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| 07:26 Uhr

Hoyerswerda
Erste Patienten kommen im Januar

Alexander Retschke (l.), Leiter Technik im Seenland Klinikum, und Oberarzt Ivan Nojarov-Raasch schauen nach dem Stand der Bauarbeiten. Erste Möbel für die neue Station sollen im November geliefert werden. Der Umbau kostet 1,4 Millionen Euro.
Alexander Retschke (l.), Leiter Technik im Seenland Klinikum, und Oberarzt Ivan Nojarov-Raasch schauen nach dem Stand der Bauarbeiten. Erste Möbel für die neue Station sollen im November geliefert werden. Der Umbau kostet 1,4 Millionen Euro. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Zurzeit entsteht am Hoyerswerdaer Seenland Klinikum eine völlig neue Palliativstation. Von Sascha Klein

Auf der neuen Palliativstation des Lausitzer Seenland Klinikums sieht es nach harter Arbeit aus. Auf dem langen Flur der neuen Station glänzen noch die unverputzten Wände in einem blassen Rot. Auf der Erde laufen überall Kabel entlang. Arbeiter stehen auf Leitern und schrauben Teile an. In gefühlt jedem zweiten Raum kreischt eine Bohrmaschine. Die Firmen haben keine Zeit zu verlieren. Insgesamt werden auf der Station 8,5 Kilometer Kabel verlegt.

Alexander Retschke geht trotzdem zufrieden durch den halbfertigen Bau. Der Leiter Technik des Lausitzer Seenland Klinikums (LSK) wähnt das Projekt auf der Zielgeraden. „Es ist noch kein Gewerk fertig“, sagt er, aber viele auf einem sehr guten Weg. Vor allem Maler, Fußbodenleger und Fliesenleger sind gerade im Stress. Er geht in eines der künftigen Patientenzimmer. Dort ist noch nichts von dem Anblick zu ahnen, wie es sein wird, wenn es fertig ist. Nur beim Bad kann der Besucher einen Eindruck bekommen, wie es später aussehen wird. Es ist mit großen, hellen Fliesen ausgestattet. Fliesen, die auch in jedem privaten Bad verbaut sein könnten. Es wirkt schick, hell und modern. Das hat einen Grund: „Auf dieser Station soll möglichst kein Krankenhaus-Feeling sein“, sagt Retschke. Das Ziel lautet: wohnliches Flair. Die Patienten und Angehörigen sollen sich ein wenig wie zu Hause fühlen – obwohl sie das natürlich nicht sind.

Auf der Palliativstation verbringen unheilbar Kranke Zeit. Einige verbringen dort die letzte Zeit, die ihnen bleibt. Doch den Eindruck, dass die Palliativ- eine Sterbestation ist, wischt Oberarzt Ivan Nojarov-Raasch vom Tisch. „Auf der Palliativstation gibt es ein ständiges Kommen und Gehen. Erst heute morgen haben wir einen Patienten nach Hause entlassen.“ Das bedeutet nicht, dass er gesund oder geheilt ist. Das bedeutet: Er ist immer noch unheilbar krank, ist aber gerade nicht auf die Behandlung im Krankenhaus angewiesen.

Diese Station bekommt sechs Betten für Patienten, dazu diverse Behandlungs- und Funktionsräume für Physiotherapie, Ergotherapie, Seelsorger und Sozialarbeiter. Zum Vergleich: Eine Normalstation verfügt über durchschnittlich 23 Betten. Das Besondere an den Patientenzimmern: Die Angehörigen können mit im Zimmer übernachten. Möglich macht das ein spezielles Bett, das sich per Knopfdruck aus dem Schrank fahren lässt. Auch die Einrichtung der Zimmer soll eher an ein Hotel als an ein Krankenhaus erinnern. Wie Alexander Retschke betont, hat das Klinikum im Vorfeld mit einem Architekten zusammengearbeitet, der auf Einrichtungs- und Farbkonzept geachtet hat.

Die ersten Patienten sollen im Januar kommenden Jahres auf der neuen Palliativstation behandelt werden, sagt Klinikum-Sprecher Gernot Schweitzer. Der gesamte Umbau der früheren Normal- und Dialysestation kostet 1,4 Millionen Euro, rund 1,1 Millionen Euro davon stammen vom Freistaat.

Die Palliativstation ist eine besondere Station, sagt Oberarzt Ivan Nojarov-Raasch. In diesen Räumen kommen die Beschäftigten ihren Patienten seelisch oft so nah wie nirgends anders in einem Krankenhaus. Sie haben es mit Leiden und Schmerzen zu tun, mit Angst, Hoffnungslosigkeit und Verdrängen. In manchen Fällen bekommen Ärzte, Schwestern und Pfleger im Laufe des Aufenthalts eines Patienten mehr über dessen Seelenleben erzählt als dessen Familie. Damit müssen sie auch umgehen können, sagt Nojarov-Raasch. Er ist seit 1990 am Klinikum Hoyerswerda beschäftigt und seit 2015 in der Palliativmedizin tätig. „Eines unserer Ziele ist, den Patienten den Umgang mit ihrer Krankheit leichter zu machen“, sagt er. Der Großteil der Hoyerswerdaer Palliativ-Patienten sei an Krebs erkrankt. Es gebe jedoch auch Fälle von schweren Nervenleiden, schweren Schlaganfällen, Herz-Lungen- und Nierenerkrankungen. Das Ziel sei, dass die Patienten lange ein selbstbestimmtes Leben führen können, sagt der Mediziner.