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| 01:02 Uhr

Neuer König auf dem Fußball-Thron

Sportlich stetig bergauf ging es in den letzten Monaten für die Kicker der Spielvereinigung Hoyerswerda 1919 um Vize-Vorstandschef Klaus Ludwig. Zumeist mussten die Gegner die Bälle aus dem Tornetz holen.
Sportlich stetig bergauf ging es in den letzten Monaten für die Kicker der Spielvereinigung Hoyerswerda 1919 um Vize-Vorstandschef Klaus Ludwig. Zumeist mussten die Gegner die Bälle aus dem Tornetz holen. FOTO: Martina Arlt
Hoyerswerda.. Über Jahrzehnte hinweg galt der heutige FC Lausitz Hoyerswerda als das Maß aller Dinge, wenn es um den Fußballsport in der Stadt ging. Jetzt werden die Karten allerdings neu gemischt. Die Spielvereinigung Hoyerswerda 1919 ist künftig das Nonplusultra. Und möchte es möglichst lange bleiben. Von Sven Hering

Pleiten, Pech und Pannen - der Verein, der noch vor nicht allzu langer Zeit kurz vor dem Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse Deutschlands stand, attraktiven Fußball bot und tausende Fans elektrisierte, erlebte einen Fall ins Bodenlose. Mit einem traurigen Finale am letzten Spieltag in der Bezirksliga. Das 0:17 in Sebnitz war die höchste Niederlage, die die Truppe aus dem Jahnstadion je kassierte. Der Abstieg in die Bezirksklasse stand eigentlich schon nach der Hinrunde fest.
„Wir haben in der Vergangenheit über unsere Verhältnisse gelebt“ , gibt Präsident Fritz Taube unumwunden zu. Gemeint sind damit die Zeiten, als mit klangvollen Namen der Sprung in den bezahlten Fußball geschafft werden sollte. Was folgte, ist bekannt: Finanzprobleme bis hin zum Insolvenzverfahren, Spielerflucht, Chaos. Taubes Analyse: „Es ist ein Fehler, wenn ein Fußballverrückter auch die Finanzgeschäfte leitet“ . Sportliche Wünsche und finanzielle Realität passen dann schnell nicht mehr zusammen. Der Anfang vom Ende.
Taube selbst hatte seinen eigentlich längst geplanten Abschied vom FCL noch einmal hinausgezögert, um die Fusion mit dem HSV Einheit in die Gänge zu bringen. Das Vorhaben scheiterte. „Beide Seiten haben zu wenig Kompromissbereitschaft gezeigt“ , sagt Taube, der im August seinen Stuhl räumen wird. „Ich kann die anstehenden Aufgaben nicht mehr bewältigen.“
Den Wechsel an der Vereinsspitze haben die Kicker vom Adler bereits vollzogen. „Das ging sportlich fair und sauber über die Bühne“ , sagt Maik Tank, der im November 2004 die Geschicke von Jens Kloss übernahm. Und dabei auf funktionierende Strukturen zurückgreifen konnte. Was die Arbeit einfacher machte. „Die großen Skandale gab es bei uns nicht“ , sagt Maik Tank. Die Mannschaft konnte in aller Ruhe Punkt für Punkt sammeln, um am Ende in die Klasse aufzusteigen, die der einst so große Rivale aus der Neustadt soeben verlassen musste.
Freude oder Häme ob des tiefen Falls des FCL sucht man bei 1919 allerdings vergeblich. Denn Tank weiß, dass auch für die Adler-Kicker das Unterfangen Bezirksliga alles andere denn ein Selbstläufer wird. Große Neuverpflichtungen wird es nicht geben, der Ansturm der Sponsoren blieb ebenfalls (bislang) aus. „Wir haben viele kleine Unternehmen, die uns ganz toll unterstützen, aber ein Großbetrieb wie zum Beispiel Vattenfall würde uns noch gut zu Gesicht stehen.“ Tank hofft, vielleicht einmal „den richtigen Mann am richtigen Ort“ zu treffen. Das würde die Verwirklichung des Hauptziels wesentlich einfacher machen: Den Platz auf dem Fußball-Thron will 1919 so schnell nicht wieder hergeben.

Zum Thema Zahlen & Fakten
 Rekorde am laufenden Band produzierten die beiden Vereine FC Lausitz und Spielvereinigung 1919 in der abgelaufenen Saison. Hier ein paar positive, aber auch negative Beispiele:
Die Kicker der Spielvereinigung 1919 Hoyerswerda blieben 22 Spiele in Folge ohne Niederlage. Ohnehin gab es in der gesamten Saison nur einen Patzer: Im Oktober 2004 verlor die Truppe mit 0:1 in Laubusch. Ansonsten gab es 22 Siege und sieben Unentschieden.
Mit nur 21 Gegentreffern stellten die Adler-Kicker die beste Abwehr in der Bezirksklasse.
Im letzten Heimspiel gegen den Stadtrivalen HSV Einheit (2:2) wurden 380 zahlende Besucher am Adler registriert - Saison-Rekordkulisse.
Ohne Sieg beendete der FC Lausitz die Bezirksliga-Saison. Gerade einmal fünf Unentschieden standen auf der Habenseite.
Die höchste Niederlage in der Vereinsgeschichte gab es mit dem 0:17 am letzten Spieltag in Sebnitz. 21 Treffer erzielte der Verein in der gesamten Saison, 145 Gegentore bedeuteten ebenfalls einen unrühmlichen Rekord.
Zu den 15 Heimspielen kamen durchschnittlich 101 Zuschauer. Tiefpunkt waren ganze 50 Fans in einer Nachholebegegnung.