Hoyerswerda. Im 20 Minuten-Takt kommen die Betonfahrzeuge angerollt. Immerhin werden sich an diesem Vormittag gut 100 Kubikmeter graue Betonmasse in die seit Tagen vorgefertigte Verschalung ergießen. Daraus wird nach einem ersten Brückenpfeiler, der in den vergangenen Tagen gegossen wurde, nun schon das zweite Bauteil für die neue Brückenkonstruktion über die Schwarze Elster entstehen. Das Widerlager ist jenes Bauwerk, auf dem der Brückenüberbau an der Uferseite aufliegt. "Das muss natürlich mit höchster Betonqualität ausgeführt werden - und es muss besonders tragfähig sein", sagt Andreas Biesold, Niederlassungsleiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (LaSuV). Regelmäßige Kontrollen der Bauaufsicht gehören deshalb auch auf dieser Baustelle zum Standard.

"Voll im Zeitplan" sei das Brückenbauprojekt in Hoyerswerda, bestätigt Biesold der RUNDSCHAU. Ende November 2015 hatten die Bauleute mit dem Abriss der alten Brücke aus dem Jahr 1977 begonnen - die eigentlich die wichtigste Verkehrsader zwischen Alt- und Neustadt und eine Schnittstelle zwischen zwei Bundesstraßen war und ab Herbst wieder sein wird.

Zehn Meter tiefe Bohrpfähle

Ab Januar wurde bis zum März am Baugrund gearbeitet. Keine ganz einfache Aufgabe in einem Schlemmgebiet am Flussufer, wo mit gefestigtem Erdreich nicht zu rechnen ist. "Um die Tragfähigkeit der neuen Brücke zu gewährleisten, haben wir Bohrpfähle bis zu zehn Meter tief gesetzt", erklärt der Amtsleiter. Dafür wurde das Gelände ganz schön umgebuddelt. Es wurden zehn Meter tiefe Bohrlöcher angefertig, die anschließend mit Stahlbetonkernen verfüllt wurden. Das soll die Standsicherheit der künftigen Brückenpfeiler und Widerlager absichern. Diese Arbeiten waren relativ witterungsunabhängig und konnten deshalb problemlos während der Wintermonate ausgeführt werden. "Und wir waren auch sehr froh, dass es in diesem Jahr kein Hochwasser in der Elster gab, das die Arbeiten sicherlich erschwert hätte", so Andreas Biesold.

Noch in den nächsten Wochen sollen beide Brückenpfeiler und beide Widerlager am Ufer fertiggestellt werden. Danach werden Wasserbausteine im Fluss eingebracht, die das Bauwerk vor Ausspülungen schützen sollen. Über die Sommermonate wird die Verschalung für den Brückenüberbau angefertigt, der ebenfalls vor Ort aus Stahlbeton gefertigt wird. Die aus der alten Brücke entfernten Kabelverbindungen kommen danach wieder in die neue Brücke rein, bevor die knapp zehn Zentimeter hohe Asphaltschicht im Spätsommer draufkommt.

Genau 36,5 Meter beträgt die eigentliche Brückenlänge von Ufer zu Ufer. Zum Projekt Görlitzer Brücke gehört jedoch ebenfalls die Sanierung des Straßenabschnittes zwischen Görlitzer Brücke und Lausitzbad-Kreuzung - das sind nochmals einige hundert Meter Straße. Auch dieses B 96-Stück wird bis zum Herbst neu asphaltiert. So ist der Plan. Im November sollen die Brücke und die Straße für den Verkehr freigegeben werden - dann wird die Bauzeit genau ein Jahr betragen haben. Insgesamt 1,9 Millionen Euro investieren Freistaat und Bund in den Ersatzneubau für die Hoyerswerdaer Bundesstraßenbrücke.

Immer viele Schaulustige

Die Baustelle ist momentan die größte im Hoyerswerdaer Stadtkern - und zieht deshalb auch viele Schaulustige an. Einer, der regelmäßig den Fortschritt auf der Baustelle verfolgt, ist Dieter Zernikow. Der 65-Jährige schaut mehrmals in der Woche für ein Stündchen vorbei. Von seiner Wohnung in der Schweitzerstraße hat er es ja nicht sehr weit. "Mich interessiert das einfach. Und ich finde es spannend, was die Bauarbeiter heute so für Technik und Technologien haben", erzählt er an seinem Beobachtungsstandort kurz hinter dem Bauzaun. Früher sei er auch mal im Bauhandwerk beschäftigt gewesen. "Da war vieles anders", sagt er lächelnd. "Damals haben wir das meiste noch mit der Schubkarre transportiert."