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| 02:43 Uhr

Närrisches Treiben von Bar zu Bar

Reinhard Zehe (56) in seiner "UnVerwechselBar" (l.) – seit 1997 laden er und seine Familie die Karnevalsfreunde in Garage und Wintergarten ein. Markus Kaschta (25/r.) bringt noch die letzte Farbe an die kreativ gestaltete Wand in der "CuBar". Als DJ sorgt er hier von Freitag bis Dienstag für beste Musik.
Reinhard Zehe (56) in seiner "UnVerwechselBar" (l.) – seit 1997 laden er und seine Familie die Karnevalsfreunde in Garage und Wintergarten ein. Markus Kaschta (25/r.) bringt noch die letzte Farbe an die kreativ gestaltete Wand in der "CuBar". Als DJ sorgt er hier von Freitag bis Dienstag für beste Musik. FOTO: Hummel
Wittichenau. Längst hängen Herzchengirlanden und Luftballons von der Decke. "Helau"-Schriftzüge und Clownsgesichter schmücken die Wände. Anja Hummel

Die Teller sind üppig mit Pfannkuchen bestückt, der Sekt ist entkorkt. Auf den Köpfen sitzt mal ein glitzernder Mini-Zylinder, mal eine Kapitänsmütze. Es ist kurz nach elf Uhr. Im Wittchenauer Rathaus wird Weiberfastnacht gefeiert. Bürgermeister Markus Posch stimmt zum "Funkenmarsch" ein.

Während in der Amtsstube die Musik den Ton angibt, dröhnt am Topfmarkt, nur wenige Gehminuten vom Rathaus entfernt, die Bohrmaschine. Reinhard Zehe ist in seiner Garage am Werkeln. Nicht für sich, sondern für die feierlustigen Narren, die keine 24 Stunden später durch ganz Wittichenau ziehen werden. Der 56-Jährige ist Hausherr der "UnVerwechselBar", eine der insgesamt 26 Bars, die vom heutigen Freitag bis Faschingsdienstag ihre Türen öffnen.

Neben Kappenabend, Weiberfasching und Rosenmontagsumzug sind die Bars eine Tradition der Wittichenauer Karnevalskultur. "Wir machen seit 1997 mit", erzählt Reinhard Zehe. Zuerst wurde die Garage eingerichtet, später kam der Wintergarten als Feierstätte hinzu. Kuschelig-rustikal mit Kamin, Bierzeltgarnituren und bemerkenswerten Deko-Details. Schon vor zwei Wochen hat er mit der Reinigung begonnen und erste Umräumarbeiten gestartet. Warum er sich den Stress antut? "Aus Spaß an der Freude. Das gehört als Wittichenauer dazu", sagt Zehe, der mit Ehefrau Angelika selber mal Prinzenpaar beim Wittichenauer Karnevalsverein war. Seit jeher nimmt sich der Tiefbaumeister zur Karnevalszeit frei. "Das Stressigste ist der Morgen nach den Partys", gesteht er. Bei der täglichen Reinigung und auch abends an der Bar packt die ganze Familie mit an.

Zurück im Rathaus kann auch Bürgermeister Markus Posch ein Liedchen über die "Barherrschaft" singen. Er selber hat in der Vergangenheit schon einige bewirtschaftet. "Das ist ganz schön anstrengend. Vor allem, weil man immer vorkosten muss." In seiner Tätigkeit als Stadtchef kündigt er "intensive Kontrollgänge durch die Bars" täglich ab heute Abend an.

Die haben Namen wie "Lollipop", "Mausefalle" und "Macchu Picchu". "Nach der Wende hat sich die Tradition entwickelt", erinnert sich Markus Posch. Weil es zu wenige Einrichtungen für einen zu großen Ansturm gab, haben sich neben den Gaststätten auch Privatleute angeboten. Von den 26 Faschingsbars befinden sich 16 auf privatem Gelände. "Die Zahl hält sich über die Jahre die Waage", sagt Rathaus-Mitarbeiterin Angelika Czöpitz. Sie nimmt die Anträge, die teilweise schon vor Weihnachten einflattern, entgegen.

So bunt wie das närrische Publikum, so vielfältig sind auch die Faschingsbars. Während Reinhard Zehe mit hausgemachten Gitarrenliedern und fröhlicher Tanzmusik in seine "UnVerwechselBar" lockt, ist das Aushängeschild der "CuBar" der karibische Longdrink schlechthin: Cuba Libre. Dafür haben die Jungs des Jugendklubs "Grüne Garde" 130 Kilo Eis und unzählige Flaschen Havanna Club angekarrt. Neu in der "CuBar" ist die Fotoecke mit Selbstauslöser. Und für fünf Cuba Libre gibt es eine Sonnenbrille geschenkt. "Bei uns soll es gemütlich sein, ohne dass das Feiergefühl verloren geht", sagt Lukas Winzer, dem die Party-Bar gehört. Für Musik sorgt Kumpel Markus Kaschta. Er ist vor allem dabei, "weil es die Gemeinschaft stärkt und einfach zu Wittichenau gehört".

Während in der "CuBar" die ersten Bierchen gezapft und die letzten "Chaos-Spuren" beseitigt werden, rattert in der "UnVerwechselBar" noch einmal der Bohrer. Reinhard Zehes letze handwerkliche Tat vor dem Startschuss: im vorderen Garagenbereich ein Regal an die Wand bringen. "Für Aschenbecher. Damit auch die Raucher im Trockenen stehen können."

Zumindest können sie das bis Punkt Mitternacht am Faschingsdienstag. Denn dann ist all der närrische "Barzauber" schon wieder vorbei.

Alle Faschingsbars auf einen Blick: www.helau-wittichenau.de .

Zum Thema:
In Wittichenau kommt es von Samstag, 25. Februar, ab 10 Uhr, bis Dienstag, 28. Februar, 24 Uhr, zu erheblichen Verkehrseinschränkungen. Laut Stadtverwaltung ist während der gesamten Zeit die Innenstadt nur für Anlieger frei. Während der Umzüge am Samstag (13 bis 16 Uhr) und am Rosenmontag (13 bis 16.30 Uhr) ist das Befahren aufgrund einer Vollsperrung auch für Anlieger nicht möglich. An den Knotenpunkten wird der Verkehr durch die Polizei geregelt. Besucher der Umzüge können die ausgeschilderten Parkmöglichkeiten nutzen. Die Stadtverwaltung weist zudem darauf hin, dass die Polizei verstärkt Kontrollen durchführen wird.Beim Busverkehr gibt es Änderungen für die Linien 152, 153, 162, 164 und 182. Ab 25. Februar, 10 Uhr, werden die Haltestellen in Wittichenau nicht mehr angefahren. Genutzt werden können die Haltestellen in Keula und Wittichenau Waldbad. Am 26. Februar entfällt die Haltestelle "Markt"; Ersatzhaltestelle: August-Bebel-Straße / Schule. Am 27. Februar wird die Haltestelle "Markt" nicht angefahren. Alle Linien fahren über die August-Bebel-Straße. Ab 12 Uhr ist der gesamte Innenstadtbereich gesperrt. Genutzt werden können die Haltestellen in Keula und Wittichenau Waldbad.Der Ortsteil Hoske wird ab 12 Uhr nicht mehr von der L 162 angefahren. Die Ersatzhaltestelle ist der Abzweig nach Kotten über Kotten und Liebegast. Am 28. Februar ist wieder die Ersatzhaltestelle August-Bebel-Straße nutzbar.