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| 17:16 Uhr

750 Jahre Hoyerswerda
Nachdenken über Hoyerswerda

Jürgen Tiede und Konstanze Niemz während ihrer Darbietungen.
Jürgen Tiede und Konstanze Niemz während ihrer Darbietungen. FOTO: Demczenko Katrin / Katrin demczenko
Hoyerswerda. Die wechselvolle Geschichte von Hoyerswerda hat die Pegasus-Schreibgruppe und ihre Gäste veranlasst, in einer Extra-Lesung über die Stadt nachzudenken. Von Katrin Demczenko

Autor und Illustrator Jürgen Tiede hat am Sonntag vor wenigen Gästen im Cafe Auszeit der Kulturfabrik aus dem Manuskript seines neu entstehenden Buches „Goldrausch - Wie Pump­hut dem Teufel den Appetit verdarb“ vorgelesen. „Es gehört zu der Serie von Kunstmärchen, in denen sich Sorben und ihre Sagenfiguren erfolgreich gegen die Verführungen des Teufels wehren“, erzählte Tiede. Da Martin Pumphut aus Spohla stammt, spielen in dem neuen Werk dieser Ort, Hoyerswerda und seine Umgebung eine Rolle. Der Autor sagte, dass er die Sagenfigur mit seinen Geschichten bekannter machen und die Region aufwerten möchte.

Die 40 Geschichten über den Müllerburschen mit dem Zauberhut, der eigentlich immer nur ein gutes Essen sucht, lässt Tiede im Siebenjährigen Krieg spielen. Martin Pumphut wird geboren als Sohn eines sorbischen Schweinehirten und kann zunächst nicht zaubern. Damit er vor allem Deutsch lernt, um es später weit zu bringen, besucht er in Hoyerswerda die Schule, bestimmte sein Vater. Doch dort hatte es der kleine Martin schwer. Der Lehrer prügelte ihm das deutsche Vaterunser ins Gehirn, und er durfte nie bessere Noten haben als die reichen deutschen Bürgersöhnchen. In dieser Schule wurden gottesfürchtige Menschen erzogen, die nicht eigenständig denken und der Obrigkeit blind vertrauen, sagte Jürgen Tiede. Heute findet er wichtig, sich mit wachem und kritischem Geist in die Gesellschaft einzubringen und Entscheidungen der Regierung auch zu hinterfragen.

Hartmut Mamat thematisierte in seinem Beitrag, dass Hoyerswerda früher mitten in die Welt gehörte. Das belegen die alte Postmeilensäule am Markt und die ehemals direkte Zugverbindung nach Dresden und Leipzig. Die Braunkohleförderung und der Aufbau des Gaskombinats Schwarze Pumpe führten zur Errichtung der Neustadt als sinnvoll angelegter Wohnstadt für die Kumpel. Das wurde sogar in Schulbüchern der alten Bundesrepublik erwähnt, sagte der Hobbyautor. Heute liegt Hoyerswerda an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen, die sich verkehrstechnisch nicht verstehen, und die Stadt kämpft insgesamt gegen das Vergessenwerden. Damit meinte Mamat besonders die politisch Verantwortlichen in Dresden. „Die einzige Hoffnung ist, dass es jetzt hier mehr Zuzug als Wegzug gibt“, konstatierte er.

Christian Völker-Kieschnick sang beide Hoywoy-Hymnen des Liedermachers Gerhard Gundermann. Die Liedpoetin Konstanze Niemz hatte einen Text von ihm vertont und brachte eigene Songs über die Stadt zu Gehör. Immer war die Liebe aller Auftretenden zu Hoyerswerda spürbar. Besucher Wolfgang Frommhold forderte: „Die Stadt muss viel intensiver für sich werben, um besser wahrgenommen zu werden.“