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Hilfe für Kröte, Molch & Co.
Tragende Rolle für liebestolle Frösche

Täglich sammelt Hagen Rothmann derzeit die Amphibien am Krötenzaun an der B 97 bei Neukollm ein. Tausende Tiere werden zum Laichgewässer über die Straße getragen.
Täglich sammelt Hagen Rothmann derzeit die Amphibien am Krötenzaun an der B 97 bei Neukollm ein. Tausende Tiere werden zum Laichgewässer über die Straße getragen. FOTO: Catrin Würz / LR
Hoyerswerda/Neukollm. Die Amphibienwanderung ist in vollem Gange. Für die Naturschützer gibt es jetzt viel zu tun.

Träge hocken die drei Dutzend Erdkröten in dem weißen Plastikeimer übereinander, mit dem Hagen Rothmann gerade in einer Lücke zwischen den Fahrzeugkolonnen die Bundesstraße 97 überquert. Die Temperaturen sind noch kühl an diesem frühen Morgen, was die wechselwarmen Tierchen in ihrer Mobilität einschränkt. Doch seitdem der Frühling nun endlich mit aller Macht gekommen ist und die  Bodentemperaturen ansteigen, gibt es für Kröte, Molch und Frosch kein Halten mehr. „Seit etwa einer Woche dauert die Amphibienwanderung an. Jetzt kommen die Tiere aus ihren Überwinterungsquartieren und streben ihren Laichgewässern entgegen“, klärt Hagen Rothmann, der Vorsitzende der Wittichenauer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu), auf.

Das ist dann auch Hoch-Zeit für die Amphibienretter: Jetzt startet die alljährlich vier bis sechs Wochen andauernde „tragende“ Rolle für ehrenamtliche und hauptamtliche Naturschützer rund um Hoyerswerda, die das Überleben zahlloser geschützter Lurcharten sichern.

Denn die Gefahr lauert auf Bundes-, Staats- und Kreisstraßen, die die Amphibien auf dem Weg zu ihren angestammten Laichgewässern überqueren müssen. Damit die Tiere nicht von den Autoreifen einfach platt gemacht werden, sind an mehreren gefährdeten Standorten kniehohe Schutzzäune aufgestellt worden - so wie an der B 97 zwischen Hoyerswerda und Bernsdorf. Auf einer Länge von 800 Metern in Nachbarschaft zur Alten Tongrube bei Bröthen. Jeden Morgen sammelt Hagen Rothmann hinter dem Amphibienschutzzaun die liebestollen Frösche und Kröten ein, trägt sie über die Verkehrsader, setzt sie an der Alten Tongrube wieder aus und registriert die Anzahl der Tiere akribisch in seinem Notizbuch.

Andere Ehrenamtler aus der Wittichenauer Nabu-Ortsgruppe tun das Gleiche an den Ortsverbindungsstraßen zwischen Brischko und Maukendorf sowie zwischen Groß Särchen und Rachlau, wo ebenfalls Amphibienschutzzäune stehen. An diesen beiden Standorten helfen auch Mitarbeiter der Naturschutzstation Neschwitz bei der Rettung mit.

Hagen Rothmann sammelt an diesem Morgen zwar nur lehmbraune Erdkrötenpärchen in seinen Plastikeimer. „Doch in Kürze werden hier auch Grasfrösche, Moorfrösche, Rotbauchunken, Teichfrösche und mehrere Molcharten ankommen“, erzählt der 55-jährige Nabu-Ortsgruppenchef, der im Beruf bei der Naturschutzbehörde des Landkreises tätig ist. In den vergangenen Jahren hat Rothmann an dieser Stelle durchschnittlich 3000 paarungsbereiten Tieren über die Straße geholfen, in der Mehrzahl Erdkröten. Auch die Rückwanderung vom Laichgewässer in den Wald bei Neukollm einige Wochen später begleiten die Naturschützer wieder.

Die Vermehrung von Fröschen, Molchen und Kröten abzusichern, hat für das ökologische Gleichgewicht eine wichtige Funktion. „Die Amphibien sind äußerst wichtig für die Nahrungskette“, sagt Hagen Rothmann. Eidechsen, Reptilien, Vögel haben Laich und Froschnachwuchs auf dem Speisezettel. An den Schutzzäunen erfüllen die Helfer vom Naturschutzbund darüber hinaus noch eine andere wichtige Aufgabe: die Statistik. „In den meisten Fällen waren unsere Zählungen ausschlaggebend, dass bei Straßenbaumaßnahmen auch Krötentunnel konzipiert und gebaut wurden“, erklärt der Neukollmer. An zirka 20 Standorten im Landkreis Bautzen wurden in den zurückliegenden Jahren solche Amphibientunnel errichtet. So zum Beispiel zwischen Groß Särchen und Maukendorf und an der neuen Staatsstraße zwischen Oßling und Wittichenau.