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Mit zwei Drachen auf Erkundungstour

Richard und Anton Fuchs mit dem Dresdener Schauspielprofi Steffen Urban.
Richard und Anton Fuchs mit dem Dresdener Schauspielprofi Steffen Urban. FOTO: U. Herzger/uhz1
Schwarzkollm. "Mami, Mami, kuck doch mal dort. Da steht ein Saurier!" Marius war ganz aufgeregt, als er diese Entdeckung machte. Ulrike Herzger / uhz1

Auch die Eltern des Fünfjährigen hatten "ihn" gesehen und beobachtet, dass es einen kurzen Augenblick später schon einen zweiten "Saurier" gab. Um beide bildete sich schnell eine kleine Menschentraube umringt waren. Auch Marius und seine Eltern gesellten sich neugierig hinzu und erfuhren, dass sie hier durch die Lautaer Zwillinge Anton und Richard Fuchs gerade die Gelegenheit haben, einen Blick hinter die Kulissen der "Krabat"-Festspiele zu werfen. Und dafür hatten sich die Zwillinge zwar nicht in Saurier verwandelt, aber ihre Hausdrachenkostüme, die sie bei den Vorstellungen tragen, angezogen.

Auf dem Weg zum "Turm des Müllers" wurde unter anderem erklärt, dass es für die Festspiele seit Anbeginn auch extra Kostümbildner gibt und diese gerade bei den Sonderrollen der Zwillinge wie für die Irrlichter, die Lutkis oder auch für ihr jetziges Plon-Kostüm oft recht fantasievoll arbeiten dürften. Im Turm war neben einigen Original-Requisiten aus dem Krabat-Film wie der Laterne auch einiges an Technik zu bewundern.

"Die große Anzahl von Scheinwerfern wird von hier oben genauso gesteuert wie die 18 Lautsprecher und die acht Monitore", erfahren die Gäste der Führung. Eine Herausforderung für jeden, der eine Sprecherrolle hat, sei das genaue Timing, weil Mikros manchmal noch untereinander getauscht werden müssen, da es mehr Sprecher als Mikros gibt. Durch die beiden Beamer können die Zuschauer jetzt auch viele beeindruckende Spezialeffekte erleben wie der Eindruck von fließendem Wasser.

Vorsichtig ging's wieder treppab. Auf der großen Wiese zwischen Mühle und Zuschauerreihen wurde das Riesenausmaß der Spielfläche deutlich. Das veranlasste eine Besucherin zu der Frage, wer denn eigentlich für die Platzaufteilung zuständig ist. "Dafür sorgt der Co-Regisseur. So gibt es für uns an einigen Stellen auch Markierungen, die wir nicht übertreten dürfen, damit uns das Publikum nicht sieht, wenn es uns nicht sehen soll", erklärte Richard Fuchs. "Manche Szenen erfordern eine besonders ausgeklügelte Strategie beim Umziehen", fügte er an. So habe es eine der Darstellerinnen, die eine Doppelrolle übernommen hat, nicht leicht, wenn sie sich aus einer etwa 70-jährigen Frau in nur wenigen Minuten in die fidele übermütige Tochter des Wassermannes verwandeln muss. Da brauche sie viele Helfer. In der Hektik darf dann keine falsche Perücke gegriffen werden.

Für den Blick in den Kostümfundus wurde in dem zuletzt errichteten Gebäude, dem Jurij-Brezan-Haus, unter das Dach gestiegen. Das Gebäude wird erstmals ins Theaterstück einbezogen.

Ein weiteres Highlight war die Bekanntschaft mit dem Dresdener Schauspieler Steffen Urban. Er wurde zum Textlernen und übers Schminken ausgefragt: "Für 52 Textbuchseiten reichen mir fünf bis sechs Proben und die erfolgen immer in Zusammenarbeit mit anderen der Szenerie sowie dem Regisseur. Spätestens ab der Premiere wird das Textbuch verbannt. Was man bis dahin nicht kann, lernt man nicht mehr", sagte er lachend.

Für das Schminken "auf Alt" brauche es verschiedene Brauntöne. Die Darsteller würden sich meist selbst schminken und unterstützen sich dabei auch gegenseitig.

Von einem wunderbaren Verhältnis, das im ganzen Ensemble herrsche, sprachen die Zwillinge - ob vor oder hinter der Bühne, hier werde jede Arbeit und Leistung geachtet. Das zeige sich auch nach den Vorstellungen immer wieder.