Von Uwe Menschner

Der trockene und heiße Sommer 2018 hat der sächsischen Fischereiwirtschaft extrem zugesetzt. Dies bestätigt jetzt auch die Sächsische Staatsregierung in ihrer Stellungnahme zu einem Antrag der Landtagsfraktionen von CDU und SPD unter dem Titel „Situation der Berufs- und Angelfischerei im Freistaat Sachsen.“ Darin fordern die Fraktionen noch keine konkreten Maßnahmen, sondern lediglich einen Bericht über die aktuelle Lage. Diesen gibt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU).

„Durch Wassermangel, andauernd hohe Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel war die Fischproduktion 2018 kaum noch oder gar nicht mehr möglich“, schätzt der Minister ein. „Für die Folgejahre werden somit voraussichtlich nicht ausreichend eigene Satzkarpfen zur Verfügung stehen, wodurch mit erhöhten Kosten für den Zukauf zu rechnen ist“, benennt er die Hauptkonsequenz. Der Hitzestress habe nicht nur zu vermindertem Wachstum der Fische geführt, sondern auch zu einem vermehrten Auftreten von Krankheiten, vor allem Koi-Herpes.

Erschwerend hinzu käme die Erhöhung der Bestände von Kormoran, Fischotter, Grau- und Silberreiher sowie Biber, die sich negativ auf den Fischbesatz auswirkten. „Die Summe der Schäden hat insbesondere in der Karpfenteichwirtschaft kontinuierlich zugenommen“, so Thomas Schmidt. „Auch dadurch hat sich die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe verschlechtert, sodass vielfach die Hofnachfolge nicht mehr gesichert werden kann.“ In Sachsen stehen nach seinen Angaben im Förderzeitraum 2014 bis 2020 19 Millionen Euro aus verschiedenen Fördertöpfen von Bund und Land für die Unterstützung der Fischereiwirtschaft zur Verfügung. 32 Prozent davon seien bereits ausgezahlt, 76 Prozent fest gebunden.

Hinsichtlich der tierischen Fischräuber sieht der Umwelt- und Landwirtschaftsminister hauptsächlich den Kormoran als problematisch an. Seit Mitte der 1990er-Jahre habe sich der Bestand je nach Zählung verdoppelt bis verdreifacht. „Von den fischfressenden Arten hat der Kormoran den größten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit, da er praktisch flächendeckend vorkommt“, so Thomas Schmidt. Nach der Sächsischen Kormoranverordnung sei der Abschuss ganzjährig in einem Umkreis von 200 Metern um Teiche und Fließgewässer möglich. In der Brutzeit vom 1. April bis 15. August bedürfe es dafür allerdings einer Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde. Ebenfalls möglich seien Maßnahmen zur Verhinderung von Brutkolonien, allerdings nur außerhalb der Brutzeit. Der Abschuss von Graureihern rund um Gewässer ist möglich, unterliegt aber einer Quote. Silberreiher dürfen nicht geschossen werden, allerdings gibt es hier auch noch keine Brutnachweise, was sich laut Einschätzung des Ministers jedoch bald ändern dürfte. Die Zahl der rastenden Vögel steige jedenfalls an. Biber und Fischotter sind EU-weit streng geschützt, auch wenn sie sich in Deutschland in einem „günstigen Erhaltungszustand befinden“.

Einen wichtigen Faktor, um die Fischereiwirtschaft trotz aller Widrigkeiten am Leben zu erhalten, stellt für den sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister die Ausbildung an der Sächsischen Fischereischule Königswartha dar. Sie ist eine von nur drei entsprechenden Berufsschulen in Deutschland und eine von zwei (neben Starnberg/Bayern), die auch die Fortbildung zum Fischwirtschaftsmeister anbieten. Die Zahl der Auszubildenden sei vor etwa zehn Jahren zurückgegangen, habe sich aber seitdem auf einem „niedrigen Niveau“ von 15 bis 20 pro Jahr stabilisiert. „Die Branche bildet unter Bedarf aus“, resümiert Thomas Schmidt. „Zur Qualitätssicherung der Fischwirtausbildung ist aktuell ein Planungsauftrag für eine große Baumaßnahme an der Fischereischule Königswartha erteilt worden. Damit soll die Attraktivität der Fischwirtausbildung erhöht werden.“

Wie geht es jetzt weiter? Laut den Pressesprechern der CDU- und der SPD-Fraktion, Christian Fischer und Petra Strutz, gibt es am 21. Juni eine Sachverständigenanhörung im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft. „Danach muss der Antrag im Plenum behandelt werden. Der nächste mögliche Termin ist in der ersten Juli-Woche. Sollte der Antrag dort nicht auf die Tagesordnung kommen, muss er in der neuen Legislatur im Landtag behandelt werden.“