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Industriemuseum
Was Bandweber und Brikettmacher verbindet

Die Vorsitzende des Zweckverbandes Sächsische Industriemuseen, Barbara Ludwig, zeigte sich beeindruckt von der Großröhrsdorfer Ausstellung. Der Vorsitzende des Fördervereins, Bernd Hartmann, bringt jede der Maschinen im Museum der Bandweberei mühelos zum Laufen.
Die Vorsitzende des Zweckverbandes Sächsische Industriemuseen, Barbara Ludwig, zeigte sich beeindruckt von der Großröhrsdorfer Ausstellung. Der Vorsitzende des Fördervereins, Bernd Hartmann, bringt jede der Maschinen im Museum der Bandweberei mühelos zum Laufen. FOTO: Uwe Menschner
Großröhrsdorf. Ein Museum in Großröhrsdorf besteht in diesem Jahr 20 Jahre. Das erste Geburtstagsgeschenk überbrachte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin. Von Uwe Menschner

Die Bandweberei gehört zum Rödertal wie die Pfefferkuchen zum nahe gelegenen Puls­nitz. Mitte des 19. Jahrhunderts stellte Großröhrsdorf mit 32 Bandfabriken und mehr als 1000 Bandwebstühlen eines der größten Zentren der Band- und Gurtweberei in Deutschland dar. Auch heute noch spielt die Branche eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Kleinstadt.

Doch die meisten der früheren Betriebe und Arbeitsmittel leben heute nur noch in der Erinnerung fort – und in einem kleinen, aber feinen Museum. Das Museum der Bandweberei besteht seit 1998 und hat in diesen Tagen eine große Anerkennung erfahren: Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD), ihres Zeichens auch Vorsitzende des Zweckverbandes Sächsische Industriemuseen, unterschrieb gemeinsam mit ihrer Großröhrsdorfer Amtskollegin Kerstin Ternes (parteilos) eine Vereinbarung über eine enge und beiderseitig nutzbringende Zusammenarbeit. Eine spätere Mitgliedschaft ist nicht ausgeschlossen.

„Damit liegt jetzt in Papierform vor, was wir bereits seit einiger Zeit praktizieren“, freut sich die Großröhrsdorfer Stadtchefin. Denn: Mit der – relativ – nahe gelegenen Energiefabrik in Knappenrode pflegt das Bandwebereimuseum bereits einen intensiven Austausch. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit bildet eine Ausstellung des Fotografen Olaf Martens, der seine Models in der früheren Brikettfabrik zum Thema „Die Zukunft der Arbeit“ in Szene setzte. Als Leihgabe können die futuristischen Fotografien derzeit in Großröhrsdorf bestaunt werden.

Die „Großröhrsdorfer“ ihrerseits wollen demnächst eine defekte Wäschemangel aus dem Fundus der Energiefabrik in Augenschein nehmen und sehen, ob sie diese reparieren können.

Und am Gelingen dürfte es kaum Zweifel geben, denn: die Mitglieder des Fördervereins haben schon ganz andere Maschinerien zum Laufen gebracht. „Unser Prinzip lautet: Alles, was in unserer Ausstellung steht, kann sich auch bewegen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Bernd Hartmann. Ob einfacher Handwebstuhl von 1680 oder moderner Webautomat, ob Jacquardwebstuhl oder Einzylinder-Dampfmaschine: Mit wenigen Handgriffen kommt jedes Exponat in Gang.

Ein Rundgang offenbart, mit wie viel Liebe und Akribie die Technikfreunde aus dem Rödertal ihre Ausstellung pflegen: Das Metall strahlt und blitzt, das Holz glänzt, kein Staubkörnchen kann sich darauf niederlassen. Ein Eindruck, dem sich auch Barbara Ludwig nicht entziehen kann: „Unsere Vereinbarung stellt eine Anerkennung der Leistungen dar, die hier vollbracht werden. Das Bandwebereimuseum ist für uns eine große Bereicherung, von dem alle Mitglieder des Zweckverbandes profitieren können.“ Besonders aber – der räumlichen Nähe geschuldet – natürlich Knappenrode.

Der dortigen Museumschefin Kirstin Zinke fallen viele Themenfelder ein, auf denen eine Zusammenarbeit denkbar ist. Zunächst könne man immer wieder einmal kleinere Ausstellungen tauschen – wie jetzt die in der Energiefabrik entstandenen Fotografien. „Beim Thema Konservierung und Pflege von alter Maschinentechnik können wir sicher viel voneinander lernen. Ebenfalls die Museumspädagogik – die Frage, wie man Schulen für die Ausstellungen begeistert – bietet viele gemeinsame Möglichkeiten“, so Kirstin Zinke. Auch, um Nachwuchs für die Pflege der Museumstechnik zu gewinnen, denn da sieht es in Großröhrsdorf eher mau aus.