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| 16:03 Uhr

Muskauer Park
Der Park ist ein Ort, der verbindet

Manche Sichtachse, die sich die Natur zurückerobert hatte, konnte durch die handfeste deutsch-polnische Zusammenarbeit wieder geöffnet werden und lädt heute, wie hier von der Prinzen- zur Doppelbrücke, dazu ein, den Blick schweifen zu lassen.
Manche Sichtachse, die sich die Natur zurückerobert hatte, konnte durch die handfeste deutsch-polnische Zusammenarbeit wieder geöffnet werden und lädt heute, wie hier von der Prinzen- zur Doppelbrücke, dazu ein, den Blick schweifen zu lassen. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. In Bad Muskau und Leknica wird mit „20 Jahre Arbeiten und Lernen über Grenzen“ ein Erfolgsprojekt gefeiert. Von Christian Köhler

„Erinnern Sie sich noch“, fragt Józef Tarniowy vom polnischen Arbeitsamt in Zary die Gäste im Neuen Schloss Bad Muskau, „was 1998 in der Grenzregion los war und wie der Muskauer Park ausgesehen hat.“ Firmen sind insolvent gegangen, die Arbeitslosigkeit lag bei 30 Prozent und die Jugend hat in großen Abwanderungswellen die Region beiderseits der Neiße verlassen. Heute, 20 Jahre später, hat der Muskauer Park das Unesco-Siegel, die Arbeitslosigkeit ist extrem gesunken. Einen Anteil daran, da sind sich in der Parkstadt und weit darüber hinaus alle einig, hat die deutsch-polnische Initiative „Arbeiten und Lernen über Grenzen“. Parkdirektor Cord Panning erinnert sich: „Im Sommer 1997, ich war noch nicht lange im Amt, da sind zwei Männer von den Arbeitsämtern aus Zary und Weißwasser bei mir gewesen. Beide haben gesagt, sie fahren nach Warschau und wollen dort ein Projekt ankurbeln.“ Ungläubig sei er zurückgeblieben, habe nicht geglaubt, von dem Projekt jemals wieder etwas zu hören. „Doch ich hatte mich, bloß gut, geirrt.“ Am 1. Oktober 1998 startete eine Maßnahme im Park, die noch heute Bestand hat. Neben der Schaffung neuer Arbeitsplätze sollten Grundkenntnisse im Garten- und Landschaftsbau im deutschen und polnischen Parkteil vermittelt werden. So zu sagen „ganz nebenbei“ haben bis heute 562 Jugendliche, wie Józef Tarniowy berichtet, im Park gearbeitet und ihn mit zu dem gemacht, was er ist: Ein Ort, der Grenzen beseitigt und verbindet. Insgesamt sind allein über das Projekt mehr als drei Millionen Zloty auf polnischer und 1,2 Millionen Euro auf deutscher Seite in den  Park geflossen. „Das ist eine ganz tolle Geschichte, das kann man gar nicht oft genug sagen“, bestätigt Panning. Zig Wege wurden angelegt, Sichtachsen im Park – vor allem auf polnischer Seite – wiederhergestellt. Der Parkdirektor hofft, dass die Initiative weiter fortbesteht, „denn wie sollen wir sonst den Park erhalten?“

„Ich kenne das Projekt von Anfang an“, sagt Torsten Angermann vom Jobcenter des Kreises. Damals war er Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt, hat sich intensiv mit der deutsch-polnischen Maßnahme beschäftigt. „Es ging damals wie heute auch um Wertschätzung für die Jugendlichen, die eine Arbeit gesucht und nichts gefunden haben“, so Angermann. Und dabei in einem Weltkulturerbe zu arbeiten, sei längst nicht selbstverständlich. Und gleichzeitig haben sich Jugendliche aus zwei verschiedenen Ländern kennengelernt, dabei ihre Sprache und Kultur erlernt. „Wir sind uns über die Bedeutung des Projektes im Kreis bewusst und sagen: Wir setzen die Maßnahme auch 2019 fort“, erklärt Torsten Angermann.

Während auf polnischer Seite Józef Tarniowy als Vater des Projektes zählt, ist es auf deutscher Seite Roland Richter. „Ich weiß gar nicht, was ich alles erzählen soll“, beginnt der ehemalige Leiter der Geschäftsstelle des Arbeitsamtes in Weißwasser, sich an die angereisten ehemaligen Teilnehmer und Politiker zu richten. Er erinnert sich noch, mit was für Problemen die beiden Ämter seinerzeit zu kämpfen hatten, den Polen gehörte 1998 noch nicht zur EU. Allein die Arbeitsgeräte jeden Tag in den polnischen Parkteil zu schaffen, war ein Mammutprojekt bei dem Grenzverkehr. Dass die Maßnahme bis heute Bestand hat, Vorbildfunktion für kulturellen Austausch und Arbeitsbeschaffungen hat, freue ihn.

Einer der Teilnehmer, der damals  durch das Projekt in den Park kam, hat diesen nicht mehr losgelassen: Bernd Witzmann ist heute Parkmeister in Bad Muskau und arbeitet für die Stiftung Fürst-Pückler-Park. „Ich erinnere mich noch gut an Bernd“, sagt Barbara Iwlew. Sie ist Leiterin der Außenstelle des Nationalen Instituts für das kulturelle Erbe (NID) in Leknica – und das seit mehr als 20 Jahren.

„Das Parlament der Woiwodschaft Lebus hat mich beauftragt, sie heute mit der Ehrenurkunde der Woiwodschaft auszuzeichnen“, sagt der Politiker Czeslaw Fiedorowicz. Er ist auch Vorsitzender der Euro-Region Spree-Neiße-Bober und ist jedes Mal begeistert, wenn er in Leknica ist, was sich alles im Park getan hat. „Dafür verdienen alle Verantwortlichen den größten Respekt“, sagt er.

Unterdessen dankt auch Roland Richter den Projektpartnern, die damals wie heute bei der grenzübergreifenden Maßnahme mitwirken. Eine davon ist die Ausbildungsgesellschaft Rodig in Weißwasser, die von Anfang die Qualifizierung der Teilnehmer übernahm. „Seit 2008 sind wir auch im Park aktiv“, sagt Geschäftsführerin Roswitha Rodig. Dass die Maßnahme nun weitergeführt wird, freut sich nicht nur sie, sondern alle in Bad Muskau und Leknica.

Barbara Jwlew und Bernd Witzmann enthüllen die Gedenktafel zu 20 Jahre deutsch-polnische Initiative "Arbeiten und Lernen über Grenzen" auf der Jeanetteninsel.
Barbara Jwlew und Bernd Witzmann enthüllen die Gedenktafel zu 20 Jahre deutsch-polnische Initiative "Arbeiten und Lernen über Grenzen" auf der Jeanetteninsel. FOTO: LR / Christian Köhler