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| 02:42 Uhr

Musik gegen Vorurteile

Diese Band macht am Sonntag die Musik beim "Kulturenmosaik". Die Proben fanden im Bandprobenraum des Bürgerzentrums statt.
Diese Band macht am Sonntag die Musik beim "Kulturenmosaik". Die Proben fanden im Bandprobenraum des Bürgerzentrums statt. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Wie passen die Annemarie-Polka, Tänze aus dem Iran, Michel Jacksons "Wie are the world" und ein Lied von Heinz Rudolf Kunze eigentlich zusammen? "Sehr gut", finden jedenfalls die 23 Jugendlichen, die seit einer Woche im Bürgerzentrum Braugasse 1 ein musikalisches "Kulturenmosaik" einstudieren. Denn genauso unterschiedlich wie diese Musik sind auch die Elf- bis 18-Jährigen, die das alles am Sonntag in einem öffentlichen Bühnenprogramm aufführen werden. Katrin Demczenko / dcz1

Die Jungen und Mädchen besuchen verschiedene Hoyerswerdaer Schulen und stammen, noch wichtiger, aus Afghanistan, Eritrea, Äthiopien, Nigeria und Deutschland. "Jeder bringt aus seiner Heimat und seiner Kultur etwas ein und am Ende kennen wir uns alle besser", sagt Thomas Mertin, der das Projekt leitet. Er erklärt, dass die Teilnehmer aus ihren Gedanken heraus Spielszenen entwickeln und umsetzen, die den Alltag in den Herkunftsländern, die Flucht und das Leben im Asylland beleuchten. Dieses Schicksal hatten auch viele Menschen im Zweiten Weltkrieg - und damals wie heute ist die Missachtung der Menschenrechte die Ursache für Flucht und Vertreibung, sagt Thomas Mertin. Das Projekt wird aus einem Förderprogramm "Kultur macht stark - Bündnisse für Bildung" finanziert.

Deshalb zeigen die Annemarie-Polka ebenso wie persische, englische und deutsche Lieder zwar die Unterschiede zwischen den Völkern, aber auch ihren gemeinsamen großen Wunsch nach Frieden. Salomé Petzer aus dem Beruflichen Schulzentrum "Konrad Zuse" entwirft zum Beispiel die Tanzchoreografien und übt sie mit den Schülern ein. Sie nutzt dabei ihre im Tanzsportcenter Hoyerswerda erworbenen Kenntnisse. Den persischen Tanz, der jetzt erarbeitet wird, hat Asita Ahmadi im Internet gefunden. Die Afghanin ist mit ihrer Familie seit etwas über einem Jahr in Deutschland und lernt in der Oberschule "Am Planetarium". Das Musikprojekt gebe ihr die Möglichkeit, sich auf einer Bühne auszuprobieren. In Afghanistan wäre das unter den Taliban niemals möglich, schon gar nicht für Mädchen, sagt Asita. "Wir durften das Haus nicht verlassen."

Die 17-Jährige hat mit ihren Geschwistern, die diese Ferienwoche auch im Bürgerzentrum verbringen, den deutschen und afrikanischen Projekteilnehmern die Aussprache des englisch-persischen Liedes "We are one" beigebracht. Der Musiklehrer Thomas Mertin übt den Titel mit allen Jugendlichen ebenso ein wie Michael Jacksons "We are the world" und Nicoles Grand Prix-Siegertitel "Ein bisschen Frieden" von 1982. Sehr besonders wird es bei Heinz Rudol Kunzes Lied "Aller Herren Länder": Dafür erarbeitet die Projektband - bestehend aus einem Blockflötisten, einem Pianisten, dem Cajonspieler, dem Gitarristen und dem Spieler der Bass-Ukulele gerade eine Begleitung. Lorenz Petzer vom Lessinggymnasium spielt Gitarre. Der Neuntklässler macht bei dem Projekt mit, weil er mehr über die Flüchtlinge erfahren will. Der 12-jährige Oberschüler Benjamin Wabnitz mit der Bass-Ukulele findet: "Wir sind alle gleich und wollen was erleben." Das können die Jugendlichen bei der Erarbeitung des Bühnenprogramms "Kulturenmosaik" ja auf jeden Fall.

Programm "Kulturenmosaik": Sonntag, 19. Februar, 15 Uhr, Bürgerzentrum Braugasse 1 in Hoyerswerda