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| 02:39 Uhr

Natürliche Gläser in Kiesgruben

Michael Hurtig in der Kiesgrube "Auerhahn" bei Schwarzkollm. In einem Haufen Waschkies sucht er nach Mineralien wie Lausitzer Moldaviten. Auch Achate, Amethyste und versteinerte Hölzer hat der Mineraloge hier schon gefunden.
Michael Hurtig in der Kiesgrube "Auerhahn" bei Schwarzkollm. In einem Haufen Waschkies sucht er nach Mineralien wie Lausitzer Moldaviten. Auch Achate, Amethyste und versteinerte Hölzer hat der Mineraloge hier schon gefunden. FOTO: Reinhard Hoffmann/rhf1
Kubschütz/Oberlausitz. Lausitzer Moldavite sind zwischen Großräschen, Hoyerswerda und Ottendorf-Okrilla zu finden. Neue Erkenntnisse über die Herkunft der Gesteine hat Mineraloge Michael Hurtig publiziert. Reinhard Hoffmann / rhf1

Michael Hurtig aus Kubschütz ist diplomierter Mineraloge. Seit mehr als 22 Jahren ist er einheimischen Mineralien und Halbedelsteinen auf der Spur. Seinen ersten Lausitzer Moldavit fand er im Jahr 2003. Auf deren Suche hat er sich in den vergangenen Jahren spezialisiert. Unter Sammlern gilt er als Kenner regionaler Fundstätten.

Eine Fundstelle für Moldavite ist die Kiesgrube "Auerhahn" in der Nähe von Schwarzkollm. Michael Hurtig hat eine offizielle Genehmigung vom Besitzer und Betreiber der Grube. An einem Haufen mit Waschkies (Körnung 8/16 mm) erklärt der Mineraloge: "Hier kann man neben Achaten, Amethysten und versteinerten Hölzern mit etwas Glück auch Moldavite finden." Dieses Glück hatte Michael Hurtig bereits mehrfach in dieser Kiesgrube und an 14 weiteren Orten in der Lausitz.

In der Lausitz gibt es nach seinen Recherchen derzeit etwa 40 Fundstellen für Moldavite. Dazu gehören Kiesgruben und ähnliche Aufschlüsse bei Annahütte, Bergheide, Cunnersdorf, Gottschdorf, Großräschen, Großgrabe, Kostebrau, Lauta-Dorf, Meuro, Miltitz, Ottendorf-Okrilla, Salzenforst und Wiesa.

Der erste bestätigte Fund eines Lausitzer Moldavits geht auf das Jahr 1967 zurück. Entdeckt wurde er in der Kiesgrube bei Ottendorf-Okrilla. Weitere Entdeckungen gelangen dem mittlerweile verstorbenen Herbert Wagner aus Laußnitz, der heute in Fachkreisen als Pionier der Erforschung der Lausitzer Moldavite gilt. Er machte weitere Funde in Kiesablagerungen bei Brauna und Wiesa im damaligen Landkreis Kamenz. Inzwischen wurden in der Lausitz annähernd 2000 Moldavite gefunden, die allesamt aus Flusssedimenten von Vorläufern der heutigen Elbe stammen.

Mit seinem im Juni vom Museum der Westlausitz herausgegebenen Buch "Moldavite und ihre Fundschichten in der Lausitz und in angrenzenden Gebieten" greift Autor Michael Hurtig in die Moldavit- und Elbforschung in der Lausitz ein. Er befasst sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und greift in seinem Buch Themen auf, zu denen es unter Geowissenschaftlern kontroverse Standpunkte gibt.

Eines der strittigen Themen ist die Herleitung der Lausitzer Moldavite. Derzeit wird allgemein angenommen, dass in der Lausitz ein eigenständiges Moldavit-Substreufeld vorliegt. Das würde bedeuten, dass die Moldavite unmittelbar nach dem Einschlag eines Asteroiden vor 14,9 Millionen Jahren im heutigen Süddeutschland in der Umgebung der heutigen Lausitzer Fundstellen niedergegangen und nur über kurze Strecken im Fluss transportiert worden sind.

Anhand neuer Erkenntnisse belegt Michael Hurtig, dass dies nicht so war und die Lausitzer Moldavite erst mit den Sedimenten der alten Elbeläufe aus Böhmen - dort befinden sich die Hauptfundorte von Moldaviten - in die Lausitz gelangt sind.

Spannend sind auch die Kartierung und Rekonstruktion der Alt-Elbeläufe, da nur noch Reste dieser Jahrmillionen alten Sedimente vorhanden sind. Grund hierfür ist die spätere Überprägung und Abtragung der Elbeschotter durch die Inlandeisvorstöße während der Eiszeit in der Lausitz. Im Umlauf befindliches Kartenmaterial wird daher oft mit dem Vermerk "vermuteter Verlauf" versehen. Michael Hurtig hat eigene Theorien aufgestellt und veröffentlicht mehrere neue Karten zu den Elbeläufen. Zu den Alt-Elbeläufen zählen etwa der Bautzener oder der Senftenberger, auch ein Berliner.

Die ältesten und moldavitreichsten Sedimente sind die der Senftenberger Elbe, die auch den Raum Hoyerswerda tangierte.

Michael Hurtig ist sehr interessiert an einer Diskussion seiner Erkenntnisse in der Fachwelt. Er wünscht sich aber auch, mit seinem Buch das Interesse von Laien für die regionale Geologie und Mineralogie zu wecken.

Zum Thema:
Moldavite sind natürliche Gesteinsgläser von grüner, seltener auch von brauner Farbe. Sie entstanden vor rund 14,9 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Asteroiden mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 Kilometern im Gebiet des heutigen Süddeutschlands nahe der Stadt Nördlingen. Die Glasschmelzen, aus denen sich die Moldavite formten, wurden mehrere Hundert Kilometer weit nach Osten ausgeschleudert. Die Hauptfundgebiete befinden sich in Böhmen und Mähren. Nach den zuerst entdeckten Fundstellen nahe der Moldau führten Mineralogen den Begriff "Moldavit" ein.

Moldavite sind natürliche Gläser. In geschliffenem Zustand werden sie gern als Schmucksteine verwendet.
Moldavite sind natürliche Gläser. In geschliffenem Zustand werden sie gern als Schmucksteine verwendet. FOTO: fotolia/bjphotographs