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| 02:38 Uhr

Nach Orkan kommt Vorzeigewald

Neuer Wald bei Burgneudorf: Wo im Januar 2007 Orkan Kyrill keinen Stamm mehr stehen ließ, wächst jetzt gesunder Mischwald in die Höhe. Revierförster Thomas Kappert und seine kleine Münsterländer-Hündin schauen hier öfter nach dem Rechten.
Neuer Wald bei Burgneudorf: Wo im Januar 2007 Orkan Kyrill keinen Stamm mehr stehen ließ, wächst jetzt gesunder Mischwald in die Höhe. Revierförster Thomas Kappert und seine kleine Münsterländer-Hündin schauen hier öfter nach dem Rechten. FOTO: Würz
Burgneudorf. Mit großen Schritten und seiner noch kleinen Münsterländer-Hündin im Schlepptau stapft Thomas Kappert durch den jungen Mischwald bei Burgneudorf. Der Revierförster für den Bereich Spreewitz nimmt den jungen Waldbestand nahe an der Ortschaft in Augenschein. Catrin Würz

Er ist zufrieden mit diesem Stückchen Staatswald. Übermannsgroß ist er schon geworden und steht prächtig da. Vor neun Jahren waren auf dem Standort hier die Rotbuchen, Douglasien, Weißtannen und Eschen neu angepflanzt worden. Denn nach einer zerstörerischen Naturkatastrophe war auf diesen 2,5 Hekar Wald nichts mehr wie zuvor: Der Sturm Kyrill hatte vor genau zehn Jahren im Spreewitzer Forstrevier Bäume entwurzelt und wie Streichhölzer umgeknickt.

An jene stürmische Nacht im Januar 2007 kann sich Thomas Kappert noch gut erinnern. Ohrenbetäubendes Tosen und Windböen mit bis zu 100 km/h und mehr prägten diese verhängnisvollen Stunden, die anderswo sogar Menschenleben forderten und bundesweit enorme wirtschaftliche Schäden hinterließen. "Dieser Sturm war unglaublich. So etwas hatten hier viele noch nie erlebt", erinnert sich Thomas Kappert zurück. Für den Forstmann kam am Tag nach der Nacht mit "Kyrill" die Stunde der Wahrheit: Ein erst zwei Jahre zuvor umgebautes Waldstück ganz in der Nähe der Ortschaft war komplett zerstört. Auch in den Wäldern von vielen privaten Forstbesitzern zwischen Spreewitz und Koblenz gab es teils erhebliche Schäden. Abgeknickte Baumkronen, entwurzelte Stämme, unpassierbare Wege.

Dass es gerade das Waldstück bei Burgneudorf so schlimm trifft, dafür sind die Gründe klar. Erst zwei Jahre zuvor war 2005 auf dem Standort mit dem Waldumbau begonnen worden. Der zuvor reine Kiefernwald wurde ausgelichtet und am Boden mit Laubbäumen nachbesetzt. Der Waldbestand im einstigen Flussbett der Spree steht auf geschütteter Erde. Die Wurzeln der Kiefern sind wegen des hohen Nährstoffgehaltes im Boden deshalb nicht sehr tief. "Der Sturm ist hier hineingefahren und hat die Bäume umgeworfen wie Kegel. Auch von den Laubbäumen am Boden war fast nichts mehr zu retten", so Revierförster Kappert.

Im gesamten Forstbezirk Oberlausitz sind nach Kyrill erhebliche Schäden zu verzeichnen. Mancherorts ist das Betreten des Waldes noch tagelang lebensgefährlich. Nach einer Woche gab es erste qualifizierte Schätzungen über das Ausmaß der Schäden im Forstbezirk: Deutlich mehr als 200 000 Festmeter Schadholz werden am Ende zu beklagen sein.

Nach dem ersten Schock war jedoch im Revier Spreewitz wie überall im Forstbezirk eines ganz wichtig: "Das Aufräumen musste jetzt schnell gehen", erläutert Thomas Kappert. Es musste dringend verhindert werden, dass das Totholz lange in den Wäldern verbleibt und die Baumschädlinge sich ungehindert ausbreiten können. "Da war auch viel Überzeugungsarbeit bei den privaten Waldbesitzern zu leisten", erinnert sich der Revierförster.

Ende Mai 2007 waren die größten Schäden beräumt, 2008 wurde dann neu aufgeforstet. Heute ist dieses Waldstück bei Burgneudorf ein vorbildhaftes Mischwaldareal, das künftig noch vielen Stürmen trotzen soll.

Zum Thema:
Das Orkantief Kyrill zog in der Nacht vom 18. zum 19. Januar 2007 über Europa hinweg. Allein im Landeswald des Staatsbetriebes Sachsenforst waren im Anschluss 1300 Hektar Kahlflächen mit über 1,8 Millionen Kubikmeter geworfenes, gebrochenes und zersplittertes Holz zu beklagen.Betroffen waren mehr als 23 000 private und körperschaftliche Waldbesitzer. Die Aufarbeitung des gesamten Sturmholzes im Freistaat Sachsen wurde im Januar 2008 vermeldet.Kyrill gab Anstoß, das Generationenprojekt Waldumbau noch konsequenter voranzubringen.