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Nächste Rebellion am Knappensee

Symbolisch demontierten Hans-Georg Ziehe (l) und Werner Petrick den nach ihrer Ansicht unnötigen Sperrzaun am Knappensee.
Symbolisch demontierten Hans-Georg Ziehe (l) und Werner Petrick den nach ihrer Ansicht unnötigen Sperrzaun am Knappensee. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Knappenrode. Es ging wieder erbaulich zu, beim 3. Tag der Knappensee-Rebellen am vergangenen Samstag. Mandy Fürst / mft1

Wurde im vergangenen Jahr noch ein aufblasbarer Pool aufgestellt, in dem die Rebellen das symbolische Anbaden am Groß Särchener Strand des Knappensees zelebrierten, hielten in diesem Jahr der zeichenhafte Abbau eines Absperrgitters, das Angeln von Pappfischen und Spirituosen über das Zaunfragment sowie die Verteilung jeweils einer goldnen Reißzwecke an jeden Versammlungsteilnehmer für die sinnhafte Vermittlung des beständigen Widerstandes her.

Seit Mai 2014 ist das zwischen Groß Särchen, Koblenz und Maukendorf gelegene, wasserwirtschaftlich genutzte "Speicherbecken Knappenrode" vollumfänglich gesperrt. Jegliche Nutzung ist per Allgemeinverfügung untersagt. Die LMBV als sanierendes Unternehmen sieht die Sperrung des gesamten Uferbereiches in der Möglichkeit von Setzungsereignissen und deren Auswirkungen auch auf entlegene Strandabschnitte begründet. Die Allgemeinverfügung könne quasi nur durch eine weitere Allgemeinverfügung beziehungsweise in Verantwortung des Freistaates aufgehoben werden, erklärt der Vereinsvorsitzende Werner Petrick den etwa 20 Gästen des Strandfestes. Standortfaktoren wie der Betrieb des Rutschenparks in Groß Särchen, die Brücke am Einlassbereich des Schwarzwassers oder auch die Wiederaufforstung des Koblenzer Strandes würden vernachlässigt. Man darf sich nicht erst mit Abschluss der Sanierung in fünf Jahren mit diesen Themen auseinandersetzen, betont Petrick.

Ungeklärt sieht der Verein auch noch immer die Frage, ob der Knappensee sich in Berg- oder Polizeirecht befindet. Die Entscheidung hat erheblichen Einfluss auf die Entschädigung betroffener Grundstückseigentümer. Während das derzeit angesetzte Polizeirecht nach Zeitwert entschädigt, ist bei Anwendung des Bergrechtes für gleichwertigen Ersatz zu sorgen. Überhaupt versuche man, seit Beginn der Sanierung Transparenz in die Finanzpläne und die Verwendung der Steuergelder in Millionenhöhe zu bekommen, habe jedoch bisher keinen Erfolg gehabt.

Wobei auch die vermeintlich einfache Trennung von Polizei- und Bergrecht zu hinterfragen ist, meint Ulrich Schurigt. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Entschädigung" der Siedlergemeinschaft Neubuchwalder Bucht II. Einen Meter umfassen seine privaten Akten zur Sperrung eines Teils seiner Parzelle, sagt Schurigt. Sein Grundstück ist eines von vier direkt betroffenen der Anlage, die sich in 21 Parzellen aufteilt. Die Verhältnismäßigkeit von realer Gefahrenlage und den Entscheidungen von LMBV und Oberbergamt nachzuprüfen, sei eine im Alleingang kaum zu stemmende Herausforderung. Er selbst wurde durch die Ziehung des Zaunes, die mit Duldungsanordnung und ohne seine Zustimmung veranlasst worden sei, von 300 Quadratmeter Fläche inklusive Zufahrt und Carport getrennt. Inzwischen wurde ihm eine Parkfläche bereitgestellt, der noch eine Überdachung fehlt. Einiges hat der 69-jährige Ingenieur also schon erreichen können. Schurigt sieht jedoch nicht nur in Flächen, Bebauungen und Bepflanzungen den Aspekt "Vermögensnachteile" berührt. In seinen Augen sind auch Fahrten zu Versammlungen oder Terminen auf den Grundstücken mit Anwesenheitspflicht des Eigentümers sowie Maßnahmen wie das Umsetzen von Booten in andere Gewässer oder auch entgangene Urlaubs- und Freizeit beim Baden, Angeln, Segeln oder Wassersport als darstellbare Einbußen einzustufen. Viele Vereinsmitglieder kommen aus Dresden oder von noch weiter her an den Knappensee, sagt Schurigt. Da sammelten sich die Aufwände schon an und müssten als legitime Forderungen auf den Tisch. Und was den im Polizeirecht verzeichneten Ausgleich von Vermögensschäden betrifft, seien diese nach seinem Verständnis aus der Differenz von Zeitwert und Wiederbeschaffungskosten zu ermitteln. Er sei bereit, diese Fragen in aller Breite mit LMBV und Oberbergamt zu diskutieren, stellt Schurigt in Aussicht.