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Nägel mit Köpfen für den Bautzener Bahnhof

Tristesse: Nur ein kleiner, abgesperrter Teil der Halle ist für die Besucher des Reisezentrums im Bautzener Bahnhof begehbar.
Tristesse: Nur ein kleiner, abgesperrter Teil der Halle ist für die Besucher des Reisezentrums im Bautzener Bahnhof begehbar. FOTO: ume1
Bautzen. Lange war dieser Schritt erwartet worden, jetzt ist er vollzogen: Das Landratsamt Bautzen hat mit der Eigentümerin des Bautzener Bahnhofes, der Hentschke Bau GmbH, den Rahmenvertrag für die künftige Nutzung des Gebäudes durch die Kreisverwaltung unterzeichnet. Demnach sollen ab 2019 250 Arbeitsplätze für Bedienstete des Landkreises im Bahnhofsgebäude zur Verfügung stehen. Uwe Menschner / ume1

Mit der Nutzung des Bautzener Bahnhofes als Standort der Kreisverwaltung werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Einerseits stoppt die zuvor erforderliche Sanierung den bereits seit Jahren beklagten Niedergang des Gebäudes, das seit Februar 2014 für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Die Deutsche Bahn AG hatte die Maßnahme damals mit Sicherheitsbedenken begründet: Mehrmals seien Putzbrocken von der Decke gefallen. Selbst investieren wollte die Bahn in das aus ihrer Sicht entbehrliche Gebäude jedoch nicht mehr.

Andererseits hofft die Kreisverwaltung, sich durch diese Maßnahme effizienter und kostengünstiger aufzustellen. "Die Effektivität der Verwaltung leidet unter der zersplitterten Unterbringung in verschiedenen kleinen Einheiten", so der zuständige Beigeordnete des Bautzener Landrates, Udo Witschas (CDU). Derzeit nutzt das Landratsamt in Bautzen (inklusive des Jobcenters) elf verschiedene Standorte, ab 2019 sollen es (mit dem Bahnhof) nur noch vier sein. Doch nicht nur auf den Standort Bautzen hat die Neuordnung der Kreisverwaltung Auswirkungen: Hoyerswerda verliert einen Großteil seiner derzeit noch 222 Arbeitsplätze. Von zurzeit noch drei Standorten (Schloßplatz, Einsteinstraße, Dillinger Straße) soll laut der im Juni vom Kreistag beschlossenen Liegenschaftskonzeption ab 2021 nur noch der Erstgenannte mit 55 Plätzen bestehen. Der Verwaltungsstandort Kamenz hingegen gibt nur vergleichsweise wenige Arbeitsplätze ab (von 757 auf 705).

Die Anmietung von Nutzflächen im Bautzener Bahnhof und die damit verbundenen Konditionen sind nicht unumstritten. In erster Linie gab es Kritik vonseiten der Stadt Hoyerswerda, die darin einen Verstoß gegen die im Rahmen der Einkreisung 2008 getroffene Vereinbarung, zehn Prozent der Kreis-Arbeitsplätze in Hoyerswerda vorzuhalten, sieht.

Doch auch der vereinbarte Mietpreis von acht Euro pro Quadratmeter - bei einer Nutzfläche von 4000 Quadratmetern sind das 32 000 Euro pro Monat - erschien einzelnen Kreisräten mit Verweis auf den Bautzener Mietspiegel als zu hoch.

Hierzu verwies Beigeordneter Udo Witschas auf die geringen Nebenkosten, da der Bahnhof nach den neuesten Anforderungen der Energieeffizienz saniert werde. Schließlich stieß auch die Eile, mit der der Beschluss zur Anmietung vorangetrieben wurde, auf Kritik. Diese begründete Witschas gegenüber dem Kreistag mit einem gewissen Druck, den der Investor auf den Landkreis ausübe: "Der Investor hatte bereits einmal unsere Option zur Nutzung des Bahnhofsgebäudes verlängert und war nicht bereit, dies ein zweites Mal zu tun."

Die Hentschke Bau GmbH hatte die verbindliche Zusage des Landratsamtes zur Einmietung zur Voraussetzung für den Erwerb des Gebäudes erklärt.