"Unsere bereits installierten Kälteanlagen erzeugen in Verbindung mit unseren BHKW bis zu 250 Kilowatt Kälteleistung im Minusgradbereich", erklärt Livia-Marie Lippert. "Sie werden vorrangig in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Unsere kleinen Aggregate nutzen einen Teil der Wärme des BHKW für den Antrieb einer Kältemaschine, die 25 Kilowatt Kälte erzeugt."

Begeistert analysiert die Studentin der Staatlichen Studienakademie (BA) Riesa die Energieflüsse der kleinen Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage (KWKK), die sich fast unscheinbar in einen nahezu Lkw-Anhänger großen Container kuschelt. Selbst Platz für eine Begehung mit Besuchern und Kunden ist noch vorhanden. Eine Grafik am Terminal neben der Versuchsanlage verdeutlicht die unsichtbaren Zusammenhänge aus dem Inneren der hellgrauen "Black-Box". Rot leuchten die Wärmestränge. Blaue Linien verraten den Kältefluss im System. Welche Energieform der Anlage abgenommen wird, ist variabel. Los geht die Umwandlung aber immer mit einem möglichst erneuerbar gewonnenen Brennstoff. "Das ist der Motor der BHKW-Einheit. Diese erzeugt Strom und ganz nebenbei eine Menge Wärme, die über Wärmetauscher an den Verbraucher weitergeleitet wird", erklärt Livia-Marie.

Auf kleinstem Raum

Im Versuchscontainer wird jedoch bei Bedarf auf kleinstem Raum zusätzlich auch Frost erzeugt. Livia-Maries Aufgabe ist es, die Energieeffizienz des gesamten Systems zu bestimmen. Messreihen für bis minus sechs Grad waren schon sehr vielversprechend. Den Nachweis der energetischen und wirtschaftlichen Effizienz für bis zu minus neun Grad möchte die junge Studentin in diesem Fall in ihrer Diplomarbeit liefern.

Interessant werde eine solches System, für das es weltweit im Moment keinen anderen Hersteller gebe, beispielsweise für kleinere Kältelogistikzentren oder Lebensmittelmärkte, erklärt Silvio Müller. Der Diplom-Betriebswirt (BA) ist Leiter im Bereich Planung und betreut als Mentor den Praxisanteil von Livia-Maries Dualem Studium. Dazu gehört auch die abschließende Diplomarbeit.

Dass Frauen sich auf das Fachgebiet der Umwelt- und Energietechnik wagen, sei nicht mehr so ungewöhnlich, sagt Silvio Müller. Etwa ein Viertel der Mitarbeiter in der Planung seien Frauen. Wogegen in der Buchhaltung nur Frauen arbeiten. Viele junge Frauen würden in die sozialen Berufe gehen, berichtet Livia-Marie von ihren Kommilitoninnen. Sie selbst aber habe schon in der Schule eine Vorliebe für Mathematik und Physik entwickelt.

Der Kontakt zu Yados kam über eine Ausschreibung des Unternehmens auf der Website der Hochschule zustande. Das Unternehmen habe ihr den Wunsch erfüllt, in den Praxiswochen die komplette Produktion durchlaufen zu können, sagt die Studentin dankbar. So sind auch die handwerklichen Prozesse in der Herstellung ihrer Anlagen für die Ingenieurin in spe kein Geheimnis mehr. Umso besser werde sie als Konstrukteurin der Produktion später einmal vermitteln können, wie sie sich die Umsetzung ihrer Planungen vorstellt.

Doch erst einmal muss bis zum September die Diplomarbeit fertig werden. Hierbei könne sie alle Bereiche des Studiums noch einmal in die Anwendung bringen, freut sich Livia-Marie. Für die Zeit danach winkt der Großräschenerin, die gemeinsam mit ihrem Freund in Senftenberg ihren künftigen Lebensmittelpunkt sieht, ein Arbeitsvertrag bei Yados in Hoyerswerda.

Platz für gute Leute

"Wir suchen immer gute Leute, derzeit vor allem Kältetechniker", sagt Silvio Müller und wirft einen Blick in die große Produktionshalle, in der es nur zwei Jahre nach dem Einzug der Firma in den Neubau schon wieder eng wird. Im Moment schaffen sich die Mitarbeiter durch interne Umstrukturierungen den notwendigen Platz. Schließlich brauchen auch die Versuchsanlagen des studentischen Nachwuchses, der für den kommenden Herbst wieder gesucht wird, viel Freiraum für immer neue Ideen. Bald aber werde man ernsthaft über eine Erweiterung der Flächen nachdenken müssen, sagt Silvio Müller. Erste Pläne dazu liegen schon in der Schublade.