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Neue Farben im gewohnten Bild

Sylvia Panoscha und Birgitt Marusch vom Sorbischen Kulturzentrum Schleife wirken beim 20. Hoyerswerdaer Ostermarkt als Besuchermagneten. Die Lutki-Kinder bewirkten Gleiches mit ihren Tänzen.
Sylvia Panoscha und Birgitt Marusch vom Sorbischen Kulturzentrum Schleife wirken beim 20. Hoyerswerdaer Ostermarkt als Besuchermagneten. Die Lutki-Kinder bewirkten Gleiches mit ihren Tänzen. FOTO: Mandy Decker
Hoyerswerda. Ruhig und gelassen, mit stoischer Geduld und dem gewinnenden Lächeln inneren Friedens sitzen Sylvia Panoscha und Birgitt Marusch vor Löffeln mit buntem Wachs. Hinter den Panoramafenstern im Rücken der Frauen vom Sorbischen Kulturzentrum Schleife spielt die Frühlingssonne mit dem samstäglichen Markttreiben auf dem Lausitzer Platz. Mandy Decker

Der Lärm erreicht die Frauen im oberen Foyer der Lausitzhalle kaum. Geduldig tupfen Sylvia Panoscha und Birgitt Marusch filigrane Muster auf ihre zerbrechlichen Rohlinge. Besucher treten heran. Sie schauen den stillen Handwerkerinnen in den vertrauten Trachten neugierig auf die Finger und flüstern einander ihre Kaufentscheidungen zu. Im Hintergrund ruft ein Mutterschaf nach seinen Lämmchen. Es ist Ostermarkt in der Lausitzhalle. "Der Ostermarkt funktioniert gut so, wie er ist", erklärt Projektleiterin Michaela Köckritz die heimelige Atmosphäre, die vielen Besuchern in den Gesichtern steht. Die Mitarbeiterin der veranstaltenden Lausitzhalle betreut den Markt seit sieben Jahren. Auch die 20. Auflage des beliebten Treibens rund um die traditionellen Osterbräuche und deren historischen Schoß, das Sorbische Brauchtum, präsentiert sich im gewohnten Kleid. Michaela Köckritz begründet das in erster Linie mit konsequentem Festhalten am mehr als zwei Jahrzehnte entwickelten und bewährten Marktkonzept. Hinzu komme aber auch eine ständige Variation des Themas. So sehen sich die Organisatoren regelmäßig auf anderen Veranstaltungen, wie dem Leinenmarkt im Barockschloss Rammenau, nach geeigneten Händlern und Ausstellern um. Sie knüpfen neue Kontakte und bringen auf sanfte Weise immer wieder neue Färbungen in das gewohnte Bild. Die Besucher möchten ihren Ostermarkt wiedererkennen und doch Neues entdecken, sagt Michaela Köckritz.

So überrascht es nicht, dass auch Bürgermeister Thomas Delling den Markt mit Abwandlung der wohl bekanntesten Mörike-Zeilen eröffnet: "Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll durch die Lausitzhalle." Delling begrüßt die ersten Besucher ebenso herzlich wie die Händlerschaft aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei: 80 Stände, Künstler in ihren 28 mobilen Ateliers, Mädchen und Jungen der Awo-Kita "Lutki-Haus" aus Zeißig, die in ihren bezaubernden Trachten den österlichen Reigen auf der Bühne eröffnen, sowie alle Helfer und Mitarbeiter der Lausitzhalle. So bekannt, beliebt und mittlerweile touristisch anziehend sei der Hoyerswerdaer Ostermarkt, dass die Besucherzahlen dieses Wochenendes gar die Hotels der Stadt an die Kapazitätsgrenze trieben, sagt der Bürgermeister.

Die Menschen verbinden den Ostermarkt mit der Lausitzhalle, darum sollte er unbedingt bestehen bleiben, signalisiert auch Michaela Köckritz dem neuen Geschäftsleiter. Die Bewunderung für die faszinierenden Kunstwerke der Ostereiermalerinnen, die Begeisterung für die festlichen Trachten der sorbischen Tanzgruppen und der damit verbundene Zugang zu einer der ursprünglichsten Kulturen der Lausitz, setze sich nur fort, wenn ihnen eine Plattform gegeben wird. Dafür ist der 20. Hoyerswerdaer Ostermarkt lebendiges Beispiel.