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Museum in Hoywoys Bahnhof geplant

Vor-Ort-Stippvisite im Bahnhofsgebäude: Auf Einladung von MdL Frank Hirche (l.) lassen sich Minister Fritz Jaeckel (2.v.l.), CDU-Bundestagskandidat Roland Ermer und die scheidende Abgeordnete Maria Michalk (r.) von Architekt und Miteigentümer Thomas Gröbe (M.) die Pläne erklären.
Vor-Ort-Stippvisite im Bahnhofsgebäude: Auf Einladung von MdL Frank Hirche (l.) lassen sich Minister Fritz Jaeckel (2.v.l.), CDU-Bundestagskandidat Roland Ermer und die scheidende Abgeordnete Maria Michalk (r.) von Architekt und Miteigentümer Thomas Gröbe (M.) die Pläne erklären. FOTO: cw
Hoyerswerda. Für das zuvor viele Jahre leerstehende Bahnhofsgebäude von Hoyerswerda gibt es eine neue Vision: Im Dachgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes soll künftig ein Museum etabliert werden. Das hat die dreiköpfige private Interessengemeinschaft, die das Gebäude vor rund zweieinhalb Jahren von der Deutschen Bahn erworben hat, jetzt öffentlich gemacht. Catrin Würz

Das bereits verfolgte Konzept eines "Gesundheitsbahnhofs" mit Büro- und Praxisflächen für Anbieter aus dem Bereich Gesundheit und Medizin soll auf weiteren Flächen im Obergeschoss beibehalten werden.

Überraschend geräumig sind die Flächen unterm Dach des historischen Bahnhofsgebäudes in Hoyerswerdas Altstadt. Doch die veraltete Bausubstanz verrät: Hier muss richtig investiert werden. Entstehen solle am Ende ein ganz besonderes Museum: "Wir wollen hier einen Ort schaffen, an dem sich vor allem junge Menschen über die Schwerpunkte Flucht, Vertreibung und Spätaussiedlung informieren können", erklärt Frank Hirche als Sprecher des kleinen Eigentümer-Konsortiums. Die neuesten Museumspläne wurden gestern dem Dresdner Staatsminister und Staatskanzleichef Fritz Jaeckel vorgestellt, der sich im Raum Hoyerswerda auf Sommer-Infotour befand. Der Minister lobte denn auch die Initiative für die Wiederbelebung des Bahnhofs im Allgemeinen und für die Hinwendung zum Thema "Flucht und Vertreibung" im Besonderen. "Ich halte das für sehr klug, zu diesem Thema ein Museum mit überregionalem Anspruch zu schaffen.", so Jaeckel.

Der überregionale Anspruch ist auch Frank Hirche ganz wichtig. Als Vorsitzender des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen ist der CDU-Landtagsabgeordnete auf diesem Gebiet schon lange engagiert. Ihm schwebt vor, dass einmal Schülerklassen aus ganz Deutschland dieses Museum besuchen. Für das Thema gäbe es in der Region ja auch noch andere Anlaufpunkte. Mit der Museumsbaracke im einstigen Vertriebenenlager "Elsterhorst" bei Nardt und mit dem Förderverein für das Beiboot der "Wilhelm Gustloff", das am Geierswalder See im Wasser liegt, könne man gemeinsam ein einzigartiges Angebot schaffen. Das Museum wolle neueste museale Möglichkeiten, beispielsweise digitale Medien und Virtual Reality-Darstellungen nutzen. Ein hochmoderner Ansatz zum Thema Flucht - einem Thema, das ja auch heute wieder hochbrisant ist. Wie Hirche bestätigt, arbeitet eine Museumsexpertin aus Polen bereits an einem Konzept.

Trotz der neuen Visionen hält die Interessengruppe Bahnhofsgebäude weiter an ihrem bisherigen Konzept für gewerbliche Nutzungen im Bahnhof fest. Bereits seit Ostern hat ein Frisörsalon in dem Gebäude geöffnet. Filialchefin Petra Vogt leitet den kleinen Zwei-Mann-Salon und freut sich, dass eine ganze Reihe Stammkunden vom bisherigen Standort im WK VIII "mitgezogen" sind, aber auch schon neue Kunden aus der Altstadt gewonnen wurden. Während der Geschäftszeiten des Frisörs ist die alte Bahnhofshalle nun wieder für Reisende geöffnet - zum Unterstellen und Warten. "Ein Effekt, der ganz wichtig ist", sagt Thomas Gröbe, Architekt und Miteigentümer. Im Erdgeschoss soll später noch ein Bahnhofsshop eröffnen, der Reisebedarf, Backwaren und Imbiss anbietet. Im mittleren Geschoss sollen Büro- und Praxisflächen für Gesundheitsanbieter ausgebaut werden. Aber dafür sei ein Fahrstuhl in dem Gebäude dringend nötig, weil die engen Jugendstil-Treppenhäuser unter Denkmalschutz stehen und damit nicht verändert werden dürfen. Mit dem Fahrstuhl steht und fällt also das Konzept.

Für Finanzierung, Genehmigung und Fördermittelbeantragung hat das Eigentümer-Konsortium inzwischen alles Nötige in die Wege geleitet. Ein langwieriger Prozess, der nach außen hin den Eindruck vermittelt, es gehe nicht voran. Doch Thomas Gröbe sagt: "Wir sind gut auf dem Weg. Jetzt besteht auch noch die Möglichkeit, Fördermittel aus der Städtebauförderung zu beantragen." Die Stadt habe den Bahnhof nachträglich in ihr Fördergebiet aufgenommen, damit das historische Gebäude wieder belebt werden kann.