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Medien
Neuer Draht zur Computer-Welt

Schüler entdecken das Computer-Museum. Sie forschen auf den Spuren von Konrad Zuse.
Schüler entdecken das Computer-Museum. Sie forschen auf den Spuren von Konrad Zuse. FOTO: Steffen Rasche/str1
Hoyerswerda. Mit dem Smart phone tragen heute alle Generationen den schnellen Draht zur Außenwelt und damit auch Konrad Zuse und ein Stück Hoyerswerda locker in der Hosentasche. Der Computervater hatte hier im Jahr 1928 als 17-Jähriger sein Abitur am Reform-Real-Gymnasium abgelegt – und sich stets dankbar für das gezeigt, was er hier mit auf seinen erfüllten Lebensweg als Techniker und Mathematiker, aber auch Maler und Künstler bekommen hat. Kathleen Weser

Sein erster Rechenautomat hatte allerdings enormen Platzbedarf. Das elterliche Wohnzimmer musste damals daran glauben.

Jetzt schaut Konrad Zuse über die Grenzen - durch die Augen junger Leute aus dem heimischen Foucault-Gymnasium und die tschechischer Berufsschüler. Und das würde ihm gut gefallen. Das behauptet auch Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) kühn. Und der erwartungsfrohe und neugierige Nachwuchs gibt ihm recht.

Im Zuse-Computer-Museum (Zcom) forschen 14- bis 18-Jährige, die in Hoyerswerda für das Abitur die Schulbank drücken und in der kleinen nordböhmischen Industriestadt Chomutov den Beruf des Mechotronikers erlernen, jetzt gemeinsam auf den Spuren von Konrad Zuse. Museumsleiterin Andrea Prittmann frohlockt: Denn der Nachwuchs will pfiffige Ideen dafür liefern, den gewaltigen Wissensspeicher mit modernen Medien weiter zu füttern. Beispielsweise über die Audioguide-Führungen (vertonte Rundgänge) sollen Besucher jeder Generation leicht, aber auf der Höhe der Zeit den Zugang zu diesem besonderen Museum und damit auch zu Konrad Zuse finden.

Bei den jungen Leuten hat der alte Herr gute Karten. Zuse war kein Musterschüler, aber sehr klug. Und er trieb seine Späße mit Mitschülern und auch Lehrern. Die witzigen Pausenzeichnungen im Museum, so vermutet das Stadtoberhaupt stark, dürften nicht immer außerhalb der Unterrichtsstunden entstanden sein. Und den einzigen Grund des Erfinders, die Rechenmaschine überhaupt zu bauen, zitiert Stefan Skora auch mit sichtlichem Spaß. Vom Computervater selbst ist verbrieft überliefert, dass er das Gerät nur brauchte, weil er zu faul zum Rechnen gewesen ist.

Konrad Zuse war immer auf der Suche nach dem Neuen. Dem Fortschritt half er mit seinem Geist immer zum Nutzen der Menschen auf die Sprünge. Zu einer Zeit, als die Rationalisierung der Produktion noch als etwas Riskantes betrachtet wurde, hat Zuse bereits darauf hingewiesen, dass "lebendige, schöpferische Menschen ihr kostbares Leben nicht mit nüchternen Rechnungen verschwenden sollen". So würdigte Altbundespräsident Roman Herzog den Computervater in seiner Laudatio bei der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband an Prof. Dr. Konrad Zuse im Juli 1995 in der Villa Hammerschmidt.

Konrad Zuse hat Hoyerswerda nach der Wende öfter besucht. Auf der Rückfahrt mit dem Auto von einem Abendessen mit dem damaligen Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig in die Stadt bat er den Fahrer um ein langsameres Tempo. In der Neustadt fragte Zuse plötzlich, warum in den Plattenbauten jeweils hinter den gleichen Fenstern das Licht brannte. Ob das alles Schlafzimmer seien. Brähmig klärte auf, das sei die Flurbeleuchtung, die aus Sicherheitsgründen auch nachts leuchten musste. Zuse schimpfte über die Energieverschwendung und versprach spontan mit einer geeigneten Schaltung Abhilfe zu schaffen. Und der damals 85-Jährige hielt sein Versprechen ebenso wie er erlaubte, dass die Stadt Hoyerswerda seinen guten Namen zum Allgemeinwohl "ruhig schamlos ausnutzen" solle.

Das tut Hoyerswerda in allen Ehren - auch mit dem grenzübergreifenden Jugendprojekt. Über drei Jahre forschen die Schüler. Der Freistaat Sachsen unterstützt das mit 470 000 Euro aus dem europäischen Kooperationsprogramm "Hallo Nachbar". Entstehen soll eine Reise in die digitalisierte Welt. Konrad Zuse haben die Partner hier nun auch kennengelernt: Er lächelt dreidimensional von einem Hochhaus herab. Das Hologramm blinkt im Rhythmus seines ersten Rechners - energiesparend ganz in seinem Sinne. Die Welt des Computers hat er auch den jungen Leuten eröffnet, die nun ans Werk gehen.

Zum Thema:
Konrad Zuse (1910 - 1995) ist der Erfinder der "ersten vollautomatischen, prozessgesteuerten und frei programmierbaren in binärer Gleitpunktrechnung arbeitenden Rechneranlage". Lange haben sich die Experten darüber gestritten, ob Zuse wirklich der Computervater schlechthin ist. Vorschnell war der Harvard-Professor Howard H. Aiken als Erfinder des ersten Rechenautomaten ausgerufen worden. Der Amerikaner musste aber in die zweite Reihe zurücktreten. Denn der deutsche Z 3 aus dem Jahr 1941 ist und bleibt der Ur-Computer - zu sehen in Hoyerswerda.