Von Anja Hummel

Noch wird es ausgeliefert, das „Essen auf Rädern“. Noch steigen im Wiednitzer Jägerhof Geburtstagsfeiern, werden Klassentreffen abgehalten. Noch werden vielfältige Buffets angerichtet. Doch schon ab Januar könnte damit Schluss sein.

„Es tut mir leid, aber ich muss einen Schlussstrich ziehen“, bedauert Jörg Nietsch seinen Schritt, die Gaststätte abzugeben. Seit 2011 leitet er den Jägerhof, zuvor war er schon acht Jahre als Angestellter dabei. Im Dezember feiert er seinen 63. Geburtstag. „Im Herzen fällt es mir schon schwer, von der Arbeit her eher nicht“, gesteht er ganz offen. Ausgelaugt fühlt er sich, muss die Gaststätte aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Bis jetzt ist offiziell noch kein Nachnutzer in Sicht.

Äußerst schade findet das auch Edeltraud Ritter. Die Ortsvorsteherin von Wiednitz kennt die Stimmung der Anwohner: „Unsere Bürger bedauern das zutiefst. Hier kann man Geburtstage feiern, ich selbst habe hier schon Klassentreffen gehabt.“ Unter der Woche hingegen sei dafür kaum Kundschaft da. „Es ist ja generell ein Phänomen, dass nirgendwo Nachfolger da sind“, stellt Edeltraud Ritter fest. Sehr leid tue ihr das, auch um die beiden „sehr guten Köchinnen“. Ihre Kündigung zum 31. Dezember haben sie schon erhalten. „Es hängt ja auch noch das Abo-Essen essen dran, für die älteren Leute. Das fällt dann auch weg“, sagt die Ortsvorsteherin. Täglich haben Jörg Nietsch und sein Team „Essen auf Rädern“ ausgeliefert. „Neben den Feiern und den Buffets sind die älteren Leute schon unser Hauptklientel“, erzählt Nietsch. Was der Nachfolger mitbringen sollte? „Vielleicht irgendeine spritzige Idee“, sagt der Noch-Pächter. „Aber auf dem Dorf ist die Gaststätte eher für die Gemeinschaft da, für Feierlichkeiten, für Zusammenkünfte. Ein Abendgeschäft lässt sich nicht so einfach etablieren“, rudert er ein wenig zurück. Auf jeden Fall empfiehlt er: Hausmannskost sollte es weiterhin geben. „Das wird sehr gut angenommen.“ Findet sich tatsächlich ein Nachnutzer, wäre der Aufwand äußerst gering. Mit den zwei Köchinnen im Team wäre ein direkter Start möglich und auch das Mobilar ist noch in gutem Zustand und könnte direkt übernommen werden. „Außerdem gibt es hier in unmittelbarer Nähe eine freie Mietswohnung“, zählt Nietsch noch ein Argument auf. Theoretisch also könnte die Gaststätte im nahtlosen Übergang ab Januar weiterbetrieben werden.

Die Gaststätte Jägerhof ist im Besitz der Stadt Bernsdorf. Das Gebäude ist 2004 als Kultur- und Vereinshaus saniert worden und enthält neben der Gaststätte einen Saal und weitere Klubräume. Die Gesamtfläche beträgt knapp 200 Quadratmeter. Wer Interesse hat, der kann sich an die Stadtverwaltung unter 035723 23826 oder via Mail an info@bernsdorf.de wenden.