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Rosenthaler Rudel
Naturschützer wollen Wolfabschuss per Eilantrag stoppen

Ein Wolf aus dem Rosenthaler Rudel soll in Sachsen erschossen werden. Ist die Genehmigung durch das Umweltamt rechtens?
Ein Wolf aus dem Rosenthaler Rudel soll in Sachsen erschossen werden. Ist die Genehmigung durch das Umweltamt rechtens? FOTO: Wolfram Kastl / dpa
Bautzen/Dresden. Der geplante Abschuss eines Problemwolfes aus dem Rosenthaler Rudel bei Bautzen könnte möglicherweise noch gestoppt werden. Naturschützer haben einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Dresden gestellt. Von Bodo Baumert

In den drohenden Abschuss bei Bautzen hat sich am Freitag die Grüne Liga Sachsen eingemischt. Sie will den Abschuss verhindern und hat deshalb eine Anwaltskanzlei beauftragt, die Widerspruch gegen die Genehmigung durch das Umweltamt eingelegt hat. Das teilte die Kanzlei Baumann Rechtsanwälte am Freitag mit.

Rechtsanwältin Franziska Heß sieht in der Abschussgenehmigung einen Präzedenzfall von grundsätzlicher Bedeutung: „Unserer Auffassung nach ist eine Abschussgenehmigung für einen Wolf unter anderem aufgrund bestehender Alternativen wie Vergrämung und Prävention mit dem europäischen Naturschutzrecht unvereinbar. Die Naturschutzrichtlinien verlangen, dass sämtliche Alternativen vorab ausgeschöpft werden.“ Die Hintergründe, wie die Genehmigung zustande gekommen ist, seien nach wie vor unklar.

Rechtsanwalt Andreas Lukas sieht schnellen Handlungsbedarf: „Da ein Abschuss des Wolfes kurzfristig erfolgen soll, hat die Kanzlei Baumann Rechtsanwälte im Auftrag der Grünen Liga vorsorglich einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Dresden gestellt. Dieser hat zum Ziel, dass keine Fakten durch einen Abschuss geschaffen werden, bevor die Sach- und Rechtslage geklärt ist.“

Nach dem Riss von mehr als einem Dutzend Schafe in nur einer Nacht war ein Wolf aus dem Rosenthaler Rudel vor einer Woche zum Abschuss freigegeben worden. Das Umweltministerium gab sein Einverständnis zu einer entsprechenden Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Bautzen.

Zuvor waren bei Rosenthal 15 Schafe einer durch Elektrozaun und Flatterband geschützten Herde getötet worden, 30 weitere Tiere wurden vermisst. Experten - sogenannte Rissgutachter - hatten festgestellt, dass es sich um eine Wolfsattacke handelte.

„Ein oder mehrere Wölfe haben in den letzten Wochen offenbar gelernt, die empfohlenen und für die Schafhalter zumutbaren Schutzmaßnahmen zu überwinden“, teilte das Umweltministerium mit. Damit seien dieVoraussetzungen zur Entnahme erfüllt, denn dem Schafshalter sei trotz des grundsätzlich weiter bestehenden strengen Schutzes für Wölfe kein weiterer wirtschaftlicher Schaden zuzumuten.

Der Abschuss dürfe aber nur erfolgen, wenn sich Wölfe an eine entsprechend gesicherte Herde heranmachten, sagte ein Ministeriumssprecher. Durch den Abschuss eines Tieres hoffe man auf einen Lerneffekt im gesamten Rudel.