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Moderne Gestaltung in alten Mauern

Zahlreiche Besucher nahmen Einblick in das neu gestaltete Objekt, das einen Teil des Hoyerswerdaer Polizeireviers beherbergt. Architekt Stephan Schultz (r.) führte die Gäste.
Zahlreiche Besucher nahmen Einblick in das neu gestaltete Objekt, das einen Teil des Hoyerswerdaer Polizeireviers beherbergt. Architekt Stephan Schultz (r.) führte die Gäste. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Hoyerswerda. "Architektur schafft neue Lebensqualität". Das war das Motto des bundesweiten Tages der Architektur am Wochenende. Anja Guhlan / ang1

Die RUNDSCHAU hat sich in Hoyerswerda das sanierte Polizeirevier angesehen, das zeigt, wie diese neue Lebensqualität aussehen kann.

Es ist schon eine Weile her, seit Anita Burk zuletzt über die Schwelle des Gebäudes trat, genau 33 Jahre. "Von 1979 bis 1984 habe ich in diesem Gebäude gearbeitet", sagt die Hoyerswerdaerin. Umso neugieriger ist sie, was aus dem einstigen Rat des Kreises geworden ist. Denn erst seit September vorigen Jahres findet in diesem Gebäude wieder Büroarbeit statt. Zuvor stand das Gebäude, das im Jahr 1815 im Reformstil erbaut wurde, jahrelang leer. Nach der umfangreichen Sanierung ist das heutige Haus 2 des Polizeireviers Hoyerswerdas eines der Objekte, die zum Tag der Architektur der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Architekt Stephan Schultz aus Dresden führt die Besucher durch die Räume. "Es war ein sehr aufwendiges, aber herausforderndes Projekt", leitet der Architekt ein, der im Auftrag des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements vom geplanten Entwurf über die Baubegleitung bis hin zur Fertigstellung für die Sanierung mit seinem Architektenbüro Blum und Schultz verantwortlich war. Denn der Denkmalschutz, der Brandschutz und die sparsam konstruierte Tragfähigkeit in dem Gebäude waren schwer in Übereinstimmung zu bringen. Dennoch hat es das Architektenbüro geschafft. "Das Gebäude hat seinen ursprünglichen Charakter behalten und genügt trotzdem den modernsten Anforderungen", sagt Schultz. Die größte Besonderheit aus architektonischer Sicht: Tragende Wände sind im ursprünglichen Gebäude etwa alle 3,40 Meter vorhanden gewesen. "Eine Baukonstruktion, die es eigentlich gar nicht geben kann", sagt Schultz. Deshalb wurden zusätzlich tragende Wände eingebaut.

Auch um den Ansprüchen des Polizeireviers gerecht zu werden, wurden zusätzliche Trockenwände errichtet. Das habe die Raumstruktur ebenfalls veränder.

So sind für Besucherin Anita Burk die Flure größer geworden und aus manchem Raum sind zwei Zimmer entstanden. "Im Großen und Ganzen wurde aber versucht, das Alte zu erhalten", sagt sie und fasst auf die neu überarbeiteten alten Bürotüren. Auch das historische Treppengeländer mit dem geschwungenen Handlauf ist im Originalzustand. Aus arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben ist es jedoch um einen Meter erhöht worden.

Auch farblich haben sich die Architekten an die ursprünglichen Farben Gelb und Grün gehalten, mit denen jetzt die unterschiedlichen Wände von Büro-, Sozial- und Schulungsräumen im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss gestaltet wurden. Der Keller ist eher nüchtern gestaltet worden. Er beherbergt vier Vernehmungsräume und einen Verwahrraum. Die Böden gleichen mit ihren materialsichtigen Oberflächen Steinfußböden.

"In dem Gebäude lässt es sich jetzt hervorragend arbeiten", sagt Detlef Stierl, der 1. Kriminalhauptkommisar, der den Kriminaldienst leitet. Auch Besucher, wie Michael Mietzsch, sind begeistert: "Ich freue mich, dass das Gebäude, das schon immer als Verwaltungsgebäude diente, wieder so schön hergerichtet wurde und nun seinen neuen Dienst erfüllt", sagt der 56-Jährige. Er habe das Baugeschehen verfolgt und ist nun froh, einmal Einsicht nehmen zu können.

Auch bei der Außenhülle des Gebäudes haben die Bauleute in Anlehnung an das Ursprungsgebäude ebenfalls alte Elemente freigelegt, gesäubert oder neu hergerichtet. Alte Ornamente oder historische Zeichen am Gebäude sind erhalten geblieben. So strahlen noch zwei Handwerkswappen an der Vorderseite des Objekts um die Wette. "Das Gebäude diente demnach auch mal als Verwaltungsgebäude für die Handwerkskammer", sagt der Architekt. Solche gebäudehistorischen Merkmale sollten seiner Meinung nach unbedingt erhalten bleiben. Am Ende ist Schultz zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn es ziemlich genau zwei Jahre Sanierungszeit in Anspruch genommen hat.

Zum Thema:
Schon seit 22 Jahren bietet der Tag der Architektur der Öffentlichkeit in Deutschland Einblicke in Objekte und Projekte der zeitgenössischen Architektur. Der Tag der Architektur findet in der Regel am letzten Juni-Wochenende statt. In Sachsen standen in diesem Jahr mehr als 80 Objekte für Besichtigungen zum Tag der Architektur zur Verfügung.