"Njebjesa" - Himmelsort - so lautet die Bezeichnung für das Projekt, mit dem die Gemeinde zeigen will, dass eine Nutzung der natürlichen Ressourcen nicht unbedingt mit einem Raubbau an denselben verbunden sein muss. Der Mensch soll nicht mehr als "Schädling" in Aktion treten, sondern seine Umwelt so gestalten und nutzen, dass auch seine Nachkommen noch davon profitieren.

"Das Projekt baut auf langjähriger Pionierarbeit unserer Gemeinde auf", so der Nebelschützer Bürgermeister. "Bereits im Jahr 2004 wurde Nebelschütz Pilotgemeinde in Sachsen für ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Dazu richteten wir ein sogenanntes Ökokonto ein, in das Unternehmen einzahlen, die Ausgleichsmaßnahmen durchführen müssen, aber keine geeigneten Flächen dafür besitzen." Auf diese Weise wurden beispielsweise Streuobstwiesen und Benjes-Hecken angelegt, Alleen nachgepflanzt und ein ökologischer Kräutergarten angelegt. "Die Gemeinde hat dabei stets Wert darauf gelegt, Flächen zu erwerben, um sie langfristig für eine konsequente ökologische Entwicklung zu sichern", so der Bürgermeister.

Nunmehr soll dieser Ansatz auf einer höheren Ebene weitergeführt werden. Als Grundlage dient ein von der Human Touch Medienproduktion GmbH aus Klein Jasedow (Mecklenburg-Vorpommern) erarbeitetes Konzept.

Das Kerngebiet bildet dabei die Aue des Jauerbaches, der das Nebelschützer Gemeindegebiet von Süd nach Nord durchfließt. Einen wichtigen Bestandteil stellt die Einbeziehung der Gemeindebewohner dar: "Die vor Ort lebenden Akteure übernehmen eigenverantwortlich die Pflege und Nutzung der verschiedenen landschaftlichen Bereiche", erklären die Konzeptautoren Lara Mallien und Johannes Heimrath. Dabei könne man aus der Tradition der sorbischen Bevölkerung mit ihren intakten Familienverbünden und der aktiv gepflegten Nachbarschaftshilfe schöpfen.

Als Herzstück der "Njebjesa" fungiert ein von der Gemeinde erworbenes, etwa zehn Hektar großes Stück Ackerland am nordwestlichen Rand des Ortsteils Miltitz, das bereits von konventioneller auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt wurde. "Hier haben wir 50 Bäume von alten Obstsorten angepflanzt", so Bürgermeister Thomas Zschornak. In der Perspektive soll die Fläche teilweise nach den Prinzipien der Permakultur bewirtschaftet werden. "Permakultur steht für eine Landwirtschaft, die die Bodenfruchtbarkeit erhöht, anstatt sie zu zerstören", erklären Lara Mallien und Johannes Heimrath. Dazu gehört die Gewinnung von "Terra Preta", einer hoch fruchtbare Schwarzerde, aus organischen Materialien und Holzkohle.

Vom "Miltitzer Frosch" an, einem froschähnlich geformten fünf Meter hohen Granitstein, soll Landschaftskunst das Tal des Jauerbachs prägen, wie dies bereits von 2009 bis 2011 der Fall war. "Damals wurden zum Teil schnell vergängliche, zum Teil einem langsamem Verfall überlassene Werke geschaffen, die großen Anklang fanden", so Mallien und Heimrath.

Eine besondere Rolle ist dem Schilf der Bachaue zugedacht, das als nachwachsender, ökologischer Rohstoff für das Bauhandwerk genutzt werden soll. Den Initiatoren schwebt weiterhin die Wiederansiedlung des deutschen Flusskrebses vor, der von seinem amerikanischen Verwandten fast vollständig verdrängt wurde. Als störend empfinden sie den Staudamm des Rückhaltebeckens, das heute nur noch bei Hochwassergefahr geflutet wird. Einen weiteren wichtigen Bestandteil bildet das Bildungszentrum, das in Miltitz entstehen und über das Projekt informieren soll.

Bereits entstanden ist ein Wanderweg, der Besuchern den Zugang zum Projektgebiet ermöglicht. Als weitere konkrete Maßnahme erfolgt demnächst die Umsetzung des Mastes für das Miltitzer Storchennest in die Nähe des "Frosches", was von der eingangs erwähnten Landesstiftung finanziert wird.