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Musik zwischen Skulpturen

Die Vielharmoniker übernahmen des musikalischen Part, während Angret Gläsel die Verbindung zur Kunst von Jürgen von Woyski herstellte, die die Musiker einrahmte.
Die Vielharmoniker übernahmen des musikalischen Part, während Angret Gläsel die Verbindung zur Kunst von Jürgen von Woyski herstellte, die die Musiker einrahmte. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Hoyerswerda. Leben und Schaffen des Kunstgestalters Jürgen von Woyski standen im Mittelpunkt des zweiten Programmpunktes der 50. Musikfesttage Hoyerswerda. An einem unterhaltsamen Abend kamen die Verwicklungen von {OElig}uvre und Stadt und Welt etwas kurz. Mandy Decker / mdr1

Es war zweifellos ein lebendiger Vortrag, mit dem Angret Gläsel, Vorstandsvorsitzende der Jürgen-von-Woyski-Stiftung die knapp 50 Gäste am Dienstagabend an die Kunst des Herrn von Woyski heranführte. Gläsel erläuterte Werke und Standorte, vermittelte mit kleinen Anekdoten aus dem wertvollen Wissensschatz einer Zeitgenossin einen Eindruck vom Menschen hinter dem Bildhauer, Grafiker und Maler und erläuterte den Umgang mit seinem Vermächtnis.

Exemplarisch beschrieb Angret Gläsel "Die Liebenden" , das "Fischerpaar" und den "Osterreiter" als Skulpturen, die durch eine typische Schlichtheit und Vitalität das wahre Wesen der abgebildeten Menschen erfassen. Es sei ein langer Weg zum Werk, beschrieb Angret Gläsel den Schaffensprozess. Es zeige sich auch dem Künstler selbst erst ganz am Schluss, ob er seine Idee habe umsetzen können und ob sich dieser Inhalt dem Betrachter auch erschließt. Woyski sei das in jedem Fall gelungen, findet Angret Gläsel.

Und Hoyerswerda bemühe sich auch heute noch vorbildlich um seinen Nachlass. Den Skulpturenpark im Stadtzentrum, der just an die Stelle gesetzt wurde, an der zu Beginn des Rückbaus der Stadt das erste Hochhaus fiel, nennt Angret Gläsel einen kulturellen Höhepunkt von Hoyerswerda.

Woyski kam in die Stadt, als ihr Aufbruch einsetzte. Seine Plastiken markieren heute den Ort, an dem die Kraft der geplanten Metropole zu schrumpfen begann, als auch die Kraft des Jürgen von Woyski nachließ. Inspiration ist der im Jahr 2000 mit 71 Jahren in Dresden verstorbene Bildhauer für die Menschen seiner Stadt aber bis heute. So ließen die "Vielharmoniker" sich ihr Programm von den drei ausgestellten Skulpturen eingeben.

Die Plastik "Die Liebenden" hüllte das Ensemble in die Klänge des bekannten Sinatra-Songs "Sayin' Something Stupid". Außerdem gaben die fünf Blechbläser dem Sandstein-Paar die peruanische Volksweise "El condor pasa" und das "Ännchen von Tharau" mit. Der "Osterreiter" inspiriert die Musiker zur Interpretation der sorbischen Weisen "Komm am Abend gern zu uns", "Blaue Berge" und "Liebeslied an die Heimat", letztere beide erdichtet vom Lohsaer Pfarrer Handrij Zejler. Den dritten Block widmeten die "Vielharmoniker" der Woyski-Skulptur "Fischerpaar". Sie spielten Variationen der "Loreley", ein getragenes Klagelied über das Schicksal der Wolga-Schlepper und den Rod-Stewart-Klassiker "I am Sailing".

So gelang am Ende ein spiritueller Bogen, vielleicht hinüber zu Woyskis "Vogelflug", vielleicht auch einfach über alle Tellerränder hinaus. Sicher machten seine Werke den Künstler über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Unstreitbar aber trug Jürgen von Woyski seine Stadt Hoyerswerda weit über ihre Grenzen hinaus. Eine etwas tiefgründigere Suche nach den universalen Wechselwirkungen von Ideen, Welt und Zeit des Jürgen von Woyski hätten dem Zusammenspiel von Kunstbetrachtung und Musik allerdings gut getan.