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Mit viel Charisma auf nach Monza

Hoyerswerda.. „Kerstin, schlaf nicht! Christian, du bist zu weit links! Trommler, Hände nach vorn!“ Unablässig kommandiert Andreas Wagner Anweisungen durchs Mikro. Aus dem Augenwinkel erkennt er die kleinste Abweichung, sieht genau, wer falsch steht, wer zu früh losläuft. Jedes Detail muss sitzen. Schließlich soll der Hoyerswerdaer Fanfarenzug bei der Weltmeisterschaft in Monza glänzen. Und deshalb wurde in der vergangenen Woche fast jeden Abend im Jahn-Stadion kräftig geprobt. Von Christiane Klein

„Ich sage nicht, dass wir die Weltmeisterschaft gewinnen. Aber wir haben eine reale Chance“ , sagt Andreas Wagner, künstlerischer Leiter des Hoyerswerdaer Fanfarenzuges. Monatelang hat er die Show mit seinen Jungs und Mädels geübt. „Am Anfang haben mir viele einen Vogel gezeigt, haben gemeint: ,Das klappt nie!'“ , erinnert sich Wagner. Er hat sie vom Gegenteil überzeugt und allen Ungläubigen bewiesen, dass ein Fanfarenzug-Auftritt mehr sein kann, als akkurates Marschieren. Mit dem „Festlichen Entree“ , dem „Energizer“ , „Lollipop“ , „Jump“ (Rock), dem „Tango No. 1“ und dem „Entenpop“ will der Hoyerswerdaer Verein in Italien aufs Neue beweisen, dass er Weltklasse hat.

Charme, Energie und Kreativität
„Uns zeichnet nicht die Masse aus. Unsere Chance sind Charme, Energie und Kreativität“ , weiß Wagner. Doch die Spielleute wissen auch, dass Charisma allein nicht reicht, um vor den Kampfrichtern zu bestehen. „Die Kampfrichter messen uns nicht am Besten, sondern am Schlechtesten, der auf dem Platz steht“ , erklärt Vorstandschef Enrico Jutzies. „Das sind alles Profis mit jahrelanger Erfahrung.“ Die Juroren schauen hauptsächlich auf die Musik, die Show, die Arrangements und die Umsetzung.
Dafür, dass der Zug im Takt bleibt, ist eine Frau verantwortlich: Stabführerin Ricarda Wiesner. Die 16-Jährige führte die Hoyerswerdaer bereits vor ein paar Wochen zum Sieg bei der Landesmeisterschaft. In Monza steht ihr ihre erste Weltmeisterschaft als Stabführerin bevor. „Bis jetzt geht es noch mit der Nervosität. Aber mal schauen, wie das dann in Italien auf dem Platz ist“ , erzählt die Hoyerswerdaerin, die seit 1996 im Verein Fanfare bläst. Ihre Aufregung hat Annekathrin noch im Griff, „aber ich gehe abends im Bett schon noch mal die Schrittfolgen im Kopf durch“ , gesteht die 14-Jährige, die bereits zum dritten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei ist.

Italienisches i-Tüpfelchen
Neben Enrico Jutzies und Andreas Wagner haben auch Henry Vesper (Registerleiter Schlagzeug) und seine Schwester Carola (Registerleiterin Bläser) großen Anteil daran, dass die mehr als 70 Spielleute, die morgen Abend nach Monza aufbrechen, ihr Handwerk beherrschen. Sie werden mit dafür sorgen, dass die Show bis ins i-Tüpfelchen sitzt. Und den Punkt überm „i“ soll in diesem Jahr das Ende der Show setzen. Dabei ziehen die Hoyerswerdaer grüne und rote Tücher aus ihren Taschen und grüßen mit einem freudigen „Viva“ in den italienischen Nationalfarben den Gastgeber der Weltmeisterschaften.
„Ich bin mir sicher: Das wird ein Knaller“ , ist Andreas Wagner überzeugt und hat im Kopf schon wieder Ideen für eine neue Show im kommenden Jahr.

Zum Thema Die Weltmeisterschaft
  Mehr als 70 Fanfarenzügler aus Hoyerswerda machen sich morgen Abend mit Bussen auf ins italienische Monza. Dort werden über mehrere Tage die Weltmeisterschaften ausgetragen. Am Dienstagabend haben die Hoyerswerdaer gegen 23 Uhr ihren Auftritt. Maximal 17 Minuten bleiben ihnen, um die Kampfrichter von ihrem Können zu überzeugen.
Um bei so großen Veranstaltungen wie der Weltmeisterschaft bestehen zu können, ist der Fanfarenzug auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Spenden können auf das Vereinskonto (Nr: 3 000 130 186; BLZ: 85 55 05 00) überwiesen werden. Wer eine Spendenquittung möchte, sollte sich beim Fanfarenzug in der Herrmannstraße (Vereinshaus) melden.
Mehr zum Fanfarenzug unter www.fanfarenzug-hoyerswerda.de.