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| 14:05 Uhr

Wissenschaft
Neuer Erfolg für Raubgut-Forscher

Bautzen. Von den Nazis geraubt, von Forschern in deutschen Museen und Archiven wieder entdeckt - das ist es, was die Raubgut-Forschung in Deutschland beschäftigt. Auch in Bautzen Von Bodo Baumert

Die Sammlung Tietz der ehemaligen Hertie-Gründer ist in den Altbeständen der Bautzener Bibliothek schon zum Vorschein gekommen, ebenso die Sammlung der ehemaligen Bankiers Schlesinger aus Berlin. Doch es sind nicht nur solche spektakulären Fälle, die die Forschungsarbeit von Robert Langer ausmachen. Der Wissenschaftler hat in Bautzen auch kleinere Entdeckungen gemacht. Dazu gehören beispielsweise zwei Bücher, die am Dienstag ihren rechtmäßigen Besitzern - oder besser deren Nachfolgern - zurückgegeben werden sollen.
Es handelt sich um eine 1895 herausgegebene „Geschichte des Britischen Trade Unionismus“, die dem Deutschen Metallarbeiter-Verband Bautzen gehörte. Das andere Buch, die „Gewerbeordnung für das Deutsche Reich“ von 1921, besaß der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund in Bischofswerda. Beide Gewerkschaften wurden 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten aufgelöst. Ihr Besitz fiel an das Reich. Auf welchen Wegen die Bücher dann in den Bestand der Bautzener Bibliothek gelangten, ist heute nur schwer nachzuvollziehen.
Zumindest ihre Herkunft ist aber nun geklärt, dank der sogenannten Provenienzen, also Siegeln, Stempeln oder handschriftlichen Vermerken in den Büchern. In detektivischer Kleinarbeit haben Robert Langer und seine Mitarbeiter diese untersucht und in einigen Fällen zuordnen können.
Die beiden Gewerkschaftsbücher werden an die IG Metall Ostsachsen und den DGB Ostsachsen als Rechtsnachfolger der damaligen Gewerkschaften restituiert werden. „Beide sprechen sich für einen Verbleib der Bände in der Stadtbibliothek aus. Sie sollen auch zukünftig der Öffentlichkeit zugänglich bleiben“, erläutert Robert Langer. Im Onlinekatalog der Bibliothek werden die Bücher mit einem entsprechenden Vermerk markiert, sodass ihre Herkunft auch für Forscher nachvollziehbar ist.
Mit diesem Vorgehen ist Bautzen ein Vorreiter unter deutschen Regionalbibliotheken. Gewürdigt wird dies in der kommenden Woche auch durch eine Tagung. Robert Langer erwartet dann Provenienzforscher aus ganz Deutschland in Bautzen. Sie werden ab Donnerstag in der Bibliothek über Trends und Ergebnisse ihrer Forschung diskutieren.