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Neue Pläne für die "SeaBreeze"

Bootssfahrt auf historischen Planken: Für diese Zehntklässler vom Foucault-Gymnasium endete der Geschichtsprojekttag gestern auf der "SeaBreeze". Die Crew (hinten) kann viel über das Schiff und seine Bedeutung erklären. Kaum vorstellbar, dass auf diesem Boot 40 Menschen über die Ostsee flüchteten.
Bootssfahrt auf historischen Planken: Für diese Zehntklässler vom Foucault-Gymnasium endete der Geschichtsprojekttag gestern auf der "SeaBreeze". Die Crew (hinten) kann viel über das Schiff und seine Bedeutung erklären. Kaum vorstellbar, dass auf diesem Boot 40 Menschen über die Ostsee flüchteten. FOTO: cw
Hoyerswerda/Geierswalde. Die Sonne lacht am strahlend blauen Himmel, die Temperaturen schießen an diesem Vormittag schnell in die Höhe: Einen noch schöneren Tag hätten sich die Zehntklässler des Foucault-Gymnasiums Hoyerswerda für ihren Geschichts-Projekttag mit Bootsausflug auf historischen Planken wohl nicht aussuchen können. Auf dem Geierswalder See sind die 15- und 16-Jährigen gestern mit der SeaBreeze ausgelaufen. Catrin Würz

Die Motor-Segel-Yacht gilt als das letzte erhalten gebliebene Stück Stahl der größten Schiffskatastrophe der Menschheit - des Untergangs des deutschen Lazarettschiffes "Wilhelm Gustloff" im Januar 1945, bei dem mehr als 9000 Menschen, die meisten davon Flüchtlinge und Vertriebene aus Ostpreußen, den Tod fanden.

Auf dem Geierswalder See schließt die Fahrt mit dem historischen Beiboot der "Gustloff" heute einen besonders lebendigen Geschichtsunterrricht zum Thema "Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg" ab. Der Stadtverband Hoyerswerda des Bundes der Vertriebenen (BdV) organisiert jedes Jahr diese Projekttage mit Zeitzeugen, die den Schülern von ihren ergreifenden Schicksalen am Ende des Zweiten Weltkrieges berichten. So wie Brigitte Wilfert, die im Januar 1945 als neunjähriges Mädchen mit ihrer Mutter und Schwester vor der russischen Armee aus ihrer Heimat Westpreußen floh. Die drei wollten in Danzig auf die "Gustloff" gehen - verpassten die Abfahrt des Schiffes jedoch wegen der Eiseskälte und der Kriegswirren - es sollte sich als Glück erweisen. "Für die Schüler ist das persönliche Kennenlernen der Lebensgeschichten von Vertriebenen und die Berührung mit historischen Orten der beste Geschichtsunterricht", sagt BdV-Stadtverbandsvorsitzende Gisela Lossack. Diese Veranstaltungen für Schüler seien dem Verband enorm wichtig und die "SeaBreeze" eine mahnende Erinnerung an Krieg und Vertreibung.

Doch beinahe hätte das Geschichtsprojekt in diesem Jahr gar nicht so stattfinden können. Denn bis Juni war es noch völlig unklar, ob der Förderverein des Segelschul- und Traditionsschiffes die "SeaBreeze" überhaupt zu Wasser lassen darf. Das war ein Schock für die 21 Mitglieder des Vereins. "Wir hatten bis Juni noch keine Erlaubnis für unseren Liegeplatz", schildert Vereinsvorsitzender Dirk Rolka die Dramatik. Deshalb konnte man auch viele Buchungen für Schüler- und Kinder-Projekte, die bis aus dem Vogtland und Hessen angefragt werden, nicht bestätigen.

Denn wegen genehmigungsrechtlicher Probleme ist der Liegeplatz am angestammten Steg an der Marina des Geierswalder Sees für das Schiff zunächst nicht mehr genehmigt worden. Bislang hatten die Behörden nur eine temporäre Nutzung des Bootssteges erlaubt. Um eine dauerhafte Lösung für den Verein und sein Boot zu finden, müssen nun nochmals große Anstrengungen unternommen werden, bestätigt Rolka. Für 2017 wurde kurzfristig eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

Inzwischen hat sich der SeaBreeze-Verein politische Unterstützung von den CDU-Abgeordneten Maria Michalk, Frank Hirche und dem vertriebenenpolitischen Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion Klaus Brähmig sprichwörtlich ins Boot geholt. Nun keimt Hoffnung, bald Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

"Mit Unterstützung durch das Landratsamt und der Gemeinde Elsterheide zeichnet sich jetzt eine Lösung ab", bestätigt der Vereinschef. Demnach sei es geplant, dass der Verein ein rund 700 Quadratmeter großes Gelände ein paar hundert Meter weiter westlich vom Leuchtturm zugewiesen bekommt. Dort wolle der Verein mit einer modernen Containerbauweise sein eigenes Domizil als Begegnungsstätte errichten, in der die Geschichte der "Gustloff" und ihres einzigen erhaltenen Beibootes veranschaulicht werden kann.

Direkt unterhalb dieses Geländes soll dann ein neuer Bootssteg für das Segelschulschiff und den zweiten vereinseigenen Kutter "Seenland-Pirat" gebaut werden. "Dafür werden wir aber finanzielle Untersützung benötigen", sagt Dirk Rolka - und möglicherweise noch eine weitere Ausnahmegenehmigung für 2018.

Zum Thema:
Der Stahlrumpf der "SeaBreeze" wurde 1937 als eines von insgesamt drei Tenderbooten für die "Wilhelm Gustloff" gebaut. Das Beiboot war zum Zeitpunkt der Versenkung des Lazarettschiffes im Januar 1945 durch ein sowjetisches U-Boot allerdings nicht auf der "Gustloff.Nach dem Krieg war das Schiff als Fischkutter im Einsatz, bis es ein Groß-Industrieller kaufte und umbaute. 1992 schenkte er das Boot einer Kinderstiftung des Landes Schleswig-Holstein. Im Jahr 2012 wurde das Boot in die Lausitz verkauft, wo es als Event- und Kinder-Segelschulschiff genutzt wird.