nur für fitte Fußgänger geeignet. Wer jedoch die 220 Stufen erklommen hat, dem wird die gigantische Weite des Fabrikgeländes erst bewusst. So wie Gisela Dorn und Reiner Gebhard. Die beiden Besucher sind extra aus Lübbenau angereist. Sehr gut gefällt es ihnen, vom Umbau haben sie gehört. „Es ist schon beeindruckend, solch ein technisches Denkmal so zu erhalten“, sagt Gisela Dorn.

Weniger beeindruckend finden die zwei die derzeitigen Straßenbaumaßnahmen. Denn momentan ist die Zufahrt nach Knappenrode voll gesperrt – noch bis Ende Oktober. Die Umleitung aus Richtung Hoyerswerda ist nicht ohne. „Wir haben schon bemerkt, dass uns deshalb viele Leute fernbleiben“, resümiert Sophia Müller. Aus dem Grund werden traditionell sommerliche Veranstaltungen, die Fabrikfestspiele zum Beispiel, in den Herbst verschoben.

Doch auch auf dem Gelände steht Straßenbau auf dem Plan: Ab Juni wird die neue Museumsstraße, die zum neuen Besucherzentrum führen wird, gebaut. „Dann können wir die Sicherheit der Besucher nicht mehr ruhigen Gewissens gewährleisten“, so Sophia Müller. Bedeutet: Gebuchte Führungen wird es weiterhin geben, die individuellen Besucher aber müssten mit Einschränkungen rechnen. In welcher Form, so Müller, das ist „noch nicht in Stein gemeißelt“. Fest steht aber: Bis 2020 ist all das Geschichte. Dann steht es – das neue Eintrittstor zum Herzstück der Lausitzer Bergbaugeschichte.

Das Team von "ZDF Zoom" hat zum Thema "Die Zukunft der Zeitung" in der Energiefabrik Knappenrode gedreht. Die Besucher Gisela Dorn und Reiner Gebhardt haben vor der Kamera über die Lokalzeitung gesprochen.
Das Team von "ZDF Zoom" hat zum Thema "Die Zukunft der Zeitung" in der Energiefabrik Knappenrode gedreht. Die Besucher Gisela Dorn und Reiner Gebhardt haben vor der Kamera über die Lokalzeitung gesprochen. FOTO: Anja Hummel / LR