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Mittelschüler erschüttert nach Besuch in Pirna

Ute Eckhardt, Ethik- und Geschichtslehrerin der Mittelschule Bernsdorf berichtet über einen ungewöhnlichen Unterrichtstag: Vor kurzem fuhren wir nach Pirna-Sonnenstein.

Dort hatten die Nationalsozialisten die seit 1811 existierende Anstalt für psychisch Kranke sowie geistig und körperlich Behinderte in eine perfekt funktionierende Tötungsanstalt umgewandelt. In den Jahren 1940/41 wurden dort im Rahmen der „Aktion T 4“ des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms etwa 15 000 Menschen umgebracht.
Die Schüler lernten einen jungen Österreicher kennen, der seinen Zivildienst als Gedenkstättendiener absolviert und dabei engagierte Projekte mit Jugendlichen über das Geschehen in dieser Anstalt durchführt.
Die neunten Klassen der Mittelschule Bernsdorf hatten das Thema „Sterbehilfe und Euthanasie: Entscheidung über Leben und Tod“ gewählt, da es sich am besten mit den entsprechenden Lehrplaneinheiten des aktuellen Geschichts- und Ethikunterrichtes verknüpfen ließ.
Tief erschüttert erfuhren sie, wie aus einer modernen, vorbildlich funktionierenden Heil- und Pflegeanstalt unter Mitwirkung von Ärzten, Pflegern Schwestern und weiteren Angestellten eine Tötungsanstalt wurde. Unfassbar, unter welchen Aspekten zwischen dem so genannten lebenswerten und dem lebensunwerten Leben ausgewählt wurde.
Nach dem einleitenden Vortrag fand die Führung durch die Räume der Gedenkstätte statt. Nur wenig erinnert heute darin an die Gaskammer oder die Verbrennungsöfen. Es soll kein Gruseleffekt erzeugt werden, sondern durch gewählte exemplarische Einzelschicksale beeindrucken - und diese Wirkung hatte es auf alle Fälle.
Der dritte und damit Hauptabschnitt des Projekttages war die Gruppenarbeit an speziell ausgewählten Aufgaben zur Vertiefung des Themas. Dabei wurden Quellen studiert und ausgewertet, aber auch die ständige Ausstellung genutzt. Danach stellten alle Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse im Plenum vor und diskutierten darüber. Erstaunlich, mit welcher Selbstständigkeit und Intensität die Arbeit bewältigt wurde.
Zum Schluss waren alle einig, diese Art des Unterrichts ist anschaulich und prägt sich stärker als jeder Lehrervortrag oder Lehrbuchtext ein.
Besonders erschütterte alle am nächsten Tag eine E-Mail des Gedenkstättendieners, in der er mitteilte, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Personen aus Bernsdorf dort getötet worden sind.