| 02:39 Uhr

Neue Technik für saubere Spree

Auf dem Gelände der ehemaligen Grubenwassereinigungsanlage sind schon die ersten Module der mobilen Wasserbehandlungsanlage zu sehen. Im Bild die sechs Sedimentationscontainer.
Auf dem Gelände der ehemaligen Grubenwassereinigungsanlage sind schon die ersten Module der mobilen Wasserbehandlungsanlage zu sehen. Im Bild die sechs Sedimentationscontainer. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Burgneudorf. Für die Lausitz ist es eine neue Technik, mit der die LMBV die Spree von Eisen befreien will. So entsteht derzeit eine mobile Wasserbehandlungsanlage in Burgneudorf. Der Bau liegt im Zeitplan. Anja Guhlan / ang1

Auf dem Gelände der ehemaligen Grubenwasserreinigungsganlage in Burgneudorf hat sich viel verändert: Die alte Schaltwarte wurde zurückgebaut, um Platz für die mobile Wasserbehandlungsanlage zu schaffen. Einige Module sind bereits sichtbar.

Nachdem der Großversuch zur Reaktivierung der ehemaligen Grubenwasserreinigung mittels einer Schlammentwässerung mit geotextilen Kunststoffschläuchen - Geotubes - aufgrund eines berechneten siebenjährigen Zeitfensters für die vollständige Entschlammung gescheitert ist, soll das neuartige System zum Tragen kommen.

Mit drei mobilen Anlagen will die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) dem Eisen in der Spree zu Leibe rücken. Das eisenhaltige Wasser der Kleinen Spree soll mithilfe von zehn Brunnenriegeln südöstlich von Burgneudorf abgefangen und in die mobile Anlage geleitet werden. Dort kommt das Wasser zunächst in zwei Reaktionscontainer und wird mit Kalk aus Silos vermengt. Das Gemisch fließt in zwei Flockungsreifebecken, wo das Flockungshilfsmittel beigemischt wird. "Durch dieses wird der Wirkungsgrad der Enteisenung von bis zu 90 Prozent garantiert", erklärt Hans-Jürgen Kochan, der Chefingenieur beim Planungsbüro LUG Engineering GmbH, die das System entwickelt und jetzt mit der LMBV patentiert hat.

Weiter geht es dann zu den sechs Sedimentationscontainern, wo die Absetzung geschieht. Das gereinigte und eisenarme Wasser kann im Anschluss in die Kleine Spree fließen, während der restliche Eisenschlamm in einen Schlammeindicker und in den Dekanter kommt, um letztendlich den reinen und stichfesten Eisenhydroxidschlamm abtransportieren zu können.

"Natürlich sollte der hochreine Eisenschlamm auch nachhaltig genutzt werden", sagt Kochan. Derzeit hofft die LMBV wieder auf die Firma P.U.S. aus Lauta als Abnehmer, die den Schlamm zu Pulver, Granulaten und Pellets zum Beispiel als Filtermaterial für Biogasanlagen oder zur Trinkwasseraufbereitung verarbeitet. "Jedoch sind auch andere Wissenschaftler damit beschäftigt weitere Nutzungsmöglichkeiten zu finden und zu erproben", berichtet der Chefingenieur.

Geplant ist in Burgneudorf erst einmal 360 Kubikmeter Wasser pro Stunde in der Anlage zu behandeln. Aufgestockt werden könnte auf 540 Kubikmeter. Am Ende sollen pro Jahr bis zu 3500 Tonnen Eisenhydroxidschlamm herausgefiltert werden. Für die Spree wäre die Reinigung laut Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz bei der LMBV, ein erster wichtiger Schritt zur Reduzierung der Eisenbelastung.

Wie viel sich die LMBV von der neuartigen Technik verspricht, zeigen die Baukosten: Rund fünf Millionen Euro sind für das gesamte System in Burgneudorf veranschlagt. Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich voraussichtlich auf etwa 500 000 Euro. Im Oktober will die LMBV mit der Anlage in den Probebetrieb gehen. Ab dem Jahr 2018 soll die Anlage dann im Regelbetrieb für mittelfristig acht bis zehn Jahre laufen. Weitere zwei solcher Anlagen sind dann in Neustadt für 2018 und an der Ruhlmühle für 2019 geplant.

Zum Thema:
Erfolgreich genutzt wird das mobile System bereits in Vietnam an der Ha Long Bucht. Neben dem schönen Urlaubsziel liegt gleich nebenan das größte Kohlerevier des Landes. Die Abbauflächen erstrecken sich über 350 Quadratkilometer. Der Umweltschutz wird vergleichsweise kleingeschrieben, sodass im nahen Fluss Vang Danh durch die Steinkohleproduktion mittlerweile Schwermetalle - vor allem Eisen und Mangan - enthalten sind und das Wasser ockerfarben erscheinen lassen. Von 2007 bis 2012 wurde eine Versuchsanlage zur Reinigung des Wassers mit den drei Ausbaustufen Neutralisation, Ausfällung und Entfernung der Schwermetalle in der Ha Long Bucht gebaut und erprobt. Im Abschlussbericht wurde der Anlage die Aufgabenerfüllung bescheinigt.