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| 02:40 Uhr

Nachwuchs für das "kleine Glück" gesucht

Schrebergartenglück: Ein grüne Oase für den Rückzug aus dem Alltag. Wird es gelingen, auch wieder junge Leute für dieses Hobby zu gewinnen?
Schrebergartenglück: Ein grüne Oase für den Rückzug aus dem Alltag. Wird es gelingen, auch wieder junge Leute für dieses Hobby zu gewinnen? FOTO: cw
Hoyerswerda. Kleingärtnern galt viele Jahre lang als die Erfüllung privaten Selbstversorger-Glücks. Doch immer häufiger stehen jetzt in Hoyerswerda Parzellen leer. Sie müssen aus Altersgründen aufgegeben werden – und Nachfolger finden sich kaum. Catrin Würz

Die Johannesbeeren waren in diesem Jahr üppig und riesengroß. Die Tomaten und Bohnen stehen gut am Stamm und versprechen reiche Ernte. Na ja, beim Salat haben sich schon die Schnecken bedient . . . Und die Familienweinrebe über dem Veranda-Dach hängt über und über voll mit prallen Trauben. Stolz präsentiert Werner Kirmer sein kleines Schrebergartenreich mit Laube. Der 66-Jährige ist seit vielen Jahren Kleingärtner aus Leidenschaft und seit über 20 Jahren auch Vorsitzender seines Gartenvereins "An der Baumschule" in Hoyerswerda. 20 Parzellen klein ist die Anlage nahe der Spremberger Chaussee. "Hier draußen geht es mir immer gut", erzählt er. Vor drei Jahrzehnten haben er und seine Frau sich den Garten angeschafft. Ein Fluchtort zur Neubauwohnung - auch, damit die Kinder nicht nur vor der Glotze herumhängen.

In diesem Jahr hat Werner Kirmer seine kleine Sparte für den Landeswettbewerb "Gärten in der Stadt" 2017 angemeldet. Es ist die einzige Anmeldung aus der Region - und die vierköpfige Jury schaute sich zu Wochenbeginn in der Anlage um. Sie begutachtete wohlwollend die ertragreiche Gemeinschaftskompostanlage und den kleinen Festplatz für gemeinsame Gemütlichkeit der Spartengärtner. Nur 22 Gartenvereine aus ganz Sachsen machen diesmal im Wettbewerb mit - ein Drittel weniger als noch vor vier Jahren, sagt Peter Paschke, Präsident des Landesverbandes der Kleingärtner. Das spiegelt vielleicht insgesamt die Situation im Kleingartenwesen wider, das mit großen Problemen zu kämpfen hat: Überalterung, Schrumpfung und auch weniger Interesse am selbstgezogenen Obst und Gemüse.

Allein in Hoyerswerda gibt es gegenwärtig 55 verschiedene Gartensparten mit weit mehr als 3000 Parzellen. Momentan sind davon zwar lediglich knapp unter 100 Gärten offiziell als Leerstand gemeldet. "Doch es gibt eine enorme Grauzone. Die Anzahl jener älteren Mitglieder, die die Gartenarbeit nicht mehr schaffen und die Absicht haben, den Garten abzustoßen, ist momentan nicht zu ermessen", sagt Reinhard Klekar, der Vorsitzende des Kleingartenverbandes Hoyerswerda und Umland. Wer den Spaten beiseite legen will, müsste eigentlich einen Nachfolger als Pächter finden oder die Parzelle beräumen - so steht es in den Satzungen der Vereine. Beides ist für hochbetagte Gartenfreunde oft nicht möglich. Und so ist mancher Garten auch mal ein paar Monate sich selbst überlassen.

Reinhard Klekar und der Verband mahnen deshalb eine Konzeption an, wie im Zuge der Stadtentwicklung die Kleingartenflächen geordnet und konzentriert werden könnten. Frank Hassemeier vom Bereich Stadtentwicklung im Hoyerswerdaer Rathaus bestätigt, dass zur Zukunft der Gartenanlagen Betrachtungen laufen. So gab es erst jüngst wieder Werkstattgespräche mit dem Kleingartenverband. "Es gibt ja die Idee, ehemalige Schrebergartenflächen als freies Gartengrünland zu klassifizieren." Auch eine Umwandlung in Wald ist möglich.

Spartenvorsitzender Werner Kirmer hofft dennoch, dass bei jungen Leuten das Interesse an der eigenen Scholle wieder steigt. In großen Städten wie Dresden sind solche Tendenzen inzwischen zu erkennen. Dort gibt es Gartenvereine, die lange Wartelisten führen. "Gärtnern ist wieder voll im Trend. Junge Familien interessieren sich zunehmend dafür", glaubt auch Jörg Krüger, Landesgartenfachberater beim Verband. Auf der Scholle "An der Baumschule" könnte Spartenchef Werner Kirmer zwei schöne Gärten sofort anpreisen.