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| 18:45 Uhr

Bauarbeiten voll im Gange
Kunden sauer auf die Automaten-Knacker

Der Neubau des Bankautomatens in der Lohsaer Sparkassenfiliale läuft auf Hochtouren. Im Dezember 2017 wurde der Automat gesprengt und damit auch Gläser und Wände drumherum zerstört. Filialleiterin Nicole Koplanski freut sich schon auf den Service, für den bautechnisch die beiden Monteure Karsten Raack (l.) und Matthias Landskron sorgen.
Der Neubau des Bankautomatens in der Lohsaer Sparkassenfiliale läuft auf Hochtouren. Im Dezember 2017 wurde der Automat gesprengt und damit auch Gläser und Wände drumherum zerstört. Filialleiterin Nicole Koplanski freut sich schon auf den Service, für den bautechnisch die beiden Monteure Karsten Raack (l.) und Matthias Landskron sorgen. FOTO: Anja Hummel / LR
In der Sparkassen-Filiale in Lohsa wird der im Dezember dreist gesprengte Geldautomat derzeit ersetzt. Von Anja Hummel

Elke Richter ist aufgebracht. „Keine Worte“ findet sie für das, was in Lohsa geschehen ist. Seit Jahren ist die Anwohnerin Kundin der Sparkasse, nutzt den Service der Bankfiliale vor Ort. Im vergangenen Dezember dann das Verbrechen: Mitten in der Nacht ein lauter Knall. Die Bankautomatensprenger haben zugeschlagen. Wie die Polizei damals bestätigte: Unbekannte haben Gas in den Automaten gefüllt, diesen zerstört und dabei „enormen Sachschaden“ im Inneren des Hauses hinterlassen.

„Das ist einfach unerhört“, sprudelt es aus Elke Richter heraus. Sie steht im Eingangsbereich der Sparkasse. Direkt neben ihr, umringt von einem provisorischen Sichtschutz, befindet sich der jetzige Geldautomat. Eine „Notlösung“. Um allzu große Einschränkungen für die Kunden zu vermeiden, organisierte die Sparkasse zunächst ein Bargeld-Mobil, das auf dem Parkplatz hinter der Filiale platziert wurde. Ende Januar folgte dann der Geldautomat innerhalb der Filiale. „Das Problem wurde sehr gut gelöst“, blickt Elke Richter zurück. Die 73-Jährige hat den Service genutzt, war darauf angewiesen. „Aber am Wochenende sind die Leute immer noch sehr eingeschränkt“, fügt sie hinzu. Müssten bis nach Hoyerswerda fahren, um an Bargeld zu kommen.

Schließlich ist das Abheben der Banknoten seit dem Vorfall im Dezember nicht wie zuvor rund um die Uhr im Selbstbedienungsbereich möglich, sondern lediglich zu den Öffnungszeiten der Filiale. Ab Mai soll sich das wieder ändern. Nicht nur die Kunden, auch die Mitarbeiter freuen sich auf den Neubau. Nicole Koplanski erinnert sich nur allzu gut an den damaligen furchtbaren Anblick der Filiale. „Sämtliche Wände, die Fensterfront und die Glasschiebetüren, alles lag in Schutt und Asche“, erzählt die Filialleiterin. Neben dem Automaten sind auch Kontoauszugsdrucker und Überweisungsbriefkästen ausgefallen. „Die Anfragen haben wir in dieser Zeit natürlich persönlich entgegengenommen“, so Nicole Koplanski. Ein Kraftakt für Mitarbeiter sowie Kundschaft. „Aber grundsätzlich herrschte Verständnis für die Situation“, sagt die 26-jährige Filialchefin.

Nun sind die Bauarbeiten voll im Gange. Mit den neuen drei Meter hohen Sicherheitsfenstern kommen später auch frische Farben an die Wände. Den Selbstbedienungsbereich als solchen dürften die Kunden ab Mai wieder wie gewohnt vorfinden.

„Reichlich 100 000 Euro“ koste das die Ostsächsische Sparkasse Dresden, wie Unternehmenssprecher Andreas Rieger mitteilt. Im Bereich der Dresdner Sparkasse sei die Lohsaer  Automatensprengung der einzige Fall mit solch massiven Folgen. Dass mit dem Einbau der neuesten Technik auch die Sicherheit auf den neuesten Stand gebracht wird, erklärt der Sparkassen-Sprecher, ist selbstverständlich. Details zum aktuellen Anti-Automatenknacker-Konzept will er nicht verraten. Warum die Investition allerdings mehr als notwendig ist, erklärt Andreas Rieger gerne: „Pro Monat werden bis zu 4000 Abhebungen durchgeführt. Die Möglichkeit, rund um die Uhr Bargeld abzuheben, gehört zum Service-Versprechen des Hauses.“ Auch wenn die Online-Angebote vermehrt wahrgenommen werden: „Bargeld kann man sich dummerweise noch nicht zu Hause am Drucker ausdrucken“, so Rieger. Auch Filialleiterin Nicole Koplanski sieht die Notwendigkeit der Neuerung: „Der Standort an der Hauptstraße ist sehr zentral. Im Sommer kommen außerdem sehr viele Urlauber zu uns.“

Kundin Elke Richter hat nach einem kurzen Plausch mit der Mitarbeiterin ihre Geldangelegenheiten erledigt. Sie schaut sich in der Lohsaer Filiale um. „Hier wird ja hoffentlich noch mehr Sicherheit angebracht“, sagt die langjährige Kundin und deutet nach oben auf die Überwachungskameras. Sie hoffe einfach, dass sich solch ein Übergriff nicht noch einmal zutragen wird. „Was ist bloß aus den Menschen geworden?“, fragt sie kopfschüttelnd. So viel Unsicherheit wie heute habe es auch außerhalb der Kassen noch nie gegeben, findet sie.

Immer wieder haben Geldautomatensprenger in den vergangenen Jahren Filialen in der Lausitz angegriffen. Zuletzt wurden es aber wieder weniger Angriffe, vor allem in Brandenburg. Anfang des Jahres ist es der Polizei in Polen gelungen, zwei Banden festzunehmen. Mindestens zwei weitere werden allerdings noch am Werk vermutet. Lausitzer Banken haben darauf reagiert, indem sie unter anderem nachts ihre Fillialen schließen und Automaten technisch aufrüsten. Ob der Lohsaer Geldautomat ab Mai tatsächlich 24 Stunden „erreichbar“ ist? „Dazu gibt es noch keine konkreten Absprachen“, sagt Filialchefin Nicole Koplanski.