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Molkerei Niesky beantragt Kapazitätserhöhung

Die Nieskyer Molkerei will ihre Verarbeitungskapazität erhöhen und hat dafür einen Antrag auf Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung gestellt.
Die Nieskyer Molkerei will ihre Verarbeitungskapazität erhöhen und hat dafür einen Antrag auf Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung gestellt. FOTO: ume1
Niesky. Die Molkerei Niesky GmbH will künftig täglich 360 Tonnen Milch am Tag verarbeiten. Bislang sind es laut Angaben auf der Website des Unternehmens "über 240 Tonnen." Für die dafür erforderlichen Veränderungen hat die Fude + Serrahn Milchprodukte GmbH & Co. KG als Mutterunternehmen einen Antrag auf Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung gestellt. Uwe Menschner / ume1

Die entsprechenden Unterlagen für die Produktionserweiterung liegen noch bis zum 3. November in der Stadtverwaltung Niesky sowie beim Umweltamt des Landkreises Görlitz in Löbau an der Georgewitzer Straße zur Einsichtnahme aus.

Bereits seit 1889 ist Niesky Standort einer Molkerei, damals noch firmierend als Friedrich Engelke GmbH, Centralmolkerei und Dauermilch-Fabrik Niesky. Zu DDR-Zeiten als Teil des Kombinates Milchwirtschaft Dresden für die regionale Versorgung mit Molkereiprodukten zuständig, hat sich die Molkerei Niesky nach der Wende auf die Produktion von Käse spezialisiert. Seit 1993 gehört ein Zweitbetrieb in Olbernhau (Erzgebirge) zum Unternehmen.

Laut Antragsunterlagen umfassen die notwendigen Veränderungen die Aufstellung von drei Milchtanks, den Neubau einer Hofüberdachung sowie die Aufstellung eines "Misch- und Ausgleichsbeckens."

Hintergrund für die Errichtung des Letzteren ist laut Genehmigungsschreiben der Unteren Wasserbehörde beim Landratsamt, dass "über den Zeitraum von mehreren Jahren immer wieder erhebliche Probleme auf der städtischen Kläranlage auftraten." Dies sei auf die regelmäßig auftretenden "Frachtspitzen" zurückzuführen gewesen. Das Becken hingegen gewährleiste einen gleichmäßigen Ablauf des anfallendes Abwassers; zudem könne der pH-Wert angepasst werden. Die Steuerung und Vorbehandlung des Beckens werde elektronisch überwacht, und die Daten würden online an die Stadtwerke Niesky als Betreiberin der Kläranlage übermittelt. Dadurch soll die "frühzeitige Erkennung von Problemen" sichergestellt werden.

Die Träger der öffentlichen Belange stimmen dem Vorhaben in ihren bislang erteilten Stellungnahmen zu. So seien keine "relevanten Schadstoff- oder Geruchsemissionen" zu befürchten; die Geräuschemissionen blieben zu allen Tages- und Nachtzeiten unter den Grenzwerten.

Eher negativ hingegen sehen Tierschützer das Vorhaben. Nach Ansicht des Bündnisses "Tierfabriken-Widerstand" sei der geplante Ausbau der Nieskyer Anlage "Ausdruck des Strukturwandels im Milchgewerbe, der erhebliche negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt" zur Folge habe. Dem Trend zu immer größeren Milchkuhanlagen folge der Ausbau der Verarbeitungskapazitäten. Dies sei dem immer schärferen Wettbewerb geschuldet, zu dem ein schwächelnder chinesischer Markt und das Russlandembargo beitrügen.

Diese Faktoren benennt auch die Molkerei Niesky GmbH in ihrem Lagebericht für das Geschäftsjahr 2015 als Ursache für einen gesunkenen Milchpreis, der gegenüber 2014 zu einem niedrigeren Umsatz führte. Die Milchmenge hingegen sei gleich geblieben. Trotz dieser Umstände kann das Unternehmen mit seinen mehr als 90 Beschäftigten auf ein positives Jahresergebnis verweisen.