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| 20:06 Uhr

Doppelt- und Dreifachbesetzung adé
Klarheit für Rettungskräfte: Lauta soll neue Straßennamen erhalten

Die Weststraße in Lauta ist für eine Straßenumbenennung ausgewählt worden: Zwei Unternehmer dieser Straße äußern Befürchtungen über erheblichen Kosten- und Zeitaufwand und wünschen sich, dass die Verwaltung die Auswahl überdenkt.
Die Weststraße in Lauta ist für eine Straßenumbenennung ausgewählt worden: Zwei Unternehmer dieser Straße äußern Befürchtungen über erheblichen Kosten- und Zeitaufwand und wünschen sich, dass die Verwaltung die Auswahl überdenkt. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Bürger sind zwiegespalten: Während gerade Unternehmer großen Arbeitsaufwand befürchten, schlagen andere fleißig neue Namen vor. Von Anja Guhlan

Der Bürgermeister möchte endlich im Stadtgebiet aufräumen: „Doppelte und dreifach besetzte Straßennamen führen  bei Rettungsdiensten und Postzustellern zu verkehrten Zielpunkten.“ Eine Straßenumbenennung von derzeit 22 Straßennamen würde die Probleme langfristig lösen, so Frank Lehmann (parteilos). Im Juni dieses Jahres fasste der Lautaer Stadtrat den Grundsatz-Beschluss zur großflächigen Straßenumbenennung im Stadtgebiet. Auch in der jüngsten Einwohnerversammlung, an der rund 80 Bürger teilnahmen, wurde nochmals informiert und diskutiert. Bis zum 31. Oktober können laut Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos) von den Bürgern neue Namensvorschläge eingereicht werden.

Doch Betroffene äußern nun Befürchtungen. „Der Arbeitsaufwand und letztendlich auch die Kosten für jeden einzelnen Anwohner sind zu hoch“, sagt Daniel Naaß, Unternehmer aus Lauta, in der Bürgerversammlung. Andere Unternehmer wie Enrico Schneider, der in Lauta zwei Firmen betreibt, schließen sich der Meinung an. „Ich habe über 500 Kunden und müsste etwa 80 Institutionen postalisch anschreiben, um über die Straßenumbenennung zu informieren. Das ist ein großer Aufwand“, erzählt er. Enrico Schneider hat sich die Mühe gemacht und seine möglichen Kosten aufgeschlüsselt: Anschreiben an Kunden und Institutionen, Änderungen aller Marketing-Instrumente und  diverse Ummeldungskosten – am Ende kommt er auf eine Summe von etwa 4500 Euro.  „Ich habe alleine neun Firmenwagen, die ich zum Beispiel alle für je 12,50 Euro ummelden müsste“, berichtet Schneider. Auch die Ergotherapeutin  Angelika Kubisch legt eine ähnliche Rechnung vor.  Sie kommt auf Kosten in Höhe von etwa 1500 Euro für sämtliche Ummeldeaufwendungen.  „Das Geld ist das eine. Was viele nicht sehen, ist der enorme Zeitaufwand der dahinter steht“, sagt sie. Enrico Schneider nickt. „Einiges könnte ich an Mitarbeiter delegieren, was aber auch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Doch oft muss ich als Inhaber Dinge selbst ummelden, zum Beispiel bei den Banken oder Versicherungen“, erzählt er.

Die Stadtverwaltung will indessen versuchen zumindest bei den großen Versorgungsträgern wie Finanzamt oder Abwasserzweckverbänden eine Information über die Ummeldungen der jeweiligen Straßennamen herauszugeben, die dann bei den Trägern übernommen werden kann. Auch Ummeldungen, die innerhalb der Verwaltung getätigt werden müssen, sollen kostenlos erhältlich sein.

Beide Unternehmer halten den Ansatzpunkt der Straßenumbenennung für richtig, haben jedoch Einwendungen zur Auswahl der umzubenennenden Straßen. „In der Weststraße in Lauta wären sechs Unternehmen und zahlreiche Einfamilienhäuser betroffen. In der Weststraße in Laubusch stehen lediglich der Kindergarten und wenige Wohnblöcke“, argumentiert Schneider.  Er habe seine Einwendungen bereits schriftlich bei der Stadtverwaltung hinterlegt – eine Antwort jedoch noch nicht bekommen. Für Bürgermeister Lehmann ist indessen „noch nichts in Stein gemeißelt“. Bürger können noch bis zum 31. Oktober Einwendungen und Namensvorschläge einreichen.

Die Bürgerin Gisela Ehrlich will für die beiden Ortsteile Leippe und Torno  auf alle Fälle noch Namensvorschläge  einbringen. Das sich der Ortschaftsrat Leippe-Torno bisher gegen eine Straßenumbenennung stellt und in Abwartehaltung geht, versteht sie nicht. „Torno wird es wahrscheinlich am härtesten treffen. Da müsste doch aus dem Ort­schaftsrat ein weitsichtiges und durchdachtes Straßenkonzept vorliegen“, sagt sie. Aus historischer Sicht will sie nun Vorschläge zu Papier bringen, fordert jedoch vom Ortschaftsrat sich vor Ende Oktober noch einmal gemeinsam zu beraten und vielleicht auch Bürger mit einzubinden. Die Zeitschiene der Verwaltung ist indessen eng gestrickt. Wie der Bürgermeister erläutert, soll noch bis Ende Oktober alles in einer Matrix  gesammelt werden.

Über die Adventszeit sollen dann die Gremien  informiert werden, bevor diese sich im Januar des nächsten Jahres nochmals zu einer gemeinsamen Sitzung treffen, um die konkreten Umbenennungen zu diskutieren. Im Laufe des Februars sollen schließlich Serienbriefe mit drei konkreten Namensvorschlägen an die betroffenen Anwohner versendet werden. Diese können dann demokratisch wählen. Mit der Realisierung der Umbenennung rechnet die Verwaltung nicht vor Ende des nächsten Jahres.