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| 12:23 Uhr

Preisgekröntes Dorf
Ein kerniges und vom Himmel geküsstes Dorf

Thomas Zschornak leitet seit 28 Jahren ehrenamtlich die Geschicke von Nebelschütz.
Thomas Zschornak leitet seit 28 Jahren ehrenamtlich die Geschicke von Nebelschütz. FOTO: Reinhard Hoffmann
Nebelschütz. Nebelschütz wird auf der Grünen Woche in Berlin ausgezeichnet. Die gelungene Verbindung von Kunst, sozialem Leben und Wirtschaft hat die Jury beeindruckt. Von Reinhard Hoffmann

Zur Grünen Woche in Berlin fahren am 24. Januar einige Nebelschützer. Sie vertreten ihr Dorf, um für dieses eine Auszeichnung entgegenzunehmen. Denn der Ort vor den Toren von Kamenz wird im bundesweiten Wettbewerb „Kerniges Dorf 2017 “ ausgezeichnet.

In der Begründung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft heißt es: „Das kleine Dorf im sorbisch-sprachigen Teil der Oberlausitz hat seine Ortsmitte durch Gemeinschaftseinrichtungen und neu gestaltete Grünflächen nachhaltig entwickelt. Aus der Verbindung von öffentlichem und privatem Engagement, Kunst und Natur bleiben Traditionen, zum Beispiel der Baukultur und der Sprache für die Zukunft bewahrt.“

Andrea Moser von der den Wettstreit koordinierenden Geschäftsstelle beim Verein Agrarsoziale Gesellschaft sagte gegenüber der RUNDSCHAU: „Die Jury beeindruckte, wie Nebelschütz seine Entwicklung in die Hände genommen hat und es sogar schaffte, seine Bevölkerungszahl zu stabilisieren. Dabei beeindruckte die gelungene Verbindung aus Kunst, sozialem Leben und Wirtschaft.“

Die Sieger wurden in fünf Kategorien ausgewählt. Nebelschütz bekam den Titel „Kerniges Dorf“ in der Wertungsgruppe „Kernig und stabil: kleine Dörfer“. Vor dem Hintergrund der hohen Qualität der Bewerbungen waren 2017 erstmals auch fünf Sonderpreise vergeben worden.

In Nebelschütz leben 430 Einwohner. Das Dorf hat sich mit den Jahren durch das Miteinander der Menschen und ihrem Engagement in etwa zehn Vereinen und Initiativen entwickelt. In Nebelschütz gab und gibt es Engagierte, die Förderangebote ausloten und kulturelle, ökologische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Projekte anschieben. Dafür stehen das Soziokulturelle Zentrum am „Frosch“ (ein Granitsteinblock) mit den international besetzten Bildhauerwerkstätten, eine Sozialwerkstatt im Bau- und Recyclinghof nebst angrenzendem Bauerngarten, ein Sport- und Gemeindezentrum mit Internetcafé, der angrenzende Krabat-Platz, Neuansiedlungen von Unternehmen im Handwerkerhof und der Zuzug junger Familien.

Dafür gab es Auszeichnungen in sächsischen, bundesweiten und internationalen Wettbewerben wie dem europäischen Dorferneuerungspreis, Ehrungen für „Ländliches bauen“, „Unser Dorf soll schöner werden“, „Sprachfreundliche Kommune“, „Land und Leute – Kleine Gemeinden im demografischen Wandel“ oder einen „Generationenpreis“. Nebelschütz beteiligt sich engagiert in der Kampagne „Urlaub in sächsischen Dörfern“ und offeriert buchbare Angebote, um Touristen in die Region zu holen. Die Nebelschützer nennen sich auf ihrer Internetseite selbstbewusst „Schönstes Dorf Sachsens“, das, wie Bürgermeister Thomas Zschornak hinzufügt, „ vom Himmel geküsst ist“. Die Gemeinde packte mit ihren Partnern den Neubau der ökologisch kreativen Kita Jan Skala an. Derzeit haben sich die Einwohner vorgenommen, Horträume im Gemeindezentrum neu zu schaffen, da die vorhandenen Plätze nicht mehr reichen.

Der ehrenamtliche Bürgermeister Thomas Zschornak ist stolz auf seine Nachbarn im Dorf. Kurz vor der Auszeichnung in Berlin erklärte er der RUNDSCHAU: „Unsere Erfolge sind keine Selbstläufer. Wir sind bei allen Wettbewerben aufmerksam dabei und greifen gern Ideen auf. Seit 15 Jahren gibt es eine Partnerschaft mit Barleben in Sachsen-Anhalt und seit zehn Jahren mit Jasedow auf Usedom. Wir haben Kooperationsvereinbarungen mit Einrichtungen und Gemeinden im afrikanischen Benin, in Frankreich, Polen, Ungarn, Tschechien und Russland. Sorben sind auch Brückenbauer in den Osten.“