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„Mutti – ich will leben“

Seit wenigen Tagen befindet sich erneut eine Gruppe von 24 diabeteskranken Tschernobylkindern auf Einladung des Tschernobylvereins in Kamenz. Die Leiterin der Gruppe, Ludmilla Maruschkewitsch, berichtet über das Programm:

Das schöne Kamenz - wieder sind wir da, im gemütlichen „Pfiffikus“ , froh und grenzenlos dankbar allen unseren Freunden von der Initiative Kinder von Tschernobyl.
Am 26. April 1986 hat die ganze Welt das Wort „Belarus“ gehört. Der Grund dazu waren winzige Jod-Stronzium-Cäsiumteilchen, die infolge einer schrecklichen Explosion im Kernkraftwerk in Tschernobyl eine riesige Naturkatastrophe heraufbeschwört haben.
17 Jahre sind vorbei. Viele Menschen haben diese Tragödie schon vergessen und denken, dass alles in Ordnung ist. Leider stimmt das bei weitem nicht. Gut, vieles sieht heute ganz anders aus: Im Wald rascheln mit ihrem Laub große und kräftige Bäume, im Garten wachsen alle Pflanzen so üppig wie nie vorher, man könnte schon das alles genießen, aber - hier gibt es keine Leute, hier ertönt keine lustige Kinderstimme, hier können Sie Ewigkeit und den Hauch von Tod spüren.
Jetzt lauern auf die Belorussen auf jedem Schritt und Tritt Krankheiten. Nur sieben Prozent der Säuglinge kommen gesund zur Welt. Krebsfälle bei den Kindern versetzen heute fast niemanden mehr in Schock. Das Immunsystem aller Kinder ist durch die unumkehrbaren Veränderungen der Umwelt infolge der Tschernobylkatastrophe spürbar geschädigt. Die Zahl der Zuckerkranken ist nach dem 26. April 1986 im allgemeinen auf das Zweifache, in der Tschernobylzone auf das Drei-, sogar Vierfache gestiegen.
In unserer Gruppe gibt es 24 Kinder unter 12 Jahren, die aus verschiedenen Regionen von Belarus kommen und das sind auch Tschernobylkinder. Einige von ihnen haben fast achtjährige Diabetes-Erfahrung. In Belarus haben diese Kinder keine Möglichkeit, sich gemeinsam mit ihren Altersgenossen zu erholen. Alle Ferienlager sind für sie geschlossen, aus dem einzigen Grund: sie sind Diabetiker. Unser Land zählt solche Kinder zu den Invaliden, Behinderten. Sie bekommen nicht einmal einen Teststreifen pro Tag - der Staat kann sie kostenlos nur mit 0,75 Teststreifen pro Tag versorgen, während der Blutzuckerspiegel täglich wenigstens 6-maliger Kontrolle bedarf !
Vor 15 Jahren wurde in Minsk die Belorussische Gemeinnützige Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“ ins Leben gerufen. Die Initiative „Kinder von Tschernobyl“ Kamenz arbeitet schon seit 13 Jahren in einem Gespann mit unserer Stiftung und hilft den Kindern aus dem Kreis Buda-Koschelewo.
Zum Glück hat eine echte Barmherzigkeit keine Grenzen: 1996 öffneten die wunderbaren Menschen aus dem Kreis Kamenz ihre Herzen auch für die belorussischen zuckerkranken Kinder. Wie stark funkeln die Augen dieser Kinder nach der Erholung und dem Lernen in Kamenz ! Man irrt sich nicht - Lernen, denn sie haben täglich Unterricht, wo man sie mit Diabetes leben lehrt: Wie und wo spritzt man Insulin richtig ein, wie berechnet man diese "bedrohlichen" BE, was soll man damit anfangen usw. Die Eltern aller dieser Kinder und alle Kinder sind ihnen grenzenlos dankbar für ihre Geduld und Liebe.
Nach 4 Wochen kommen die Kinde nach Hause, aber ihr ganzes Leben lang werden sie sich bestimmt an die unvergesslichen Reisen erinnern, die hier für sie organisiert werden.
Die wichtigste Einschätzung und Anerkennung Ihrer Hilfe sind wohl die Worte eines Mädchens, die seine Mutter an mich geschrieben hat. Nach dem Aufenthalt in Kamenz sagte das Kind: „Mutti - ich will leben.“

Spendenkonto: Wer das Programm „Leben mit Diabetes“ des Kamenzer Tschernobylvereins durch eine Spende unterstützen möchten, der kann seinen Beitrag auf das Spendenkonto 30000 50000 bei der Sparkasse Elbtal-Westlausitz, BLZ 85550500 mit dem Kennwort „Diabetikerkinder“ überweisen.