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| 19:38 Uhr

Polizei-Einsatz in der Königsbrücker Heide
Mutmaßlicher Gewalttäter richtet sich selbst

Rund um die Kaserne in Königsbrück hat die Polizei einen Ring gezogen, mit der Waffe im Anschlag.
Rund um die Kaserne in Königsbrück hat die Polizei einen Ring gezogen, mit der Waffe im Anschlag. FOTO: dpa / Tino Plunert
Königsbrück. Der mutmaßliche Gewalttäter, der sich bei Königsbrück in einer Kaserne verschanzt hatte, ist tot. „Unsere Einsatzkräfte haben einen Raum betreten und den Tatverdächtigen leblos aufgefunden“, schrieb die Polizei Sachsen am Montagabend auf Twitter. „Wir gehen von Suizid aus.“

Belagerung in der Königsbrücker Heide: 30 Kilometer nordöstlich von Dresden hat die Polizei am Montag mit einem großen Aufgebot den bewaffneten Tatverdächtigen im Fall einer getöteten Rentnerin gestellt, konnte ihn jedoch auch nach stundenlangem Einsatz nicht festnehmen. Der 33 Jahre alte Sportschütze und ehemalige Bundeswehrsoldat hatte sich auf der Flucht vor der Polizei in einem alten Garnisonsgebäude einer Kaserne versteckt und am Abend im Dachgeschoss verschanzt. „Er kommt nicht mehr weg“, sagte ein Polizeisprecher.

Aus dem Haus in Königsbrück im Landkreis Bautzen eröffnete der Mann mehrfach das Feuer. Dabei wurde ein Beamter der GSG 9, der Spezialeinheit der Bundespolizei, am Arm verletzt. Zudem wurde ein Diensthund beim ersten Zugriffsversuch durch ein Projektil getroffen.

Versuche der Verhandlungsgruppe, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen, scheiterten. Der Gesuchte, dessen Eltern in Königsbrück wohnen, lehnte den Kontakt ab. Der Einsatz wurde zu einem stundenlangen Nervenkrieg, bis die Einsatzkräfte am Abend der 33-Jährigen bei der Durchsuchung des Gebäudes leblos in einem Raum im Dachgeschoss auffanden

Nach dem Mann fahndete die Polizei seit Samstag. Er steht im Verdacht, in Dresden eine 75 Jahre alte Nachbarin getötet zu haben. Die Rentnerin war am Samstag mit mehreren Messerstichen tot in ihrer Wohnung gefunden worden.

Am Montagvormittag hatte die Polizei nach Zeugenhinweisen das Areal der ehemaligen Kaserne ins Visier genommen und weiträumig abgesperrt. Anwohner hatten an dem Waldstück ein weißes Fahrzeug gesehen. Mit dem Verdächtigen war auch ein weißer Wagen mit Kamenzer Kennzeichen zur Fahndung ausgeschrieben.

Als für einen Augenblick der Wind abgeebbt war und der Rotorenlärm des Helikopters nachgelassen hatte, hatten Zeugen hinter der Polizeiabsperrung Schüsse gehört. Immer wieder waren Schaulustige zur Kaserne gekommen. „Es war zeitweise wie eine Völkerwanderung“, berichtete ein Zeuge.

Bereits am vorigen Donnerstag hatte es in der Wohnung des Gesuchten einen Polizeieinsatz gegeben. Nachbarn hatten die Beamten alarmiert, weil der 33-Jährige im Alkoholrausch randaliert hatte. Der Mann war wegen aggressiven Verhaltens für eine Nacht in Gewahrsam genommen worden.

Der Polizei zufolge waren in der Wohnung zudem mehrere Waffen festgestellt und vorsorglich in Verwahrung genommen worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers handelte es sich dabei um fünf Gewehre und zwei Pistolen. Der 33-Jährige ist Sportschütze und hat eine Waffenbesitzkarte für die Waffen. Die Waffenbehörde der Stadt Dresden sei über das Vorkommnis informiert worden.

Seit Montagmorgen hatten die Sicherheitskräfte das Waldgebiet in Königsbrück in der Oberlausitz abgeriegelt. Über dem Areal kreisten zeitweilig zwei Hubschrauber. Über Stunden hatten Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) das Erdgeschoss gesichert und versucht, weiter in das unbewohnte Haus vorzudringen.

Insgesamt waren rund 200 Polizisten aus Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt sowie der Bundespolizei im Einsatz. Am Abend wurden dann Kräfte aus anderen Bundesländern zur Ablösung angefordert.

(dpa/bob)