Zur gleichen Zeit, 20 Kilometer weiter Richtung Westen, erwachen Ingrid und Claus-Dieter Sluga aus ihren Träumen. Die beiden Hoyerswerdaer haben ihren Wohnwagen am Senftenberger See in Großkoschen stehen, dem einzigen Wintercampingplatz im Seenland. Ihr Tag beginnt nicht mit Schneeauftauen. Stattdessen wartet auf sie ein modernes Waschhaus mit Fußbodenheizung. Seit mittlerweile sieben Jahren gebe es in Großkoschen die Möglichkeit für Wintercamping, sagt Norbert Noack, Leiter des Familienparks. „Damals haben wir auf eine Initiative der Dauercamper reagiert“ , erzählt er. Seitdem kommen seiner Einschätzung nach etwa 50 der insgesamt 340 Dauercamper auch während der Wintermonate.
Während die Slugas am Senftenberger See gerade ihre Sachen in einer Waschmaschine reinigen und anschließend den Service eines Wäschetrockners nutzen, müssen die Schuberts am Knappensee selbst Wasser mitbringen. „Wir hatten schon mal minus 15 Grad Celsius am Morgen und mussten Schnee in einem Kessel auftauen, um Wasser zu haben“ , sagt Stephan Schubert. Damit sie in den Wintermonaten überhaupt in ihrem Wohnwagen übernachten können, mussten sie sich eine Chemietoilette zulegen.
Aber solche Umstände halten die Dresdner nicht davon ab, mindestens ein Wochenende pro Monat in ihrem Heim auf Rädern zu entspannen. Denn sie lieben Wintercamping. „Im Sommer campt doch jeder“ , sagt Stephan Schubert. Seit 15 Jahren stehe ihr Wohnwagen mittlerweile am Ufer des Sees. Seitdem hätten sie schon viele Neujahrsfeiern mit den Campingnachbarn erlebt. Am kältesten sei es bisher zum Jahrtausendwechsel im Jahr 1999 gewesen. „Wir waren alle draußen und wollten Feuerzangenbowle machen“ , erinnert sich der 51-Jährige. „Es war so kalt, dass nicht einmal der Alkohol brannte.“
Wenn es auf ihrem Campingplatz fließend Wasser und geöffnete Waschräume während der Wintermonate gebe, würden sie öfter kommen als nur einmal im Monat, sagt Stephan Schubert. Aber bis am Knappensee ein vergleichbarer Service wie am Senftenberger See geboten werde, vergehe noch viel Zeit, schätzen die Dresdner ein.
Sven Koppen, Betreuer des Campingplatzes am benachbarten Silbersee, sagt: „Für Wintercamping ist es auch hier noch zu früh. Es fehlt an den technischen Voraussetzungen und an der Nachfrage.“
Trotz der besseren Umstände am Senftenberger See müssen sich auch Ingrid und Claus-Dieter Sluga auf die Temperaturen in der Winterzeit einstellen. „Im Winter muss man als Camper gesundheitlich fit sein“ , sagt Claus-Dieter Sluga (59), der nach eigenen Angaben noch bis Anfang November im Senftenberger See schwimmen gehe. Aber Eisbaden würde er nicht. „Im Winter machen wir Nordic-Walking oder fahren mit dem Rad um den See.“ Besonders die Ruhe sei es, weshalb sie zwischen November und März so oft zu ihrem Wohnwagen am See führen. „Es ist so romantisch, wenn im Winter der Schnee überall liegt und der See zugefroren ist“ , sagt Ingrid Sluga (59) und schwärmt. Mit einer Propangasflaschen halten die Slugas ihren Wohnwagen in den Wintermonaten warm. „Mit einer Flasche für etwa 13 Euro können sie eine knappe Woche heizen“ , rechnet der Hoyerswerdaer vor.
Auf eine moderne Gasheizung greifen auch die Schuberts am Knappensee zurück. Für extreme Minustemperaturen hätten sie eine besondere Strategie, um die Dämmung im Vorzelt zu verbessern. „Wenn es kälter als minus 15 Grad ist, hängen wir die alubeschichteten Matten aus dem Sanikasten in das Vorzelt“ , erklärt die Dresdnerin.