Von Catrin Würz

Am zauberhaften Ort der Lausitz – an der Krabatmühle in Schwarzkollm – gibt es jetzt noch einen Zauber mehr: einen singenden, klingenden Brunnen. Diese neueste Attraktion des Tourismus-Ensembles ist am Montag offiziell in Betrieb gegangen. Und nicht nur das: Der Brunnen – nach original sorbischem Vorbild erbaut – setzt zugleich einer besonderen Frau ein Denkmal. Denn: Die den Brunnen prägende Bronzeplastik – eine auf dem Brunnenrand sitzende Frau in sorbischer Arbeitstracht – trägt das Antlitz von Gertrud Winzer.

Am Lächeln erkennt man es gleich. „Dieses verschmitzte Lächeln, das sie immer aufsetzt, wenn sie mit ihrer Beharrlichkeit wieder etwas für ihr Dorf, für die Schwarzkollmer und für ihre Idee von der Krabatmühle erreicht hat“, freut sich auch Tobias Zschieschick, Geschäftsführer der Krabatmühle gGmbH. Mit der Geste der Verewigung will der Verein der heute 78-jährigen Gertrud Winzer Danke für ihre enormen Verdienste um das Entstehen der Krabatmühle sagen. Gertrud Winzer war viele Jahre Bürgermeisterin, Ortsvorsteherin und Vorsitzende des Krabatmühlen-Vereins. Sie hatte als erste die Idee und die Vision von einem realen Schauplatz an historischem Ort, zu dem die Fans der literarischen Krabat-Sage und des erfolgreichen Kinofilmes pilgern können. Heute stehen an diesem sagenumwobenen Platz im Koselbruch bei Schwarzkollm acht Bauwerke, die jährlich um die 40 000 Besucher empfangen und Kulisse für die deutschlandweit bekannten Krabat-Festspiele sind.

Auch Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) dankte Gertrud Winzer für ihren Mut und ihren visionären Tatendrang. „Ihre Idee von diesem Ort gab Schwarzkollm und der gesamten sorbischen Region um Hoyerswerda eine neue Bedeutung. Gertrud Winzer ist die Erfinderin und Förderin der Krabatmühle. Mit ihrem Traum ist es ihr gelungen, viele Menschen aus ihrem Dorf, aus unserer Stadt und der Region zusammenzuführen“, erklärte Skora am Montag vor zahlreichen Gästen der feierlichen Brunneneinweihung. Zu den Gästen zählte auch Stanislaw Tillich, der Gertrud Winzer im Jahr 2016 als sächsischer Ministerpräsident das Bundesverdienstkreuz überreicht hatte. Und aus Heinersreuth in Bayern, der Partnergemeinde von Schwarzkollm, war extra der frühere Bürgermeister Hans Dötsch angereist, der Gertrud Winzer mit den Worten würdigte: „Aus ihr sprudeln die Ideen wie aus einem Brunnen.“

Das neue Brunnenbauwerk an der Schwarzkollmer Krabatmühle ist indes kein klassischer Brunnen, aus dem Wasser fließt. Zwar hat das Bauwerk einen Schwengel und einen Wasserhahn. „Aber aus diesem Brunnen sprudeln statt Wasser nun Musik und sorbische Lieder – wenn man zuvor ein Geldstück hineinwirft“, sagt Reinhard Domann. Der Schwarzkollmer ist im Schmiedehandwerk bewandert und hat zusammen mit Maik Straßner maßgeblich die Handwerksarbeiten am neuen Brunnen ausgeführt. Über mehrere Jahre war das Projekt des singenden Brunnens vorbereitet worden. Die erheblichen Kosten für die klingende Innentechnik und für die Bronzeplastik waren durch Spenden, Sponsoring der Sparkasse und eine Crowdfunding-Aktion zusammengekommen.

Die Plastik der sitzenden Sorbin hat der Bildhauer Harald Lukschanderl aus Saalau im Auftrag des Krabatmühlen-Vereins entworfen. „Als ganz zum Schluss die Bitte kam, das Gesicht von Gertrud Winzer zu modellieren, war es mir eine Ehre. In der Geschichte hat es schon viele Krabats gegeben – aber der wahre Krabat unserer Tage ist doch Frau Winzer“, sagte der 81-jährige Künstler tief bewegt.

Als dann der spannende Moment der Brunnen-Enthüllung vollzogen war, freute sich auch Gertrud Winzer über ihr Ebenbild in Bronze. „Ja, das bin ich“, rief sie freudig aus. Die 78-Jährige erinnert sich noch gut an die Anfänge. „Als ich damals sagte, dass eines Tages ganze Busladungen hierher strömen werden, um den Schauplatz der Krabatsage zu erkunden, hielten mich nicht wenige für verrückt“, erzählt sie grinsend. Dann sei viele Jahre die Baustelle und das immer weiter wachsende Gebäudeensemble der Krabatmühle der Ort gewesen, an dem sie mehr Zeit verbrachte als zu Hause. „Nun habe ich hier eine würdige Stellvertreterin“, bestätigt sie freudestrahlend.