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| 22:08 Uhr

Baustart
Neue Visitenkarte für die Kreisstadt

Mit dem Segen von Pfarrer Jan Mahling (l.) versenkten Jörg Drews (M.) und Gregor Lucas die Zeitkapsel im Grundstein für das Bauprojekt.
Mit dem Segen von Pfarrer Jan Mahling (l.) versenkten Jörg Drews (M.) und Gregor Lucas die Zeitkapsel im Grundstein für das Bauprojekt. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Für den Neuaufbau des Bautzener Bahnhofes ist jetzt der Grundstein gelegt worden. Zu den künftigen Mietern zählt das Landratsamt. Von Uwe Menschner

Das ist keine Grundsteinlegung wie jede andere. „Schließlich legt man nicht jeden Tag den Grundstein für einen Bahnhof.“ Es klang fast wie ein Stoßseufzer, den Gregor Lucas ausstieß. Und tatsächlich war es ein besonderer und mit großem Interesse erwarteter Termin – die Grundsteinlegung für den Neuaufbau des Bautzener Bahnhofs. Gemeinsam mit seinem Mitgesellschafter Jörg Drews wird Lucas das historische Gebäude in ein Verwaltungs- und Geschäftszentrum verwandeln. Acht Millionen Euro investieren beide als Gesellschafter der Drews & Lucas GbR und mithin als „zwei Bautzener Familien, die etwas zur Attraktivität der Stadt und ihres Umfeldes beitragen möchten und dafür mit ihrem Privatvermögen haften“, wie Jörg Drews betonte.

Dass der bekannte Bautzener Unternehmer dies so explizit klarstellte, war sicher kein Zufall. Gab es doch in den letzten Wochen eine recht kontrovers geführte Diskussion über ihn und sein wirtschaftliches wie auch gesellschaftliches Wirken in Bautzen. Der von der Internetaktivistin Annalena Schmidt („Schmanle“) erhobene Vorwurf: Drews, der auch als Geschäftsführer der Hentschke Bau GmbH fungiert, versuche, sich durch diverse Bauprojekte und Sponsoringaktivitäten Sympathien und politischen Einfluss in Bautzen zu „erkaufen.“ Der führende Kopf des wohl größten Bautzener Unternehmens mit hiesigen Wurzeln war in der Vergangenheit mehrfach in Verbindung mit der Initiative „Wir sind Deutschland“ aufgetreten, hatte sich allerdings unlängst in einem Zeitungsinterview von dieser distanziert. Dennoch werde er es sich auch künftig nicht nehmen lassen, das Zeitgeschehen kritisch zu reflektieren.

Und die Motivation, sich für den Bahnhof zu engagieren, bestehe eben nicht in wirtschaftlichem und stadtpolitischem Kalkül: „Vielmehr wollen wir an einem für unsere Beschäftigten und für deren Familien attraktiven Umfeld mitwirken. Denn nur so wird es uns auch in Zukunft gelingen, die dringend benötigten Fachkräfte für unser Unternehmen zu gewinnen. Insofern gibt es schon eine Portion Eigennutz – aber nicht in dem Sinne, wie man es uns zuweilen unterstellt“, so Jörg Drews.

Und zu einem attraktiven Umfeld gehöre zweifellos auch ein schicker Bahnhof mit einem entsprechenden Umfeld, denn schließlich bilde der Bahnhof ja die Visitenkarte der Stadt.

Doch die Sanierung des Bautzener Bahnhofes stellt mehr dar als nur die Erneuerung des einstmals vorhandenen Status Quo: Neben den ureigensten Funktionen – Fahrscheinverkauf, Imbissangebot, Autovermietung und öffentliche Toiletten ziehen auch gänzlich neue Nutzungen in das (bald wieder) repräsentative Gebäude ein. Dass sie als Hauptmieter das Landratsamt gewinnen konnten, freut Gregor Lucas und Jörg Drews ganz besonders. Und im Gegenzug hilft dieser Deal auch der Kreisbehörde, drängende Probleme zu lösen: „Unsere Verwaltung splittert sich – vom Hauptstandort abgesehen – auf viele kleine Liegenschaften auf. Deshalb benötigen wir einen zweiten großen Standort“, wie Vizelandrat Udo Witschas (CDU) betont. Und bei der Suche danach habe sich der Bahnhof im Vergleich zu mehreren Alternativangeboten als wirtschaftlichste Lösung erwiesen. 335 Mitarbeiter aus Ämtern mit besonders intensivem Besucherverkehr werden hier künftig ihren Arbeitsplatz haben: Sozialamt, Jugendamt, Straßenverkehrsamt.

Der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) sieht Jörg Drews und Gregor Lucas gar auf dem Weg, sich einen dauerhaften Eintrag in die Bautzener Geschichtsbücher zu sichern: „Ihr wirtschaftliches Engagement ist für die Stadt und die Region Bautzen ein Segen“, lobt er die Bauherren und ihr Projekt in den höchsten Tönen. Ein besonderer Tag also auch für den Bautzener OB – schließlich legt man nicht jeden Tag den Grundstein für einen Bahnhof.

Unter freiem Himmel: Die Empfangshalle des Bautzener Bahnhofs bietet derzeit ungewohnte Ausblicke.
Unter freiem Himmel: Die Empfangshalle des Bautzener Bahnhofs bietet derzeit ungewohnte Ausblicke. FOTO: Uwe Menschner