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Naturidylle rahmt die Freiluftwerkstatt

Sebastian Harbort arbeitet an seinem Rieseninsekt.
Sebastian Harbort arbeitet an seinem Rieseninsekt. FOTO: hir1
Miltitz/Nebelschütz. Die Naturidylle rund um den alten Steinbruch Miltitz ist derzeit eine Freiluftwerkstatt für Bildhauer. Noch bis zum Freitag lassen die elf Teilnehmer des 11. Internationalen Bildhauersymposiums aus Holz und Stein Kunstwerke entstehen. hir1/br

Mehrere Teilnehmer sind zum wiederholten mal dabei, wie Sebastian Harborts (41) mit seiner chinesischen Frau Jiang. Gemeinsam betreiben sie ein Bildhaueratelier in Leipzig. Jiang gehörte voriges Jahr zu den Teilnehmern des Bildhauersymposiums im alten Steinbruch Miltitz. "Jiang schwärmte von der tollen Atmosphäre hier; davon, wie sich die Künstler in Gesprächen gegenseitig inspirieren, austauschen, aber auch helfen. Diese Atmosphäre wollte ich auch erleben, und so bin ich jetzt hier", sagt Sebastian Harbort. An seinem Werk lässt sich schon erahnen, dass ihn die Natur inspiriert hat. Er verrät, dass es ein riesengroßes Insekt wird, ob Tausendfüßer oder Libelle, lässt der Leipziger noch offen.

Gleich am Eingang zur Freiluftwerkstatt ist die freischaffende Bildhauerin Judith Franke aus Thüringen tätig. Sie bearbeitet einen Holzklotz mit der Kettensäge. Eine Marionette soll entstehen. Sie arbeitet gern in der Natur, hat nur nicht immer die Gelegenheit, wie sie sagt. Ein weiterer Grund für sie, zum zweiten Mal teilzunehmen, ist die Fachsimpelei darüber, wie es andere Künstler machen.

Judith Franke hat sich mittlerweile auf die Bearbeitung von Holz spezialisiert, da dieses allein schon durch die Maserung lebt, aber auch Überraschungen in Gestalt natürlicher Einschlüsse bergen kann, auf die sich der Künstler einlassen muss. Der 39-jährige Milan Brothanek aus Vrchlabi (Hohenelbe) im tschechischen Riesengebirge hat in seinem Beruf als Holzkonstrukteur nicht so oft Gelegenheit, im Freien zu arbeiten. In Miltitz genießt er das sehr. Auch er ist bereits zum zweiten Mal hier und erzählt, dass sich viel verändert habe. Eine gemauerte Sommerküche mit Ofen und Grill ist dazugekommen, ebenso ein Sozialtrakt, ein Bühnen- und ein Zuschauerraum im Freien für Veranstaltungen sowie mehrere Sitzgelegenheiten.

"Als wir 2001 diesen stillgelegten Steinbruch mit seiner Idylle erwarben, träumten wir von einem soziokulturellen Zentrum. Dieser Traum ist mehr und mehr Wirklichkeit geworden", erzählt Thomas Zschornack, Bürgermeister von Nebelschütz. Das einmal im Jahr stattfindende Bildhauersymposium ist international anerkannt. Mittlerweile gibt es gute Kontakte zur Kunstuniversität Usti nad Labem.

Aber auch sonst können sich Künstler hier inspirieren lassen und für längere Zeit einmieten. Ebenso wird das Internationale Bildhauersymposium im alten Steinbruch Miltitz von Schulklassen genutzt, um den Künstlern über die Schulter zu schauen, und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Auch Kunstinteressenten nehmen oft mit der ganzen Familie das naturnahe Angebot an. Die Arbeiten vervollständigen die Ausstellung des Vereins Steinleicht, der gemeinsam mit der Gemeinde Nebelschütz alljährlich das Bildhauersymposium organisiert. Am Sonnabend werden die Arbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt. Begleitet wird dieses Abschlussfest von einem deutsch-sorbischen Kulturprogramm.