Von Rita Seyfert

Die jüngste Sängerin vom Bürgerchor Hoyerswerda ist 15, die älteste über 80 Jahre alt. Was sie eint, ist die Liebe zu Gerhard Gundermann. Die meisten von ihnen kennen „Gundi“ noch persönlich. Sogar seine ehemalige Lehrerin singt mit.

Gundis Erbe weitertragen, das haben sich die Männer und Frauen vom Bürgerchor Hoyerswerda unter Leitung von Chorleiter Andre Bischof (57) auf die Fahnen geschrieben. Und auf dieser Mission steigen sie am kommenden Donnerstag in den Bus Richtung Schwarzwald. Ihre Konzertreise vom 24. bis 27. Oktober führt die Sänger nach Freiburg und zum Kaiserstuhl.

Damit folgt der Bürgerchor einer Einladung vom Schwarzwälder „O-Ton Chor Bahlingen“. Dessen Leiter Florian Bischof (29), also An­dre Bischofs Sohn, wurde bereits als Achtjähriger vom Gundi-Virus infiziert. Sein Vater musizierte damals mit Gundis Band, der „Brigade Feuerstein“, und nahm seinen Jungen zu den Proben mit.

Heute, etwa 20 Jahre später, trat Florian Bischof längst in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Chorleiter von Beruf. Inzwischen fern der Heimat, nahm er Gundermanns Lieder in sein Repertoire auf. Spätestens seit Dresens Gundermann-Film betrat der regionale Geheimtipp „Gundi“ auch die Bühnen im Westen.

Sie teilen aber nicht nur ihre Gundi-Passion. Unterdessen kooperiert das Vater-Sohn-Duo auch miteinander. Zuerst stattete Florian Bischof während zweier Konzertreisen nach Dresden auch Hoyerswerda einen Besuch ab und trat hier mit seiner Chor auf. „Einmal zum 25. Jubiläum in der Musikschule im vergangenen Jahr, und davor 2017 in der Krabatmühle“, erinnert sich Andre Bischof. Und nun ist er mit seinem Bürgerchor in den Schwarzwald eingeladen. Natürlich stehe auch wieder Gundermann im Fokus. Ihn näher bringen, so das erklärte Ziel. Und dies nicht einfach nur mit einem Konzert, sondern einem Filmkonzert. Der Dokumentarfilm „Ende der Eisenzeit“ von Richard Engel soll am Freitag, 25. Oktober in der Freiburger Wodan-Halle im Wechsel mit Gundermanns Liedern gezeigt werden.

„Am Anfang, zwischendurch und am Ende singt der Chor“, erklärt Andre Bischof. Das Interesse in Freiburg sei groß. „Wir rechnen mit 500 Zuschauern.“ Am Sonnabend, 26. Oktober, sei ein zweites Konzert in Balingen im Kaiserstuhl geplant.

Angefangen hat alles vor fünf Jahren. Andre Bischof, Leiter der Kunst- und Musikschule Hoyerswerda, wollte zum 60. Geburtstag von Gerhard Gundermann ein Konzert in der Kufa veranstalten. „Wir hatten ursprünglich mit 20 Leuten gerechnet“, erzählt er. Doch dreimal so viele standen auf einmal vor ihm. „Da war ich erst einmal baff.“

Für ihn als Chorleiter sei es natürlich eine mittelschwere Herausforderung, so viele Stimmen in ein harmonisches Klangbild zu bringen. Doch jeder, der singen will, der kann auch singen, davon ist er überzeugt. Klar, dass bei dieser Devise auch Amateursänger Mut schöpften. Inzwischen wuchs die Sängerschaft auf 80 Leute an.

60 davon fahren mit. Eine von ihnen ist Marie-Luise Feller (82) aus Hoyerswerda. „Die anderen sagen immer, das sie gar nicht singen können, aber dass ist Quatsch, jeder kann singen“, ist sie überzeugt. Beim Bürgerchor ist sie von Anfang an dabei. „Ich habe vor fünf Jahren die Annonce in der Zeitung gelesen und wusste gleich: Das ist es“, sagt sie. Ein Leben ohne den Chor könne sie sich inzwischen gar nicht mehr vorstellen. Und auch auf die Konzertreise freue sie sich schon, erzählt sie bei der Generalprobe in der Kufa-Halle.

Seit September bereitet Chorleiter Andre Bischof seinen Bürgerchor auf den Auftritt im Schwarzwald vor.  Bei der dreistündigen Probe am Montag arbeitete er nochmal intensiv an der Festigkeit der Stimmen. „Wir haben ein Lied, das haben wir erst neu einstudiert“, sagt er. Vor allem die Textsicherheit sei elementar. „Wir singen alles auswendig.“ Viele der insgesamt 20 Gundermann-Songs kennen die Sänger aber ohnehin schon aus dem Effeff.

Mindestens genauso wichtig wie der Text sei die Intonation. „Nichts darf schief klingen.“ Ob Sopran, Alt, Tenor oder Bass, alle Sänger untereinander, aber auch jede einzelne Stimmgruppe müsse sich auf die anderen einstellen, damit der vierstimmige Chor am Ende harmonisch klingt. Ansonsten helfe nur das Ölen der Stimme. „Am besten viel Wasser trinken“, so Bischof. Das halte die Stimmbänder und Lippen geschmeidig.