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Nach dem "Blitzeinschlag" wieder mitten im Leben

Die Gespräche zum Schlaganfall sind in Senftenberg in jedem Jahr gut besucht.
Die Gespräche zum Schlaganfall sind in Senftenberg in jedem Jahr gut besucht. FOTO: Rasche/Klinikum
Senftenberg. Der 3. Lausitzer Schlaganfalltag beinhaltet auch die 19. Senftenberger Gespräche zum Schlaganfall. Diese werden in jährlichem Abstand von der Stroke Unit der Klinikum Niederlausitz GmbH und der Medizinischen Informatik der BTU Cottbus-Senftenberg organisiert. Am kommenden Sonnabend ist es wieder soweit. red/mf

Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland nach einem Schlaganfall. Wer den Hirninfarkt überlebt, kann Behinderungen davontragen oder bei schneller Hilfe bald wieder gesund werden. Erkennung, Alarmierung, Rettung und Frühintervention sind für Prof. Dr. Fritjof Reinhardt, Ärztlicher Leiter der Stroke Unit am Klinikum Niederlausitz in Senftenberg, die Lösungsworte. Deswegen wünscht er sehr, dass den Schlaganfalltag besonders jene besuchen, die sich bestens fühlen. "Die Leute sollen kommen, wenn es ihnen gut geht", sagt der Mediziner, damit sie weiter unbeschwert leben können.

Soweit hatte auch der freischaffende Künstler Karl K. (Name geändert) nicht gedacht, weiß der Professor aus seinem Patientenalltag. Der 63-jährige Mann war noch voller Tatendrang, als es ihn hart erwischt hatte. Er erzählt seine Nachwendegeschichte: "Ich wollte alles sehen, begreifen, nachholen, was ich versäumt hatte. Ich war weggezogen, wie so viele. Dann lebte ich in meiner Arbeit. Jahre später kehrte ich zurück. Ich blieb an der Tür stehen und blickte auf die alten Bäume im Garten. Ich genieße die Stadt, das Leben, den Sonnenschein. Aber ich brauchte Ferien.

Das Sonnenlicht drang schließlich zu einer gelben Dämmerung gefiltert ins Zimmer. Plötzlich umfing mich eine ungeheure Helle. Ich lag unter dem Himmel und doch in einem Bett. Ich fiel hinein in die Augen eines anderen Menschen, der mich beobachtete und sonderbar schien. Was ich sprach, war etwas anderes, als ich sagen wollte. Und dann war immer wieder alles ganz fern. Irgendwo dazwischen, zwischen Herzrasen und -stolpern, waren der Rettungsdienst, das Krankenhaus."

Heute ist der Mann wieder mitten im Strudel des Lebens. 14-Stunden-Arbeitstag. Er sagt: "Ihr müsst das schreiben. Die Leute müssen wissen, was immer noch geht, wenn alles Vorbeugen unterblieb. Ich hatte Herzrhythmusstörungen. Heute weiß ich: Nahezu die Hälfte aller Schlaganfälle hat diesen Ursprung. Nach einigen Monaten traf auch mich prompt der Schlag. Drei Stunden später war das Blutgerinnsel aufgelöst, das ihn verursacht hatte. Dazwischen überschlug sich das Herz ganz akut und wurde wieder eingefangen." Karl K. ist dankbar, so Prof. Reinhardt, dass auch das Klinikum Niederlausitz eine moderne interdisziplinäre Schlaganfallbehandlung besitzt.

Zum Thema:
Der 3. Lausitzer Schlaganfalltag findet am 8. März auf dem BTU-Campus in Senftenberg statt. Tagungsort ist das Konrad-Zuse-Medienzentrum, Großenhainer Straße 57. Von 9 bis 15 Uhr werden Vorträge gehalten, auch für jedermann; ab 15 Uhr Bürgerforum zum Schlaganfall mit anschließender Führung durch den Laborneubau Physiotherapie und Medizintechnik.Der Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Zur Prävention gehören ein normaler Blutdruck, Nikotinverzicht, gute Blutzuckerwerte, Bewegung, ein normales Körpergewicht und gesunde Ernährung.