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Neuer Verein will für Erhalt Niederschlesiens streiten

Die Vorsitzende des BdV-Stadtverbandes Hoyerswerda Gisela Lossack spricht auf dem Tag der Heimat in der Lausitzhalle.
Die Vorsitzende des BdV-Stadtverbandes Hoyerswerda Gisela Lossack spricht auf dem Tag der Heimat in der Lausitzhalle. FOTO: dcz1
Hoyerswerda. Beim Tag der Heimat 2017 hat der Bund der Vertriebenen, Stadtverband Hoyerswerda (BdV), am Samstag in der Lausitzhalle ein doppeltes Jubiläum begangen: Der BdV-Dachverband aller deutschen Vertriebenenverbände wurde vor genau 60 Jahren 1957 in der damaligen Bundesrepublik gegründet und der Stadtverband Hoyerswerda vor 25 Jahren. Gemeinsames Ziel ist es, die Interessen jener Deutschen zu vertreten, die Flucht, Vertreibung und Aussiedlung erleben mussten, ihr kulturelles Erbe zu pflegen und der heutigen Jugend von der Geschichte zu erzählen. Katrin Demczenko

Diese Arbeit des Erinnerns geschieht zum Beispiel in der letzten noch erhaltenen Baracke des ehemaligen Lagers Elsterhorst bei Nardt. Auch am Geierswalder See hören Schüler auf dem noch vorhandenen Beiboot der "Wilhelm Gustloff", die 1945 mit 9000 Flüchtlingen an Bord versenkt wurde, die ergreifenden Lebensgeschichten von BdV-Mitgliedern über ihre Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg. "Der Stadtverband Hoyerswerda hat heute Kontakt zu in ehemaligen Heimatregionen wie Ostpreußen oder Schlesien lebenden Deutschen, was auf Basis von Menschenrechten und Demokratie geschieht", sagte die Vorsitzende des BdV-Stadtverbandes Hoyerswerda Gisela Lossack.

Zum Tag der Heimat in Hoyerswerda konnte sie am Samstag den Vorsitzenden des Landesverbandes für Vertriebene und Spätaussiedler Frank Hirche (MdL), Bürgermeister Thomas Delling und den Superintendenten Thomas Koppehl begrüßen. Koppehl sprach in seiner Festrede vom Weg zur Freiheit des Glaubens, den jeder Einzelne wie der Reformator Martin Luther vor 500 Jahren finden kann. So befreien sich Menschen aus geistiger Knechtschaft, fällen eigene Entscheidungen und leben das Menschenrecht.

Jens Baumann vom Sächsischen Ministerium des Innern erklärte, dass das Einbringen in der neuen Heimat genauso wichtig ist wie die Bewahrung und Fortentwicklung des Erbes der alten Heimat. Es gelte immer, sich dafür einzusetzen, dass ein freiheitliches respektvolles Miteinander in Europa erhalten und weiterentwickelt wird. Der Landtagsabgeordnete Frank Hirche ergänzte: "Religiösem Fanatismus und Terror muss mit allen dem Rechtsstaat zur Verfügung stehenden Mitteln Einhalt geboten werden."

Thomas Delling lobte unter anderem das Engagement der Vertriebenen beim Aufbau von Hoyerswerda, die sich so ihre neue Heimat geschaffen haben. Die Bläsergruppe "Vielharmoniker" und Musiktalente der Familie Vogel umrahmten den Tag der Heimat musikalisch.

Auf eine neue Initiative verwies Jürgen Lienig, Mitglied des BdV-Stadtverbandes Hoyerswerda, am Rande der Veranstaltung. Lienig engagiert sich für die Erhaltung des Landesteils Niederschlesien in Sachsen. Von Görlitz bis Hoyerswerda und Ruhland reicht die niederschlesische Region, die aber so kaum noch wahrgenommen wird. Jürgen Lienig möchte dazu einen Verein in Görlitz gründen und das Thema in Sachsen und Polen in den Schulunterricht integrieren.

Veranstaltungsgast Michael Baranowski erinnerte an das Gesetz über den Lastenausgleich für zum Kriegsende aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Geflüchtete. Wer in der DDR blieb, erhielt nach damals dort gültigem Recht nur 4000 Mark. Baranowski wartet bis heute auf den Lastenausgleich der BRD für den ehemaligen Bauernhof seiner Eltern in Ostpreußen.