Von Sascha Klein

Jetzt will die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda Nägel mit Köpfen machen. An die Wand geworfen ist die Animation eines dreigeschossigen Wohnhauses. Vor dem Haus steht ein großes Schild: „Haus Scheibesee“. Im Konferenzraum lächelt Geschäftsführer Steffen Markgraf beim Blick auf das Bild zufrieden. Eines seiner Lieblingsprojekte wird in den nächsten Wochen und Monaten Form annehmen: der Neubau eines Stadthauses im WK Ve.

Der Bau dieses Stadthauses ist für den kommunalen Großvermieter in mehrfacher Hinsicht ein Novum. Denn: Jahrelang hat es bei der Wohnungsgesellschaft zwei Hauptthemen gegeben: Sanierung und Abriss. Gerade sind zwei Aufgänge in der Albert-Schweitzer-Straße gefallen. Parallel wird in der Herder-Straße und in der Herrmann-Straße saniert. Neubau hatte bislang kaum eine Rolle gespielt. „In den vergangenen Jahren hat bei der Wohnungsgesellschaft ein Umdenken stattgefunden“, sagt Frank Hirche. Der Hoyerswerdaer Landtagsabgeordnete und Stadtrat ist Aufsichtsrat und Vorsitzender des Vergabeausschusses beim städtischen Unternehmen. Nun gehe es nicht mehr allein um Abriss, sondern auch um Neubau, so Hirche.

Der Bau dieses Stadthauses – es kostet rund eine Million Euro – hat jedoch eine weitere Besonderheit: Die Wohnungsgesellschaft legt Planung und Bau erstmals in fremde Hände. Die Wobau Baugesellschaft aus Wittichenau wird das Projekt für den Großvermieter umsetzen. „Am 12. August wird mit den Erdarbeiten begonnen“, sagt Geschäftsführer Ottmar Jakubetz. Innerhalb von drei Monaten soll der Rohbau stehen. Für das Winterhalbjahr ist der Innenausbau vorgesehen. Ziel ist, die Arbeiten im September 2020 abgeschlossen zu haben, so Jakubetz. Die Wobau verfügt über rund 50 Mitarbeiter und übernimmt bis auf Elektro, Heizung und Sanitär so gut wie alle Gewerke selbst.

Laut Zeitplan können die acht Mietparteien womöglich noch Ende 2020 einziehen. „Bislang haben wir mehr als 20 Bewerbungen für die Wohnungen“, so Steffen Markgraf, obwohl die Interessenten nur den Standort und den Vermieter kennen. Bewerbungen seien weiterhin möglich.

Für die Wohnungsgesellschaft ist dieses Stadthaus ein Projekt, das ausstrahlen soll. Ziel ist: Neuen, bezahlbaren und modernen Wohnraum in der Hoyerswerdaer Neustadt zu schaffen. „Wir wollen keine Luxusimmobilie an den Markt bringen. Es soll ein Angebot für die breite Bevölkerung sein“, so Markgraf. Der Mietpreis soll bei 7 bis 7,50 Euro (Nettokaltmiete) liegen. Wenn die Vermietung erfolgreich läuft, sollen in den Jahren 2020 bis 2022 die Stadthäuser zwei, drei und vier folgen. Insgesamt verfügt die Wohnungsgesellschaft auf dem Areal an der Hufeland- und Heim-Straße über etwa 10 000 Quadratmeter. Rund 30 000 Quadratmeter vermarktet im Wohnkomplex Ve die Hoyerswerdaer Firma „Süba Bauen und Wohnen / LBU Lausitz“ um Geschäftsführer Maik Preusche.

Im Vorfeld hatte es längere Diskussionen um den geplanten Bau einer neuen Wohnsiedlung auf dem früheren Schulgelände gegeben. Eine Bürgerinitiative aus der Hufelandstraße hatte sich vehement für den Erhalt eines Großteils der Bäume auf dem Areal eingesetzt. Einen Teilerfolg haben sie erzielt: Der Grüngürtel direkt an der Hufelandstraße bleibt erhalten.